Im Kreuzfeuer der Mafia

Lilly Wiedemann aus Kaufbeuren spielt eine Rolle in der neuen SWR-Serie „Spätzle arrabbiata“

Lilly Wiedemann mit Giovanni Funiati (links) und Adam Bousdoukos.
+
Sie spielen in der Serie „Spätzle arrabbiata“ eine Familie und verstehen sich auch als Schauspielkollegen außerordentlich gut: Lilly Wiedemann mit Giovanni Funiati (links) und Adam Bousdoukos. Der Dreh fand im Herbst 2019, also noch vor der Corona-Pandemie statt.
  • vonSelma Höfer
    schließen

Kaufbeuren – In der neuen SWR Serie „Spätzle arrabbiata oder eine Hand wäscht die andere“ spielt auch Lilly Wiedemann aus Kaufbeuren mit. Sie ergatterte die Rolle von Afrodite Rossi, der Tochter eines mafiösen Pizzariabesitzers. Bereits mit 14 war Wiedemann auf der Kinoleinwand zu sehen (wir berichteten). In den vergangenen Jahren kletterte sie die Karriereleiter weiter nach oben. Denn die Serie ist nicht das einzige Projekt, an welchem die junge Schauspielerin ihren Anteil hatte.

In „Spätzle arrabbiata“ verteidigen Adam Bousdoukos und Giovanni Funiati als ungleiche Brüder Familie und Existenz. Denn sie befinden sich im Kreuzfeuer zwischen kalabrischer und schwäbischer Mafia. In den sechs Folgen spielen außerdem Giovanna Nodari, Teresa Rizos, Christina Hecke und Patrick von Blume mit – Und Lilly Wiedemann. Online startete das neue Format Anfang Mai in der ARD Mediathek und im Fernsehen lief die Serie am Wochenende nach Christi Himmelfahrt an drei Abenden in Doppelfolgen. „Ich habe die Ausstrahlung sehnsüchtig erwartet“, gibt die heute 18-Jährige zu. Über ein Jahr musste sie sich in Geduld üben. Bereits im Herbst 2019 fand an 40 Tagen der gesamte Dreh von „Spätzle arrabbiata“ statt.

Sie spielen in der Serie „Spätzle arrabbiata“ eine Familie und verstehen sich auch als Schauspielkollegen außerordentlich gut: Lilly Wiedemann mit Giovanni Funiati.

„Wir haben immer gefroren, es war so kalt“, erzählt die junge Schauspielerin. Während die Handlung im Frühling spielt, fanden die Dreharbeiten tatsächlich von Oktober bis Ende November statt. „Ich habe keine Ahnung, wie die das mit dem Licht machen. Aber ich finde es sehr beeindruckend“, so Wiedemann.

Unverhofftes Angebot

An die Rolle sei sie ganz unverhofft gekommen. Normalerweise hilft dabei Dirk Fehrecke, ihr Agent. In diesem Fall flatterte das Drehbuch mitsamt Angebot ins Haus. Das geschah, nachdem Wiedemann beim Casting für eine andere Rolle nicht überzeugt hatte, den Produzenten jedoch scheinbar in Erinnerung geblieben ist. „Damit habe ich Null gerechnet.“ Die Freude aber sei groß gewesen.

Gerne denkt die junge Schauspielerin an den Dreh zurück. „Es hat einfach geklickt bei uns“, schwärmt Wiedemann von ihren Schauspielkollegen am Set. Es sei eine starke Verbindung entstanden. Sie spielten eine Familie und seien auch „wie zu einer Familie geworden. Wir hatten total viel Spaß.“ Nicht zuletzt aus diesem Grund hofft Wiedemann auf eine zweite Staffel der Serie. „Es war eine intensive Zeit und sehr, sehr traurig als es vorbei war.“

Sollte es eine zweite Staffel geben, will Lilly Wiedemann (links) sich mit ihrer Schauspielkollegin Giovanna Nodari auf Italienisch unterhalten können.

Hauptsächlich im baden-württembergischen Balingen wurde gedreht. „Ich bin ein absoluter Familienmensch“, sagt die 18-Jährige. So habe sie es sehr genossen, auf dem Weg zum Abendessen oder bei Spaziergängen mit ihrer Mama den Text zu üben. Denn ihre Mutter begleitete sie zu den Dreharbeiten. Auch über den schwäbischen Dialekt hätten sich die beiden „köschdlich“ amüsiert. Und die eine oder andere Redensart blieb sogar hängen, verrät die Jungschauspielerin. „A subber Sach‘ (= eine super Sache), das hat sich bei mir festgesetzt“, lacht die junge Frau über die schwäbische Redensart. Für ihre Arbeit als Schauspielerin war es jedoch ein Vorteil, dass sie in der Kindheit und Jugend eher Hochdeutsch gesprochen hat. Es sei leichter, Dialekte für eine Rolle zu lernen, als sich den eigenen abzugewöhnen, erklärt Wiedemann.

Die Arbeit mit Jakob Wild war für Lilly Wiedemann „a subber Sach‘ “.

Die Karriereleiter

Im zarten Alter von vier Jahren begann Lilly Wiedemann bereits am Kinder- und Jugendtheater Kulturwerkstatt Kaufbeuren Theater mitzuspielen. Sie entdeckte bald ihre Leidenschaft für die Schauspielerei. Und nachdem sie eine kleine Rolle in einem der „Kluftinger“-Krimis hatte, überzeugte sie in einem Casting für eine Kinoverfilmung. In „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ (2017), einem deutschen Film mit Elementen aus Drama und Komödie, spielte Wiedemann die Tochter des Hauptprotagonisten. In einer Folge der Herzkino-Reihe Katie Fforde war die Kaufbeurerin an einem Sonntag um 20.15 Uhr, also zur Primetime, im ZDF zu sehen. In der ARD-Serie „Tierärztin Dr. Mertens“ (ebenfalls in der Mediathek des Senders zu finden) verkörpert Lilly Wiedemann sechs Folgen lang die Pflegetochter der Tiermedizinerin.

„Ich bin meinen Eltern sehr dankbar. Sie haben mich immer bei allem unterstützt“, sagt die 18-Jährige. Sie lebe ihren Traum und weiß, welch großes Glück sie hat, sich immer auf ihre Familie verlassen zu können. „Ich bin auch sehr stolz darauf.“

Die Schauspielerin schaut sich gerne an, wo sie mitgewirkt hat. Insgeheim habe sie gehofft, nicht so lange auf die Erstausstrahlung von „Spätzle arrabbiata“ warten zu müssen. „Es ist total spannend, wenn man so lange an etwas gearbeitet hat, weiß wie der Dreh war und dann das Ergebnis sieht.“

Castings von zu Hause

Aktuell ist die Schauspielerin zu Hause in Kaufbeuren. Die Corona-Pandemie habe die gesamten Arbeiten in der Filmbranche kompliziert gemacht, berichtet sie. Sie genieße jedoch auch ihre „Family Time“. Doch auf der faulen Haut liegt Wiedemann nicht: Castings finden in erster Instanz digital statt, als „E-Casting“. Das besteht aus einem Video, in dem die Schauspielerin, beziehungsweise der Schauspieler eine vorgegebene Szene nachstellt. Und wer weiß, genaues kann die 18-Jährige noch nicht verraten, möglicherweise steht sie schon bald wieder hinter der Kamera.

In der ARD-Mediathek

Alle sechs Folgen der SWR Serie „Spätzle arrabbiata oder eine Hand wäscht die andere“ stehen in der ARD-Mediathek unter www.ardmediathek.de/swr kostenlos zum Abruf bereit.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Feiernde und Auto-Poser auf Parkplatz eines Restaurants
Feiernde und Auto-Poser auf Parkplatz eines Restaurants
Kaufbeurer Bauausschuss lehnt Antrag eines Investors ab
Kaufbeurer Bauausschuss lehnt Antrag eines Investors ab
Geänderte Besucherregelung in den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren
Geänderte Besucherregelung in den Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren
Nominiert: Stephan Stracke erhält 97 Prozent der Stimmen
Nominiert: Stephan Stracke erhält 97 Prozent der Stimmen

Kommentare