Nach Furore um Abholzung sieht sich die Stadt in der Pflicht

Neues Konzept für die Lindenallee?

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Für Schwerlastverkehr, seien es Traktoren oder städtische Räumfahrzeuge, ist die Allee nicht ausgelegt.

Marktoberdorf – Seit über 200 Jahren ist die Linden gesäumte Kurfürstenallee das Wahrzeichen Marktoberdorfs. Ihr Erbauer, Kurfürst Clemens Wenzeslaus ließ sich einst auf einer Sänfte durch die zwei Kilometer lange Reihe frisch gepflanzter Bäume tragen – Adel verpflichtet. Ein solches Naturdenkmal zu erben, stellt auch die Stadtoberen von heute vor Aufgaben und Pflichten.

Dass die Allee dem Wandel der Zeit ausgesetzt ist, sich in ihrem Umfeld Konflikte zwischen sinnvoller Bewirtschaftung, Freizeitwert, Naturschutz und der Gefahr durch Windbruch ergeben, hat aktuell Bürgermeister und Stadtrat aufgeschreckt. Nicht zum ersten Mal in der jüngeren Stadtgeschichte wurde die Allee zur „Chefsache“ erklärt. Zunächst 2013 noch unter Alt-Bürgermeister Werner Himmer und zuletzt in der vergangenen Sitzung des Stadtrats, als Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell erklärte. 

„Wir sind entschlossen, das Problem umfassend anzugehen.“ Doch von vorne: Für einen Aufschrei der Entrüstung hatte die Äußerung eines Marktoberdorfer Landwirts gesorgt, alle Bäume der Lindenallee abzuholzen und neu zu bepflanzen. Besagter Bauer muss, um zu seinen Feldern zu gelangen, fast täglich die Allee mit schweren Traktoren befahren. Für Schwerlastverkehr, seien es Traktoren oder städtische Räumfahrzeuge, ist die Allee allerdings nicht ausgelegt. Immer wieder werden Beschädigungen am Wurzelwerk oder Ästen der Stadt gemeldet. Erst im März dieses Jahres, sah sich die Stadt genötigt, aufgrund einer Wurzelverletzung Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Auch Sturm Niklas hinterließ jüngst seine Spuren am Baumbestand. Aber Abholzen? Die Stadträte distanzierten sich einhellig von dem Vorschlag, die uralten Bäume abzusägen und neu aufzuforsten. Die CSU-Fraktion gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Idee einer kompletten Abholzung Sprachlosigkeit geschaffen habe. Fraktionssprecher Eduard Gapp forderte mehr „Ehrfurcht“ und sagte: „Wir weigern uns, nur wirtschaftlichen Interessen zu folgen.“ 

Auch die Grünen, allen voran Georg Martin, fordern eine Lösung, die dem Naturschutz und den Landwirten gerecht wird. Und Verkehrsreferent Franz Barnsteiner verwies darauf, dass bereits vor eineinhalb Jahren ein Ersatzwege-Konzept erarbeitet wurde, das in „irgendeiner Schublade verschwunden“ sei. So sehen das auch die meisten der Landwirte, deren Felder an die Allee grenzen und die diese mehr oder weniger häufig befahren müssen. Sie zeigen sich durchaus kooperativ und bereit, auch Grundstücke für ein Wegekonzept der Stadt zu überlassen. Martin Neth, dessen Hof rund 200 Meter nördlich der Allee liegt, sagt: „Wir sind seit langem an einer gemeinsamen Lösung mit der Stadt interessiert und haben bereits 2013 zwei Wegenetz-Entwürfe erarbeitet.“ Diese scheiterten wohl auch daran, dass ein Bauer keinen Grund hergeben wollte. Neth mahnt hingegen: „Blockieren hilft ja nicht weiter.“ Aber auch die Stadt drücke sich seit langem. „Wegebau bedeutet immer auch Kosten. Jetzt muss die Stadt Vollgas geben.“

Stadt geht Gesamtkonzept an

Der Bürgermeister hat dies nun zumindest gegenüber dem Stadtrat versprochen. Zum Gesamtkonzept gehöre zunächst, dass der Zustand der Bäume, insbesondere deren Standfestigkeit, erfasst werde. Auch Bodenuntersuchungen und Bestimmungen des Artenschutzes würden überprüft. Mit dem Landratsamt solle die Rechts- grundlage für eine Sperrung der Allee vom Schloss bis zur Kreuzung B472 geregelt werden. Dann könne die Planung von Ersatzwegen beginnen. Aber auch Hell betont: „Das kann nur miteinander gehen.“ von Angelika Hirschberg

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