Lions Club Marktoberdorf Weihnachtsaktion

Ein Leihopa zu Weihnachten

Drei Geschwister Heimwerkeln Basteln
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Hobby-Heimwerker Kevin mit seinen Geschwistern Leonie (14) und Eliah (11)
  • VonMichael Dürr
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Marktoberdorf – Wenn Sie an Weihnachten einen Teenager begeistern wollen, dann schenken Sie ihm ein Mountainbike, eine Spielekonsole oder eine Music-Engine. Ganz anders allerdings bei diesem 13-Jährigen aus Marktoberdorf: Dessen Augen würden leuchten, wenn er einige Werkzeuge unterm Christbaum finden würde – und einen ganz bestimmten Menschen zu Gast hätte. Hier ist die Geschichte von Kevin, die einen ganz traurigen Hintergrund hat.

Der kleine Bub war gerade einmal vier Jahre alt, da geschah das Unfassbare: Kevins Papa Markus (damals 38) kam bei einem furchtbaren Unglück ums Leben. Von einer Sekunde auf die andere war der geliebte Vater, das große Vorbild, nicht mehr da. Der Papa, der seinen Sohn immer in den Schuppen mitgenommen hatte, um dort mit Hammer, Spachtel und Säge allerlei nützliche und schöne Dinge zu basteln. Heimwerken war die große Leidenschaft des Vaters gewesen, und das übertrug sich voll und ganz auf den ältesten Sohn. Mama Manuela (47): „Er war ein Papakind, ganz und gar.“

Stundenlang im Hobbykeller

Wie sollte es nach diesem unermesslichen Verlust weitergehen? So ganz ohne die väterliche Anleitung? Kevin wusste es nicht so recht; der ruhige, eher in sich gekehrte Bub saß fortan oft stundenlang im Hobbykeller und sortierte das vom Papa hinterlassene Werkzeug in verschiedene Regale ein. Neben den üblichen Schreiner-Utensilien fand sich da etwa eine Präzisions-Gehrungssäge, mit der Werkstücke in frei definierten Winkeln geschnitten werden können. Im Keller dabei war stets Kater Elvis (14), der heuer aber überfahren wurde. „Elvis war mein bester Freund“, erinnert sich der 13-Jährige, „er war immer bei mir.“

Der Bub schmiedete in seinem Hobbyraum aber auch Pläne für kommende Projekte. „Ich will zum Beispiel ein Hochbeet für meine Mama bauen“, hat er beschlossen, „weil sie eine begeisterte Gärtnerin ist.“ Toll fände er auch, im Sommer auf dem Buchel aus Totholz ein ganzes Camp zu bauen. Egal was, „ich will einfach dazulernen“, lautet der große Wunsch des kleinen Buben.

Kevin fand aber weder in seiner häuslichen Umgebung noch später in der Schule jemanden, der sein großes Hobby teilt. Schon gar nicht mochte sich ein Mensch auftreiben lassen, der ihn regelmäßig hätte anleiten und mit allerlei Tricks und Kniffen hätte weiterbringen können.

Lions Club kommt ins Spiel

In seiner Familie konnte Kevin diese Hilfe und Unterstützung auch nicht finden. Manuela kümmert sich als allein erziehende Mutter neben ihrem Fulltime-Job beim Landratsamt zwar aufopferungsvoll um ihn und seine beiden Geschwister, kann aber mit Stichsäge und Meißel so rein gar nichts anfangen. „Mir tut es leid, aber ich habe zwei linke Hände“, lacht sie kopfschüttelnd. Dass Schwester Leonie mit ihren 14 Jahren anderes im Sinn hat, als in ihrer Freizeit im Bastelkeller zu werkeln, liegt auf der Hand, und Bruder Eliah (11) ist zwar ein ausgesprochen aufgewecktes und keckes Bürschchen, im Job eines Handwerkmeisters aber doch (noch) überfordert.

Jetzt kommt der Marktoberdorfer Lions Club ins Spiel. Der hatte doch in Zusammenarbeit mit Schulen und der VR-Bank eine Weihnachtsaktion gestartet, bei der Geschenk-Paten für bedürftige Kinder gesucht wurden (Kreisbote berichtete). Auf einer der Wunschkarten, die an einem Christbaum in der Schalterhalle der VR-Bank hingen, wurde nach Werkzeugen als Geschenk für Kevin gesucht – und nach einem Leihopa, der Freude daran hat, mit dem Bub zu hämmern und zu sägen, zu schrauben und zu leimen. Wobei der Begriff „Leihopa“ beileibe nicht wörtlich zu nehmen ist: Kevin freut sich auch riesig, wenn ihm eine handwerklich begabte Frau oder ein jüngerer Mann unter die Arme greift. Wenn Sie diese Aufgabe gerne übernehmen wollen: Anruf beim Lions-Club unter der Rufnummer 01525-3757119 genügt!

Ob sich am Ende jemand für Kevin findet? Der Wunschzettel-Baum in der VR-Bank ist jedenfalls leer geräumt, wie Lions-Pressesprecherin Birgit Karle dem Kreisbote begeistert berichtet: „Wir sind restlos geplündert.“ Also hat auch jemand den Wunschzettel des 13-Jährigen an sich genommen. Wie es weiter geht? Am Heiligen Abend wissen wir mehr…

Von Michael Dürr

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