Literatur als nachhaltiges Erlebnis

Irseer Pegasus Literaturwettbewerb geht an Peter Zimmermann

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Traditionsgemäß postierte sich der diesjährige Preisträger, Peter Zimmermann, vor der Tür, die dem Pegasus-Wettbewerb seinen Namen gab.

Irsee – Der Irseer Pegasus Literaturpreis, seit 21 Jahren von der Schwabenakademie und dem Verband deutscher Schriftsteller in Bayern ausgerichtet, gehört in der Fachwelt zu den international renommierten Ausschreibungen. Mit gutem Grund, verbindet die Bildungseinrichtung den Wettbewerb mit einem dreitägigen Fortbildungsseminar für angehende Schriftsteller, die mit ihrer bisherigen schriftstellerischen Arbeit wie auch mit ihrem eingereichten Text die sachverständige Jury überzeugen konnten.

Für die jüngst 15 eingeladenen Autoren stellte es zweifelsohne bereits eine besondere Auszeichnung dar, aus den 181 aus acht Ländern eingereichten Texten ausgewählt worden zu sein. Hier müssen die Bewerber mit innovativen Elementen hinsichtlich des Inhalts, der Form und der Sprache den hohen Erwartungen der Jury gerecht werden.

Prominente Juroren

Nicht nur Literaturkenner dürften mit den Namen der fachkundigen Referenten vertraut sein: Dr. Sylvia Heudecker organisiert seit Jahren diese Veranstaltung. Thomas Kraft ist angesehener Autor und langjähriger Vorsitzender des genannten Schriftstellerverbands. Markus Orth macht seit langen Jahren mit seinen literarischen Werken auf sich aufmerksam.

Als Gastjurorin entschied man sich dieses Jahr für die Bachmann-Preisträgerin, Prof. Dr. Annette Pehnt. In der Sonntagsmatinee wusste sie mit sprachlicher Brillanz und literarischer Ausdrucksstärke das Publikum zu überzeugen, dass sie auch dauerhaft sehr gut in dieses Jurorenteam passt.

Wie in den vergangenen Jahren genügte es der Jury nicht einfach nur an erfolgreiche Traditionen anzuknüpfen. Die Juroren hielten an dem Grundkonzept fest, den Hauptpreis über 2000 Euro von den teilnehmenden Autoren selbst bestimmen zu lassen. Den in der Vergangenheit vergebenen Jurorenpreis über die gleiche Summe gab man auf. Stattdessen ist die Teilnahme an der Bildungsveranstaltung kostenfrei, was erklärt, dass bis zum Herbst 50 Texte mehr als im vorgehenden Jahr eingereicht wurden.

Die weitere Einschränkung auf 15 Autoren ermöglicht eine intensive, 20-minütige Auseinandersetzung, nachdem der Autor die Möglichkeit hatte, seinen Text in einer Viertelstunde vorzustellen. Sowohl als konstruktiv-kritisch als auch als freundschaftlich-kollegial wurde dieses Fachgespräch einstimmig beschrieben.

Überzeugender Preisträger

Die Autoren feierten mit viel Applaus den von ihnen selbst gewählten 46-jährigen Schweizer Autor Peter Zimmermann als diesjährigen Preisträger. Er lebt in Bern und unterrichtet dort als Dozent Fachdidaktik und Philosophie. Sein vorgetragener Text „Glanzmann muss gehen“ aus seinem Zyklus Totentanz scheint inspiriert von der eigenen Lehrtätigkeit, ist der Protagonist der Geschichte doch Universitätsprofessor.

Obwohl noch eher am Anfang seiner schriftstellerischen Laufbahn, vermittelt der Text neben einer selbstbewussten literarischen Eigenständigkeit auch eine enorme sprachliche Wendigkeit. So bewegt Zimmermann sich zwischen analytisch-philosophischem Tiefgang und künstlerisch-surrealistischen Ausdrucksformen.

In vielfältiger Hinsicht erinnert die preisgekrönte Geschichte ein wenig an das Erzählwerk von Franz Kafka: Einfache Wortwahl und eher unkomplizierte Satzstrukturen vermitteln gewollt eine sachlich-akademische Fassade, der es an jeglicher Menschlichkeit mangelt. Thema wie auch oft bei Kafka: Das letztendliche Scheitern eines Menschen, der sich trotz allen analytisch-wissenschaftlichen Bemühens vergeblich in seiner Seins- und Sinnsuche zu orientieren sucht. Die äußere Wirklichkeit des Universitätsalltags bricht unter der skurill-unwirklichen Erlebniswelt, in einem surrealistisch anmutenden Handlungsablauf immer wieder weg. Kurz, ein vielversprechend künstlerisch-literarischer Text, der auf den Roman neugierig macht, den der Preisträger in seinem Sabbatjahr zu Ende führen will.

von Peter Suska-Zerbes

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