Lauter Kulturpreisträger

Liveart.Festival Autokultur startet mit „Kaufbeuren lacht“

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„mauke – Die Band“ richtet sich auf der Live-Bühne ein: Band-Poet und Schlagzeuger O. Michael Siegmund (v. li.), E-Bassist „Vizekonsul (mütterlicherseits)“ Dieter Schaurich, „Der Bezaubernde“ Björn Siegmund (Gesang), Frontmann Wolfgang Klemm, Pianist Sven „Fastfinger“ Siegmund, „Professor Dr. Dr.“ Herbert Stumpe, E-Gitarrist und Klarinettist und „die Intelligenz der Band“. Das Geschehen auf der Live-Bühne wird für die Zuschauer in den Fahrzeugen auf eine Leinwand projiziert.

Kaufbeuren – „Kaufbeuren kann auch groß“ verkündete Moderator Claus Tenambergen zu Beginn der ersten Autokultur-Veranstaltung „Kaufbeuren lacht“ am vergangenen Samstagabend auf dem Tänzelfestplatz.

Und so konnten alle dort auftretenden Künstler mindestens einen Kaufbeurer Kulturpreis vorweisen: Jürgen Richter erhielt den Preis 2003 mit Aufbruch Umbruch, Julia Haug ist Jugendkulturpreisträgerin von 2004, Wolfgang Krebs wurde 2011 ausgezeichnet und „mauke – Die Band“ 2013. Darüber hinaus erhielt mauke 2019 den Bayerischen Mundartpreis.

150 Autos haben hier Platz. Etwa 120 Autos mit Fahrer haben sich zur Premiere eingefunden nebst weiteren 240 Insassen. Die Veranstalter sind mit der Resonanz im Vorverkauf hochzufrieden, es gibt für alle Veranstaltungen nur noch ein paar Restkarten.

Diese geballte Ladung hochwertiger Unterhaltungskultur wurde von der Stadt Kaufbeuren mithilfe namhafter Sponsoren als Auftakt der drei „Autokultur“-Veranstaltungen im Liveart.Festival angeboten, um ein wenig über das zwangsweise abgesagte Tänzelfest hinwegzutrösten. Die nach Veranstaltungen dürstenden Kaufbeurer haben das ebenso gerne angenommen wie die beiden vorangegangenen Autokino-Vorführungen –sogar trotz Starkregen beim Freitagsfilm. Zwischen 110 und 140 Autos nebst Fahrern und weiteren Insassen hatten sich bisher zu jeder Festival-Veranstaltung auf dem maximal 150 Fahrzeuge fassenden Platz vor der 16 mal acht Meter großen Airscreen-Leinwand eingefunden. Bei Autokultur kamen dazu noch einmal rund 50 Besucher im Biergarten. Claus Tenambergen und Lena Schweitzer vom Stadtmarketing sind mehr als zufrieden mit dem Erfolg der Aktion. Für alle Veranstaltungen des Festivals sind nur noch einige Restkarten erhältlich.

In „Kaufbeuren lacht“ haben die in Kaufbeuren wohlbekannten und beliebten Protagonisten rund zweieinhalb Stunden lang miteinander Highlights aus ihren Programmen gebracht. Jürgen Richter kam zunächst als tschechischer „Chef Pandiologitschka Corowitsch“ und leitete über zu „ meine beste Freind“ „Edmund Stoiber“ alias Wolfgang Krebs. Dieser schlüpfte nacheinander in die Rollen von „Ministerpräsident Dr. Markus Söder“, „Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger“, „Bundesinnenminister Horst Seehofer“, „Bundeskanzlerin Angela Merkel“ auf Abschiedstour sowie schließlich von „Schorsch Schöberl“, der Vorsitzende aller 30 Vereine in seinem Dorf ist. Später erschien Richter dann natürlich auch in seiner Paraderolle als grantiger Hausl, diesmal mit Alu-Schutzhaube, was seine Frau – „Sie kenne mei Weib?“ – angeblich mit dem giftigen Wunsch nach einem Gewitter kommentiert haben soll. Richter fand – wie auch alle anderen Kollegen auf der Bühne – dass man den „Corona-Scheiß“ gemeinsam schon schaffen werde.

Jürgen Richter (links) als tschechischer „Chef Pandiologitschka Corowitsch“ mit „meine beste Freind“ „Edmund Stoiber“ alias Wolfgang Krebs.

Zwischen den Auftritten der „hohen Politiker“ ergriff auch Oberbürgermeister Stefan Bosse die Gelegenheit zu einem kurzen Grußwort „um nicht völlig aus der Übung zu kommen“. Julia Haug, begleitet von „mauke – Die Band“, gab dem Bossa Nova die Schuld an allem und sang mit rauchiger Stimme Lieder von Trude Herr: „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“ und „So ein Mann ist ein komisches Gewächs“. In einer „Hommage an Männer über vierzig“ überraschten die harmlosen ungereimten Aussagen, wenn als passender Reim eigentlich etwas völlig anderes (meist nicht ganz Jugendfreies) hätte erwartet werden können.

„Mauke – Die Band“ schließlich riss das Publikum mit einer Reihe ihrer Erfolgsstücke – jeweils eingeleitet mit einem paurischen „Stickl“ – zuverlässig zu Lachstürmen hin: Die mit paurischen Texten unterlegten Klassiker waren unter anderem „Mauke, Mauke“ (Icecream) oder „Olles Thuja/Hallo Julia“ (Halleluja), wobei Björn Siegmund als Countertenor glänzte. Auch die Geschichten vom Badetag (Caprifischer) und der Erfindung des Mono-Skis „Ejn Schi“ (Angie) kamen zu Ehren. Der im Original gesungene Hit „Please ­release me“ wird zum Gaudium des Publikums dreisprachig vorgetragen: mit von Herbert Stumpe sorgfältig artikulierter hochdeutscher Übersetzung und sehr eigenwilliger paurischer Auslegung („Mach kej Thiatr, Ale! Mir zweje sein wie Rejcherworscht und Moubuchte uf enn Tallr“) von Band-Poet und Schlagzeuger O. Michael Siegmund. Da lautes Hupen im Interesse der Anwohner untersagt war, verliehen die Zuschauer in den Autos ihrer Begeisterung mit enthusiastischem Betätigen der Lichthupe Ausdruck. Bei „Mit 66 Haaren“ wurde sogar im Takt mitgeblinkt.

Sämtliche Nummern des Gag-Feuerwerks bis hin zum abschließenden gemeinsamen Absingen des Buronliedes hier einzeln aufzuzählen würde zu weit führen. Es war jedenfalls – trotz aller Corona-Auflagen –endlich wieder einmal ein sehr amüsanter Abend fern vom heimischen Sofa...

Ingrid Zasche

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