Pro und contra Geisterspiele

Lockerung in Bundesliga – Reaktionen aus der Region

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Symbolbild

Kaufbeuren/Landkreis – Atmen Fußballfans bald wieder auf? Momentan geistert ein Datum durch die Medienlandschaft: Am 9. oder spätestens 16. Mai könnte der Ball in der Bundesliga wieder rollen. Das zumindest hält auch die Politik für durchaus denkbar.

Allerdings werden es nur Geisterspiele unter besonders strengen Auflagen geben. Dass die Bundesliga wieder spielt, sorgt nicht nur für positive Reaktionen, einige schütteln mit dem Kopf.

Zu diesen Personen gehört Thomas Neumann. Der Sportvorstand der SpVgg Kaufbeuren sieht die Ansetzungen von Geisterspielen sehr kritisch. „Sicherlich kann ich nachvollziehen, dass die Bundesliga-Clubs von den Fernsehgelder existenziell abhängig sind. Doch warum muss sich der Fußball in den Vordergrund stellen? In der momentanen Lage, in der wir uns gerade befinden, Kindergärten und Spielplätze dürfen nicht betreten werden, gibt es aus meiner Sicht Wichtigeres als die Bundesliga.“

Geld regiert die Welt

In die gleiche Kerbe schlägt auch BSK-Cheftrainer Rrust Miroci, der den Vorschlag der DFL, Spiele ohne Zuschauer durchzuführen, überhaupt nicht teilt. „Spielt denn hier nur das Business eine Rolle? Die meisten von uns sind daheim, Kinder dürfen nicht in die Schule, geschweige denn in die Kita, aber die Bundesligaprofis bekommen hier den Vorzug.“ Der 40-Jährige erwarte Spiele ohne Emotionen und Leidenschaft, weil die Mannschaften durch die fehlenden Zuschauer nicht mitgezogen werden.

Markus Lang fehlt hier jegliches Verständnis. Der Muay Thai-Coach des Sugrib Gym Kaufbeuren sieht besonders für sich einen großen Nachteil: „Meine Athleten dürfen im Studio nicht einmal alleine trainieren, obwohl ich genügend Platz habe. Die Profis dagegen schon. Wir alle, die eine Kontaktsportart betreiben, ziehen den Kürzeren.“ Es sei die Unwissenheit, die uns umher treibe. „Wir wissen ja schon bald nicht mehr, was wir dürfen und was nicht.“

Fußball als Vorreiterrolle?

Mauerstettens Coach Uwe Zenkner sieht mit der Ausführung von Geisterspielen eine Bevorzugung des Fußballs, „bedingt durch den finanziellen Aspekt“. Wie der 59-jährige Übungsleiter betont, sei König Fußball in Deutschland eben Volkssport Nummer eins. „Ich bin etwas zwiegespalten, weil es nur den Profisport betrifft. Der Amateurfußball wird dabei außen vorgelassen.“ Dennoch sieht Zenkner auch einen Nutzen darin: Der Fußball könnte eine Art Vorreiterrolle einnehmen. „Wenn das Modell funktioniert, dürfte dies auch eine Wirkung auf andere Sportarten haben.“ Uwe Zenkner ist überzeugt: viele Sportbegeisterte werden sich die Bundesligapartien im TV anschauen. „Wir sehen momentan überhaupt keinen Sport, nur die Konserve. Ich denke, dass viele danach lechzen.“

Genauso sieht das Werner Schempp, Vorstand des FC Blonhofen und gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des BLSV im Kreis Ostallgäu. „Mit den Geisterspielen werden die Menschen wieder im sportlichen Bereich unterhalten. Wer möchte denn schon die ständigen Wiederholungen im Fernsehen anschauen? Der Fußball ist eine Art Therapie“, bringt es der Sportfunktionär auf den Punkt. Weil der Fußball eine ganz andere Dimension habe, werde es wohl ein Zugeständnis an die Bevölkerung geben.

Stefan Günter

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