Neue Erkenntnisse bei der Suche nach der Alligator-Schildkröte

Steckt Lotti in einer Höhle?

Irsee – So langsam wurde es ruhiger rund um "Lotti", die Alligator-Schuldkröte, die sich am Oggenrieder Weiher bei Irsee versteckt halten soll und vor einigen Wochen einen Achtjährigen biss. Schon kamen Zweifel an der Existenz des Tieres auf - nun könnte ein neu entdecktes Höhlensystem die ergebnislose Suche erklären .

Ruhiger ist es in den vergangenen Wochen um „Lotti“ geworden – die Fernsehteams verabschiedeten sich der Reihe nach von Oggenrieder Weiher und bei dem einen oder anderen Bürger kam bereits der Verdacht auf, dass die gesuchte Alligator-Schildkröte, die Mitte August einen achtjährigen Jungen gebissen und ihm eine Achillessehne durchtrennt hat, vielleicht gar nicht existiert. Die Suche nach dem Tier hat Bürgermeister Andreas Lieb in der Zwischenzeit aber nicht aufgegeben, und nun kommt wieder Bewegung in die Sache: Im Uferbereich des Oggenrieder Weihers wurde nun eine Art Höhlensystem entdeckt, in dem sich „Lotti“ problemlos der bisherigen Suche entzogen haben könnte. Zudem, so Lieb, habe inzwischen ein weiteres Ärzteteam in Bonn bestätigt, dass die Verletzung des Jungen nur von einer Alligator-Schildkröte stammen konnte.

Auf Anfrage des Kreisboten berichet der Irseer Bürgermeister über den Status Quo am Oggenrieder Badeweiher. „Wir haben im südwestlichen Teil des Weihers, der aufgrund einer Naturschutzzone relativ unberührt ist, eine Art Höhlensystem entdeckt. Die Gänge haben einen Durchmesser von durchschnittlich 30 Zentimetern“, so Lieb. Zuvor war den Suchtrupps dieses mögliche Versteck inmitten eines dichten Bewuchses stets entgangen. „Ein ideales Versteck für eine Alligator-Schildkröte“, so das Urteil der Reptilienexperten rund um Dr. Markus Baur von der Reptilien-Auffangstation München. Dass laut Andreas Lieb auch mögliche Futterreste der Schildkröte wie aufgeknackte Muscheln und ähnliches im Bereich der Gänge gefunden wurden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier sich dort verkriecht. 

Allerdings gibt es laut Lieb ein Problem: „Wir kommen mit einer Kamera nicht richtig in die Gänge hinein, da sie zu verzweigt sind“. Weil die Schildkröte aber etwa alle zwei Stunden an die Oberfläche müsse, um Luft zu schnappen, sei die Chance groß, nach der Flutung des Weihers „Lotti“ in diesem Bereich irgendwann zu erwischen. Sinn macht so mittlerweile auch die Aussage einer Frau, die behauptet, sie habe die Schildkröte drei Tage nach dem Vorfall mit dem Achtjährigen in der Nähe des Stegs gesehen. Das Tier sei rund 15 Minuten im Wasser geschwommen, bis es verschwand. „Es wurden nach der aufsehenerregenden Verletzung des Jungen alle möglichen Zeugenaussagen und angeblichen Beobachtungen an mich herangetragen“, sagt Bürgermeister Lieb – die Aussage der besagten Frau sei ihm aber schon immer recht vertrauenswürdig vorgekommen. „Der Ort der Sichtung würde, wie wir jetzt wissen, sehr gut mit den aktuellen Erkenntnissen zusammenpassen“, misst Lieb dem damaligen Tipp nun eine größere Bedeutung bei. 

Selbst schon gezweifelt 

Wie berichtet, hatte die ungewöhnlich heftige Verletzung des achtjährigen Urlaubsgastes – die Achillessehne an einem Fuß war zweimal durchtrennt – seinerzeit zu einer Überprüfung der Wunde geführt, die ergab, dass sie nur durch den Biss einer Alligator-Schildkröte entstanden sein konnte. Doch als man trotz umfangreicher Suchmaßnahmen im mittlerweile abgelassenen Weiher nichts finden konnte, habe selbst er angefangen, über alternative Szenarien nachzudenken, gibt Lieb zu: „Wir haben gerätselt, ob nicht doch eine Glasscherbe oder ein anderes Tier die Verletzung verursacht haben könnte“. Nachdem nun aber Ärzte in Bonn, nahe dem Wohnort des Achtjährigen, den ursprünglichen Befund bestätigt haben und die Entdeckung des Höhlensystems erklären könnte, warum das Tier bislang verschwunden blieb, hat das Engagement, „Lotti“ zu finden, neuen Auftrieb bekommen. 

Als neues Mittel der Wahl sollen nun sogenannte „Schildkröten-Reusen“ zum Einsatz kommen. Diese seien in den USA, wo Alligator-Schildkröten in freier Wildbahn vorkommen, ein gebräuchliches Werkzeug – in Deutschland allerdings sucht man sie vergeblich. Ehrenamtliche Helfer bauen die Reusen für Irsee nun mit Hilfe von Original-Bauplänen nach. Die Reusen können halb im Wasser schwimmend eingesetzt werden. Auch dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass „Lotti“ anbeißt, so Lieb, denn Alligator-Schildkröten bevorzugen die Nahrungssuche im Wasser. 

Entgegen allen Erwartungen der vergangenen Wochen könnte es dank der neuen Erkenntnisse nun doch noch passieren, dass „Lotti“ gefunden wird. Nur eines könnte einem Erfolg noch in diesem Jahr in die Quere kommen: Die nahende kühle Jahreszeit. Denn, so Lieb: Im Herbst beginnt die Schildkröte, sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Dann wird sie weder zum Luftholen noch zur Nahrungssuche herauskommen, sondern irgendwo tief verkrochen auf den Frühling warten“. Alle Hoffnung liege also auf einem warmen Herbst. 

Andreas Lieb indes macht sich schon Gedanken darüber, was zu tun wäre, wenn „Lotti“ so mir nichts dir nichts bei einem der Spaziergänge am Weiher plötzlich vor ihm auftauchen würde – „Das wäre ein ganz schöner Schreck, denn was macht man dann? Das Tier selbständig zu fangen wäre zu gefährlich, und es durch einen Schuss oder ähnliches zu töten wollen wir unbedingt vermeiden“, sinniert der Bürgermeister. Einzige Möglichkeit: Die Schildkröte verfolgen und dann schnell „Verstärkung“ holen. von Michaela Frisch

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