Wie groß darf eine Lückenbebauung sein?

Mut zur Lücke

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Auf dem 2800 Quadratmeter großen Grundstück in Lindenberg sollen zwei dreigeschossige Wohngebäude mit insgesamt 16 Wohneinheiten entstehen. Dagegen protestierten Anwohner. Unser Foto zeigt den Buchloer Stadtrat bei einem Ortstermin.

Buchloe – Auch in Buchloe gibt es wie in vielen anderen Städten Baulücken. Wenn allerdings Architekten Pläne für Mehrfamilienhäuser auf den Tisch legen, sind die Anwohner oft stocksauer. „Zu groß“ argumentieren die Nachbarn und befürchten nicht nur mehr Verkehr und zugeparkte Straßen. Die Gebäude fügen sich nach Ansicht der Anwohner oft nicht ins Ortsbild ein.

Der „Mut zur (Bau)-Lücke“ ist inzwischen ein Grundsatzproblem in Buchloe geworden, denn oft ist es eine Geschmacksfrage, ob ein Bauwerk sich in das Ortsbild einfügt oder nicht – und darüber lässt sich bekanntlich gut streiten. Wie groß darf eine Lückenbebauung sein? Der Stadtrat musste sich in jüngster Vergangenheit gleich mit drei derartigen Fällen beschäftigen. Oft stehen die Stadträte zwischen Baum und Borke. Einerseits ist es erklärte Politik, eine Verdichtung im Stadtgebiet zu fördern, auf der anderen Seite müssen sich die gewählten Volksvertreter die Befürchtungen und Beschwerden der Anwohner anhören. Letztlich kommt erschwerend hinzu, dass die Bauverwaltung nicht das letzte Wort hat. Die Entscheidung über einen Bauantrag trifft als letzte Instanz die Bauabteilung des Landratsamtes in Marktoberdorf. Selbst wenn die Stadt Buchloe einen Bauantrag ablehnt, kann das Landrats­amt das fehlende gemeindliche Einvernehmen mit einem Federstrich ersetzen und trotz Bedenken der Stadt einen Bauantrag durchwinken.

Nicht immer hilft ein gültiger Bebauungsplan weiter. Das zeigte jüngst der Fall in der Straße „Am Hohen Weg“. Der Bebauungsplan für die aus den 60er Jahren durch Ein- und Zweifamilienhäuser geprägte Siedlung war vor zwei Jahren geändert worden, weil ein Bauträger eine kleine Wohnanlage mit zwei Doppelhäusern und einem Einfamilienhaus geplant war. Dazu hatten die Anwohner ihr Einverständnis gegeben. Dann wurde aus der kleinen Wohnanlage mit fünf Wohneinheiten eine Anlage mit 13 Wohneinheiten. Die Anwohner laufen Sturm dagegen, doch die Anlage entspricht dem gültigen Bebauungsplan( wir berichteten). Die Aussichten für die Anwohner, die Wohnanlage zu verhindern, werden im Bauamt der Stadt eher gering eingeschätzt.

Die jüngste Sitzung des Stadtrates begann mit gleich zwei Außenterminen in Lindenberg. In der St.-Georg-Straße gleich neben der ehemaligen Schule sollen auf einem 2800 Quadratmeter großen Grundstück zwei Wohnhäuser mit insgesamt 16 Wohneinheiten gebaut werden. Zwei Anwohner stellen sich quer, unter anderem, weil das dritte Obergeschoss zurückgesetzt ist und dadurch ein Rundgang entsteht, von dem man in die Gärten der daneben liegenden Grundstücke blicken kann. Buchloes zu dem Zeitpunkt noch dritter Bürgermeister Manfred Beck bot Anwohnern und dem anwesenden Architekten an, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Dann könne man in Ruhe noch einmal diskutieren, zumal sich der Architekt kompromissbereit zeigte. Das wollten die Anwohner nicht. Stadtbaumeister Herbert Wagner erklärte, die Bauverwaltung der Stadt stünde dem Vorhaben ablehnend gegenüber, da die beiden Wohnhäuser sich nach seiner Ansicht nicht in den dörflichen Charakter einfügen würden. Das sei der umgebenden Bebauung geschuldet.

Diese Ansicht vertrat auch Stadtrat Robert Pöschl (CSU). „Das passt nicht rein“. Im ganzen Dorf gebe es keine Wohnanlage mit 16 Wohnungen. Für Pöschl wäre eher noch eine kleine Siedlung mit Reihenhäusern vorstellbar. Im Ergebnis lehnten 16 Stadträte mehrheitlich die Baupläne für die St.-Georg-Straße ab und folgte damit dem Vorschlag der Buchloer Bauverwaltung.

Manfred Beck hatte aber vorsorglich schon die Anwohner darauf hingewiesen, dass nicht die Stadt Buchloe bei dem Bauantrag sondern das Landratsamt das letzte Wort habe.

Noch klarer fiel die Entscheidung gegen das Bauvorhaben an der Kemptener Straße kurz nach dem Ortseingang aus. Die Stadträte plädierten einstimmig, das gemeindliche Einvernehmen zu der Bauvoranfrage zu verweigern. In der Baulücke soll nach dem Willen des Bauträgers ein Gebäude mit sechs Wohnungen entstehen. Die Firsthöhe mit knapp zwölf Metern wird als zu hoch betrachtet. Hier werd das Ortsbild gerade an der Ortseinfahrt erheblich beeinträchtigt, betonte Stadtbaumeister Herbert Wagner in der Stadtratssitzung. Aber auch hier gilt: Die Bauabteilung des Landratsamtes kann das gemeindliche Einvernehmen durch einen anderslautenden Beschluss ersetzen.

von Siegfried Spörer

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