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Luftsportverein Kaufbeuren feiert sein 70-jähriges Bestehen und die Taufe einer Hexe

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Von: Wolfgang Becker

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Flugzeugtaufe mit Christian Schädelbach (v. li.), Bernhard Pohl, Stefan Bosse (verdeckt), Stephan Stracke und Tim Denk. 2022
Gemeinsame Taufe: Christian Schädelbach (v. li.), Bernhard Pohl, Stefan Bosse (verdeckt), Stephan Stracke und Tim Denk. © Becker

Kaufbeuren – Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch und damit der Garant für eine entsprechende Feier: Der „Luftsportverein Kaufbeuren e. V.“ (LSVK) feierte kürzlich sein 70-jähriges Jubiläum, das coronabedingt seit 2020 verschoben worden war.

Neben der politischen Prominenz mit Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse als Schirmherr sowie MdB Stephan Stracke (CSU) und MdL Bernhard Pohl (FW) waren bei der Veranstaltung im Hangar des Vereins auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst auch die Fliegerkameraden der „Flugsportgruppe Landsberg e. V.“ anwesend. „Star“ des Abends war jedoch ein Flugzeug, das auf den Namen „kleine Hexe“ getauft wurde.

Nach einem Rundflug der Ehrengäste über die Region begrüßte Tim Denk als 1. Vorstand des Vereins alle geladenen Gäste und die Vereinsfreunde. Er freute sich besonders über die Fliegerfreunde aus Landsberg, zu denen schon viele Jahre freundschaftliche Kontakte bestehen und die seit 2019 nicht mehr in Landsberg fliegen können.

Als Gastmitglieder haben sie ihre eigenen Fluggeräte zur gemeinsamen Nutzung des Vereins mit eingebracht. „Wir haben ein super Verhältnis“, freute sich der Vorsitzende, „und konnten gemeinsam schon viele neue Mitglieder gewinnen.“

„Alter Fliegergeist“

Christian Schädelbach als 2. Vorstand gab einen Rückblick auf die außerordentlich bewegte Vereinsgeschichte. Es war der „alte Fliegergeist“, der die Flugbegeisterten der 1920er Jahre bereits im Frühjahr 1950 trotz Flugverbot der Alliierten zunächst die „Interessengemeinschaft Segelflug“ gründen ließ.

Doch die Anzahl der Mitglieder stieg rasant an und mündete am 13. September des gleichen Jahres in die Gründung des LSVK. Nachdem Anfang 1951 das Segelflugverbot aufgehoben worden war, konnte mit dem als Bruch in der Schweiz erworbenen Segelflugzeug „Hütter 17“ nach mühevoller Arbeit mit dem Erstflug am 18. November 1951 der Start in eine neue Ära der Fliegerei für den Verein erfolgen.

1960 wurde auch die Bundeswehr-Sportfluggruppe gegründet, die es dem technischen Personal am Standort ermöglichte, sich für die Fliegerei zu begeistern. So fand der Flugbetrieb beider Vereine parallel in großer Harmonie statt, bis 1979 die Auflösung aller Bundeswehr-Sportfluggruppen erfolgte und es in der Folge auf Grundlage des Mitnutzungsvertrages seitens LSVK am Flugplatz zur Fusion kam. Heute hat der Verein 166 Mitglieder (siehe Infokasten).

„Kleine Hexe“

Die Taufe des Flugzeuges vollzogen die drei Politiker gemeinsam mit dem 2. Vorstand. Mit einem Glas Sekt und der Enthüllung des Namens „kleine Hexe“ kann der zweisitzige Motorsegler vom Typ „Super Dimona TC 80“ fliegerische Glanzpunkte bescheren. Der Name bezieht sich einerseits auf die Buchstabenkennung „KLEI“ des Fliegers.
Aber auch an den für Flugschüler ungewohnten Eigenschaften und mit einer Hommage an den sudetendeutschen Kinderbuchautor Otfried Preußler, dessen Roman „Die kleine Hexe“ große Erfolge feierte.

Der Flieger ist eine gebrauchte „Neuerwerbung“ des Vereins für rund 90.000 Euro. Mit 20 Jahren „Dienstzeit“ bei gerade einmal 1.800 Flugstunden kann das bestens gepflegte und erhaltene Flugzeug mit seinen 80 PS noch ein langes Fliegerleben vor sich haben.

In ihren Grußworten bedankten sich die Ehrengäste für den Rundflug, den sie als „tolles“ und „unglaubliches“ Erlebnis empfunden hatten. Sie gingen auf die bestehende Standortsicherheit des Fliegerhorstes ein, die dem Verein auf längere Sicht eine Zukunft garantiert.

Der OB betonte, dass es keine Beschwerden bezüglicher Lärmbelästigung und ein gutes Miteinander mit der Bevölkerung gebe. Pohl machte deutlich, dass mit dem Wegfall des Schließungsbeschlusses ein „verhängnisvoller Irrtum rückgängig gemacht“ worden sei.

Stracke erläuterte, dass auch das Entwidmungsverfahren des Flugplatzes aufgehalten worden sei. Die Bundeswehr sei eine Einsatzarmee geworden und auch infolge des Ukrainekrieges werde „kein Flugplatz aufgegeben“.

Ausblick

Im Gespräch mit dem Kreisbote sprach der 1. Vorstand von einer „gelungenen Veranstaltung“, die von einem „Super-Team an Kollegen“ auf die Beine gestellt worden war. Er warb um Mitglieder für das Hobby „Fliegen“, zumal aus den eigenen Reihen bereits Eurofighter- und Lufthansapiloten hervorgegangen seien.
Und mit Blick nach vorne sagte er: „Wenn es nach mir geht, können wir in drei Jahren auch unser 75-jähriges Jubiläum wieder gebührend feiern!“

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