Aus illegalem Welpentransport

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 Drolliges Dreiergespann. Die Jack-Russell-Welpen stammen aus einem illegalen Tiertransport und werden zur Zeit im Markt­oberdorfer Tierheim aufgepäppelt.

Marktoberdorf/Bad Reichenhall – Zusammengepfercht in Kaninchenkäfigen, schwach und verängstigt waren Luzy, Kai-Uwe und Bartholomäus in der Nacht zum 11. Dezember mit rund 40 weiteren Welpen verschiedenster Rassen unterwegs durch halb Europa. Ihr Bestimmungsort: das Weihnachtsgeschäft in Deutschland.

Aus Ungarn kommend wurde ihr Transporter an der deutsch-österreichischen Grenze allerdings gestoppt, geprüft und sichergestellt. Denn die 47 Tiere waren für den Transport viel zu jung, ohne Impfungen und ohne gültige Papiere versehen. Ein Fall für den Tierschutz also – und es sollte noch schlimmer kommen. Am selben Abend überprüfte die Grenzpolizei erneut einen Transporter, in dem sich sogar 170 kleine Welpen, 50 Zebrafinken und 20 maurische Landschildkröten befanden. „Der illegale Welpenhandel boomt, gerade vor Weihnachten“, wetterte die Präsidentin des Landesverbands im Deutschen Tierschutzbund, Nicole Brühl. „Dagegen muss endlich etwas unternommen werden.“

Drei Welpen in MOD aufgepäppelt 

Zunächst jedoch ging es den ehrenamtlichen Helfern darum, die Tiere notzuversorgen und an Tierheime mit Quarantänestation zu verteilen. Auch Heinz Krämer, Vorsitzender des Marktoberdorfer Tierschutzvereins und Vizepräsident des Landesverbands, fuhr am Nachmittag des 11. Dezembers nach Bad Reichenhall und holte die drei Jack-Russell-Welpen Luzy, Kai-Uwe und Bartholomäus ins örtliche Tierheim. „Eine regelrechte Rettungsaktion“, erzählt Krämer, denn der ungarische Transporteur wollte seine teure Fracht nicht ohne Gegenwehr hergeben.

Einmal im Marktoberdorfer Tierheim angekommen, wurden die drei rund fünf Wochen alten Jack-Russell-Babys bestens aufgepäppelt. Nach zwei Wochen durften sie die Quarantänestation verlassen und unternehmen nun erste Ausflüge durch Haus und Garten. Was den putzigen Drei allerdings fehlt, ist die Mutter, mit der gekuschelt und geknuddelt werden kann, und die die Rabauken auch in ihre Schranken weist. Heinz Krämer und Tierheimleiterin Daniela Vollner hoffen auf eine verträgliche Hündin aus Tierheimkreisen, die in den kommenden Wochen noch Mutterersatz spielen kann. Die zwei kleinen Rüden und ihre Schwester können dann ab Ende Januar in ein neues Zuhause übergeben werden (siehe unten).

Rücktritt der Ministerin gefordert 

Was die drei Welpen, die so munter herumhüpfen, nicht ahnen, ist der politische Streit, der im Zusammenhang mit den illegalen Tiertransporten nun erneut entfacht ist. Durch die aktuellen Rettungsaktionen sind viele der rund 80 bayerischen Tierheime nach Auskunft des Landesverbands jetzt quasi überfüllt. Es drohe der Kollaps des praktischen Tierschutzes. Noch dazu ist immer noch nicht klar, wer die Kosten für die Aufnahme und Pflege der Tiere tragen wird. Die zuständige Umweltministerin Bayerns, Ulrike Scharf (CSU), reagiert fast reflexhaft abwehrend: Sie will die einmal aufgegriffenen 217 Welpen kurzerhand zurückschicken.

Der Deutsche Tierschutzbund ist empört, sieht die Umweltministerin als nicht mehr tragbar an. „Kein Tierschutzminister darf auch nur erwägen, solch malträtierte Tiere wieder in den Transport zu geben“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Ein Rücktransport wäre für die geschwächten Tiere das Todesurteil. Perfide ist, dass die Ministerin nun die bedrohliche Lage der Tierheime als Grund vorschiebt. Es geht ihr aber eigentlich darum, dass das Land Bayern und die Behörden nicht in eine Betreuungs- und Zahlungspflicht kommen. Deshalb will sie die Tiere schnell wieder loswerden. Jahrelang hat sich das Land Bayern trotz aller Mahnungen nicht für die Lage der Tierheime interessiert, sonst hätten wir schon längst mehr Quarantäne- und Krankenstationen. Eine Ministerin, die so agiert, ist völlig überfordert.“

Schröder wie auch Heinz Krämer aus Marktoberdorf fordern den Rücktritt der Umweltministerin und einen praktischen Maßnahmenplan für den Tierschutz – auch und gerade an den Grenzen Bayerns.

Luzy, Kai-Uwe und Bartholomäus...

… sind die vorläufigen Namen der drei munteren Jack-Russell-Welpen, die vermutlich Anfang November 2015 geboren wurden und aus dem sichergestellten Welpentransport vom 11. Dezember stammen. Momentan werden sie vom Tierheim Marktoberdorf aufgepäppelt und können ab Ende Januar gegen eine Schutzgebühr vermittelt werden. Bevorzugt wird ein Platz mit Hundeerfahrung, denn für die drei Welpen gibt es noch viel zu lernen. Sie sind weder stubenrein noch leinenführig, die wichtige Sozialprägung durch das Muttertier fehlt. Interessenten können sich bei der Tierheimleitung unter der Telefonnummer 08342/5676 melden.

von Angelika Hirschberg

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