Forderungen der Fridays for Future-Bewegung beschäftigt Kaufbeurer Stadträte

Macht liegt bei Verbrauchern

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Der Appell an die Verbraucher lautete, gar nicht erst so viel Verpackungsmüll zu produzieren.

Kaufbeuren – Ein Umdenken, unter anderem in Puncto Plastikmüllvermeidung, wollen auch die jungen Menschen in Kaufbeuren mit der Fridays for Future-Bewegung anregen. Ideen und Forderungen hierzu legten die Jugendlichen dem Stadtrat wie berichtet im April vor. Das Engagement der Schüler wurde auch in der jüngsten Sitzung des Verwaltungs- und Bauausschusses von den Stadträten gemeinhin positiv aufgenommen, allerdings seien die Forderungen nicht so einfach umzusetzen.

Laut Umweltamtschef Andreas Schmal seien Kunststoffe im heutigen Leben „allgegenwärtig“, was ein „grundlegendes Problem“ darstelle. Denn Kunststoffe könnten nicht in einem natürlichen Kreislauf abgebaut werden, und auch ein Ersatz für das Material sei nicht leicht zu finden; selbst biologisch abbaubare „Kunststoffe“ erfüllten oft nicht die gewünschten Anforderungen. Auch die Gestaltungsmöglichkeiten der Kommune seien hier gering. Die wirkliche Macht, das Plastikmüllproblem zu lösen, habe der Verbraucher. So appellierte Schmal an das „große Potenzial“ der Bürger, hier eine Veränderung zu bewirken.

Weitere Anregungen soll die Auslobung des Umweltpreises im Herbst mit sich bringen, bei der ein besonderer Fokus auf Akteure und Projekte im Bereich Plastikvermeidung und -verwertung gelegt werde.

Ulrike Seifert (Grüne) schlug im Bauausschuss vor, via Rathauspost Anregungen und Tipps zur Plastikvermeidung an die Bürger weiterzugeben. Aktionen wie diese „sind ein Zeichen an die Kinder und Jugendlichen, dass wir das Problem ernst nehmen“, so Seifert. Außerdem könne man bei den Give-aways auf Messen versuchen, möglichst ohne Plastikprodukte auszukommen. Kugelschreiber aus Holz statt aus Plastik regte daneben Gerhard Limmer (CSU) an. Eine Messlatte, an der man künftig erkennen kann, wie viel Plastikmüll über die Gelben Säcke entsorgt wird, wünschte sich Parteikollege Ernst Schönhaar. Hier sei laut Schmal die Schwierigkeit, dass es zu viele Kunststoffarten gibt, und diese nicht immer korrekt entsorgt werden.

Wunsch: Unverpackt-Läden

Zum Thema Plastikvermeidung passt auch die Forderung der Jugendlichen nach Unverpackt-Läden in der Altstadt. Hier räumte Oberbürgermeister Stefan Bosse im Verwaltungsausschuss mit dem weit verbreiteten Irrtum auf, dass die Vergabe von leerstehenden Immobilien kommunal gesteuert würde. Im Gegenteil befinden sich diese in Privateigentum und die Stadt habe kein Mitbestimmungsrecht. Laut Verwaltung unterstütze jedoch das Citymanagement Immobilieneigentümer bei der Suche nach möglichen Nutzungen der freien Flächen und zeige auch moderne Konzepte wie Unverpackt-Läden auf. Den Einwand, dass manche Güter aus hygienischen oder gesundheitlichen Gründen in Plastik verpackt seien, brachte Bernhard Pohl (FW).Christian Sobl (CSU) fand es positiv, dass sich die Jugend für die Innenstadtentwicklung interessiert und sich Gedanken um das Einkaufsverhalten macht.

Auch für Produkte, die im Pausenverkauf angeboten werden, hatten die Jugendlichen eine Idee: fair gehandelte Waren anzubieten. In der Regel werde der Pausenverkauf durch die Hausmeister der Schulen durchgeführt, die bereits darauf achteten, ihre Sortimente überwiegend von regionalen Bäckereien und Metzgereien zu beziehen, teilte die Verwaltung dem Ausschuss mit. Nichtsdestotrotz werde die Verwendung fairer Produkte in den nächsten Fortbildungsveranstaltungen für Hausmeister thematisiert. Ausschließlich solche Lebensmittel anzubieten werde im Hinblick auf höhere Verkaufspreise jedoch nicht verpflichtend. Oliver Schill (Grüne) sah in der Forderung der Jugendlichen insofern einen Mehrwert, als sie zu Debatten in den Schulfamilien führte und einen Prozess des Bewusstmachens auslöse. Den jungen Leuten ginge es darum, dass es auch Alternativen gibt, meinte Catrin Riedl (SPD).

von Mahi Kola und Martina Staudinger

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