"Männer mit ins Boot"

„Frauen sind nicht das Problem - sondern die Lösung!” Unter diesem bewusst leicht provokanten Motto stand am 8. März, dem Internationalen Weltfrauentag, die Verleihung der Roten ASF-Rose. Dieser Preis wird seit 1998 von der SPD Ostallgäu an Frauen oder Organisationen verliehen, die sich um das Thema „Gleichstellung der Geschlechter” besonders verdient gemacht haben. Verliehen werden sowohl ein Geldpreis über 300 Euro als auch die „Rote ASF-Rose” als Keramikskulptur. Die Rose erhielt für das Jahr 2010 Professorin Dr. Gesine Schwan.

Geehrt wurde Prof. Dr. Gesine Schwan für die Vorbildfunktion ihrer politischen und akademischen Karriere: Schwan war Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, engagierte sich in vielen politischen Bereichen innerhalb der SPD und kandidierte in den Jahren 2004 und 2009 gegen Hans Köhler um das Amt des Bundes- präsidenten. Den Geldpreis verliehen bekamen die beiden Kaufbeurerinnen Christa Berge und Wiltrud Fleischmann für ihr Engagement in diversen Institutionen wie Amnesty International, dem Arbeitskreis Asyl oder der Friedensiniative „Kifias”. Die beiden betreiben außerdem „Sophies Bücherwelt” in der Kaufbeurer Innenstadt. „Natürlich setzen sich Organisationen wie Amnesty International (ai) für die Menschenrechte von Männern und Frauen ein, aber Frauenrechte werden weltweit heftig verletzt, sie werden in Religionen und Verfassungen haupt- sächlich von Männern definiert”, sagten Berge und Fleischmann in ihrer Rede. Da bestehe einfach erhöhter Handlungsbedarf, auch in vergleichsweise toleranten Kulturen wie der unseren. „Es ist zum Beispiel immer noch so, dass soziale Berufe wie Kindergärtnerin oder Krankenschwester überwiegend von Frauen ausgeübt werden: diese werden schlecht bezahlt.“ Wo Christa Berge und Wiltrud Fleischmann sozusagen an der „Basis” arbeiten, gilt Gesine Schwans Interesse verstärkt theoretischen Gesichtspunkten. „Es muss sich etwas bei der öffentlichen Definition des Begriffs 'Partnerschaft' ändern”, sagte sie im Vorgespräch. „Auch Männer können nur gewinnen, wenn sie beispielsweise mehr in die Kinderbetreuung mit einbezogen werden und die Frau mehr Zeit für ihr berufliches Fortkommen hat. Eine Partnerschaft ist nur dann erfüllend, wenn sich beide gleichbestimmt privat und beruflich weiterentwickeln können. Jede Frau muss eine echte Wahlmöglichkeit haben, wie sie ihr Leben gestalten will, hier muss die Politik die Voraussetzungen schaffen.” Sie sei früher nie ein Freund der sogenannten „Frauenquote” gewesen, meinte Schwan. Nach überraschend positiven Auswirkungen z. B. in Norwegen stehe sie dieser jedoch heute positiv gegenüber. Dabei gehe es nicht um eine „Vorherrschaft der Frauen”, sondern um ein faires Miteinander, in dem jeder von den Erfahrungen des anderen profitieren könne. Interessant sei aber, dass es einen kleinen Teil unter den Frauen gebe, der Ressentiments gegen die Gleichstellung und damit natürlich auch Gleichverantwortlichkeit der Geschlechter habe. „Wenn sich eine Frau 30 Jahre nur um Kinder und Haushalt gekümmert hat, kann es sein, dass sie ihren eigenen Lebensentwurf und damit sich selbst durch dieses neue Bewusstsein in Frage gestellt fühlt. Das ist verständlich, aber es ist für eine Frau riskant, sich finanziell und gesellschaftlich nur auf den Mann zu verlassen. Wenn dieser zum Beispiel die Beziehung beendet, steht sie im Zweifelsfall mit Nichts da.” Ihre Gedanken und Erfahrungen hat Gesine Schwan in ihrem Buch „Allein ist nicht genug” verarbeitet, das zum Ende der Preisverleihung signiert werden konnte. Grußworte an sie sowohl an Christa Berge und Wiltrud Fleischmann kamen von Bürgermeister Werner Himmer sowie Landrat Johann Fleschhut, die sich von den Leistungen der Geehrten beeindruckt zeigten. Da passte der Ausruf von Christa Berge: „Wenn wir nicht rudern, treiben wir zurück; also Männer: mit ins Boot!”

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