Wo Mann NOCH das Sagen hat

Das Gleichstellungskonzept der Stadt Kaufbeuren stößt nicht überall auf positives Echo. Vorgestellt hatte es die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Claudia Lichtentahl in der jüngsten Stadtratssitzung. Ziel des Dossier ist die Verwirklichung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Stadtverwaltung. Hierfür wurden so genannte Zielvereinbarungen notiert, die die Gleichstellung beider Geschlechter zukünftig sichern soll.

So soll beispielsweise bei der Stellenausschreibung für Führungspositionen (Abteilungsleiter) überprüft werden, ob diese auch in Teilzeit (Jobsharing) vergeben werden kann. Denn Familie und Kinder dürften laut Lichtenthal keine „Karrierekiller“ sein. Darüber hinaus müsse die Arbeitszeit flexibler gestaltet werden können. Um den Beschäftigten in der Stadtverwaltung den Wiedereinstieg nach der Elternzeit zu erleichtern, sollte zudem die Möglichkeit der Projektarbeit in der Elternzeit angeboten werden. Auch sollte das Arbeiten von zu Hause aus sowie die so genannte Telearbeit (das wechselseitige Arbeiten im Büro und daheim) gefördert werden. Oberbürgermeister Stefan Bosse sieht sich „als Verbündeter“, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Dennoch gab er zu verstehen, dass sich die Problematik als nicht so leicht darstelle. Er selbst sei dafür aufgeschlossen, Frauen in Führungspositionen zu heben. „Sie selbst sind es aber, die oft vor Führungsaufgaben in Teilzeit zurückschrecken. Die Frauen sind die schärfsten Kritiker“, betonte Bosse, der dennoch das Gleichstellungskonzept verteidigte. „Grundsätzliche Übereinstimmung“ mit dem Konzept teilte auch Stadträtin Katharina Wiedemann (FW). Selbst Unternehmerin kritisierte sie allerdings die „starren Regeln“ und die „Zunahme an Bürokratie“, die mit dem Gleichstellungskonzept einhergingen. Laut Catrin Riedl-Schmied (SPD) seien mit dem Dossier „positive Ansätze“ zu verzeichnen. In der Kaufbeurer Verwaltung könne sie selbst aber noch keine positiven Ansätze sehen. Dabei sollte die Stadt eine Vorreiterrolle einnehmen.“ Ulrike Seifert (Grüne) findet die klaren Aussagen der Stadtverwaltung wichtig. Diese sollten aber auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden. Eine Quotierung über einen gewissen Zeitraum könne aus ihrer Sicht nützlich sein. Bernhard Pohl (FW) wandte sich gegen die Quotenregelung. Es dürfe bei der Vergabe von Stellen nicht die Quote im Fokus stehen sondern die Qualifikation, mahnte er an und fügte hinzu: „Die Gleichstellung zwischen Männer und Frauen darf keinen Selbstzweck verfolgen.“ Mit Blick auf die Telearbeit gab er zu bedenken, den Datenschutz nicht außer Acht zu lassen. In der Stadtverwaltung sind aktuell 770 Menschen beschäftigt. Davon sind 55 Prozent Frauen. Mit Blick auf die Vollbeschäftigung sinkt die Frauenquote auf 33,5 Prozent. Auffällig ist, dass kaum Frauen in den höheren Einkommensgruppen auftauchen, weibliche Referatsleiter gibt es in der Stadtverwaltung keine. Lediglich Claudia Lichtenthal und Elke Schad teilen sich eine der 21 Abteilungsleiterstellen. Und diese ist die Gleichstellungsstelle. KL

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