Umweltminister Huber bei Spatenstich für das Hochwasserbecken in Bidingen

"Auch auf kleine Bacherl aufpassen"

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Bidingens Bürgermeister Franz Martin (li.) ist Herr über zwei Hochwasserrückhaltebecken. Beim ersten Spatenstich für das Becken Engelmaiersee konnte er (v.li.) Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger, Ostallgäus Landrätin Maria Rita Zinnecker, Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber und Landtagsabgeordnete Angelika Schorer begrüßen

Buchloe – Viel Lob für seine Weitsicht und sein diplomatisches Geschick gab es für Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger vom Bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber für seine Aktivitäten im Hochwasserschutz.

Minister Marcel Huber kam eigens aus München angereist, um den Spaten in die Hand zu nehmen und die erste Schaufel Erde am zukünftigen Hochwasserbecken Engelmaiersee bei Bidingen zu bewegen. Lob gab es aber auch für alle anderen Beteiligten, allen voran das Wasserwirtschaftsamt im Kempten, das Landratsamt Ostallgäu und für die Gemeinden, die im Hochwasserzweckverband Gennach-Hühnerbach zusammengeschlossen sind. „Alle haben am gleichen Strang gezogen und das noch in die gleiche Richtung“, betonte der Minister. Das kenne ich auch anders“. Die so geehrten, unter ihnen Landrätin Maria Rita Zinnecker, die Landtagsabgeordneten Angelika Schorer, Dr. Paul Wengert und Bernhard Pohl, durften dafür auch an die Schaufeln und hatten prompt ihre Schwierigkeiten mit dem harten und schweren Boden. 

Das Hochwasserrückhaltebecken am Engelmaiersee ist das neunte Großprojekt an den beiden kleinen Flüssen. Acht Rückhaltebecken sind fertiggestellt und haben ihren ersten Bewährungsproben bereits hinter sich. Der Umweltminister brachte es auf den Punkt: „Man muss selbst auf so ein kleines Bacherl aufpassen“. In der Tat, als vor einem Jahr das ebenfalls bei Bidingen gelegenen Hochwasserrückhaltebecken „Indianer“ eingeweiht werden sollte, war das Becken fast voll. Tagelanger Regen hatte dafür gesorgt, dass den geladenen Gästen die Notwendigkeit der Maßnahmen plastisch vor Augen geführt wurde. Die Häuser der unterhalb des Dammes gelegenen Ortschaft blieben trocken (wir berichteten). Bayerns Umweltminister Marcel Huber betonte die Sinnhaftigkeit des Hochwasserschutzes. „Für jeden Euro, der hier verbaut wird, kann man Schäden in Höhe von sieben Euro vermeiden“. Bayern habe bisher 1,8 Milliarden Euro nach dem Pfingsthochwasser von 1999 in den technischen Hochwasserschutz gesteckt. Bis zum Jahre 2020 sollen weitere 1,8 Milliarden Euro hinzukommen, sagte Huber. 2,7 Millionen Euro wird das Rückhaltebecken am Engelmaiersee kosten, davon trägt der Freistaat rund 2 Millionen Euro. Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger, der immer noch die Millionenschäden des „Pfingsthochwassers“ im Jahr 1999 vor Augen hat, betonte in seiner Festansprache, dass die Hochwassergefahr nicht sinken werde. „Es wird noch schlimmer kommen“, sagte Schweinberger. Die Wetterkapriolen des Jahres 1999 bis hin zum letzten Großereignis im Jahr 2013 seien keine einmaligen Ereignisse gewesen. Schweinberger betonte, die Starkregenereignisse hätten im Freistaat zu der immer noch einmaligen Gründung eines Hochwasserzweckverbandes geführt. 

Von der Quelle bis zur Mündung von Hühnerbach und Gennach seien alle Anliegergemeinden Mitglied des Zweckverbandes. Darauf ist Josef Schweinberger stolz. Der neue Damm am Engelmaiersee soll, wenn die Bauarbeiten im Winter nicht allzu stark behindert werden, im Mai nächsten Jahres fertig sein, sagte der mit der Planung beauftragte Ingenieur Bertram Mooser. Der Fachmann bezeichnete das geplante Becken als „mittlere Becken“. Rund 310000 qm Überflutungsfläche stünden nach Fertigstellung des Dammes zur Verfügung. 

Die Dammhöhe wird nur 2,8 Meter hoch und somit kaum zu sehen sein. Wegen der geringen Stauhöhe werden die Schütze fest eingebaut und müssen somit nicht regulierbar sein. „Wenn das Rückhaltebecken voll ist, dauert es genau 83 Stunden, bis das Wasser abgeflossen ist, rechnete Mooser vor. Der Ingenieur führte den Besuchern auch vor Augen, dass in normalen Zeiten 400 Liter Wasser pro Sekunde durch den nur einem Meter breiten Bach fließen würden. Bei Starkregen könne der Bach bis zu 20000 Liter pro Sekunde mit sich führen. Mooser ging auch auf die Kritiker ein. Ziel aller Maßnahmen an Gennach und Hühnerbach sei es, bebaute Gebiete und keine landwirtschaftlich genutzten Flächen zu schützen. Einen besonderen Dank richtete Bidingens Bürgermeister Franz Martin an seine Mitbürger, die beim Grundstückskauf beziehungsweise Tausch Verständnis gezeigt hätten. 

Der Rathauschef, in dessen Bereich auch das Hochwasserrückhaltebecken „Indianer“ liegt, sagte, „die beste Planung nützt nichts, wenn sie nicht kompetent umgesetzt wird“. Wie schon beim Becken „Indianer“ ist auch am Engelmaiersee die Baufirma Höbel wieder im Einsatz. von csp

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