Marktgemeinderat Obergünzburg bekundet Interesse an Waldkindergarten

Erst eine Bedarfserhebung

+
In einem Waldkindergarten können die Kinder bei jedem Wetter die Natur erleben und sich richtig austoben.

Obergünzburg – Die Marktgemeinde will auf die zunehmende Geburtenentwicklung vorbereitet sein und mit einem Waldkindergarten ein neues pädagogisches Angebot vorstellen. Die tatsächliche Nachfrage soll über eine Elternbefragung ermittelt werden.

In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung informierte Erster Bürgermeister Lars Leveringhaus über die steigende Entwicklung bei den Geburtenraten. Waren es 2015 und 2016 jeweils 56 und 78 Neugeborene, wurden 2017 weiterhin 72 registriert. Ebenfalls steige bei den Eltern zunehmend der Betreuungswunsch in einem Kindergarten. Die Kindergärten in der Marktgemeinde seien gut ausgelastet, nur wenige Plätze frei. Da käme nun der Vorschlag eines Waldkindergartens passend. Einige Erzieherinnen aus bestehenden Kindergärten des Marktes haben diese Idee von sich aus konkretisiert und dem Marktgemeinderat nun vorgestellt. Siglinde Hollerbach, Erzieherin am Kindergarten Ebersbach, erzählte: „Wir machen seit mehr als 20 Jahren erfolgreich Waldwochen mit unseren Kindern. Dabei können sie den Lebensraum Wald kennenlernen und sich entwickeln.“

Die Idee eines „Kindergartens ohne Dach und Wände“ stamme aus Skandinavien, wo sich bereits 1950 interessierte Eltern zusammenschlossen. Die Aktivitäten fänden dabei im Freien und bei jedem Wetter statt. Lediglich bei Witterungsbedingungen, die einen sicheren Aufenthalt im Freien unmöglich machen, werde vorübergehend auf Schutzunterkünfte zurückgegriffen. In Deutschland bekam die Idee in den 1990er Jahren viel Unterstützung. Dabei werde weitestgehend auf herkömmliches Spielzeug verzichtet, sondern nur vor Ort Vorgefundenes verwendet, was sich wiederum positiv auf die Sprachentwicklung auswirke, weil mehr untereinander erklärt werde.

Hollerbach erzählt weiter: „Im vergangenen Jahr haben wir den Waldkindergarten in einem sechswöchigen Projekt ausprobiert. Selbst bei Dauerregen in der zweiten Woche haben wir nur positive Erfahrungen gemacht.“ Der tägliche Aufenthalt in der freien Natur unterstütze eine positive Entwicklung der kindlichen Motorik, Wahrnehmung und Kreativität. Dazu gehören auch alle Bewegungen, die dann zum Laufen, Hüpfen, Klettern und Balancieren führen. Kinder im Waldkindergarten seien wegen der positiven Auswirkungen auf das Immunsystem auch gesundheitlich stabiler, müssten aber auch durch Bekleidung entsprechend ausgerüstet sein.

Dabei betonte Hollerbach, dass ein neuer Waldkindergarten keine Konkurrenz zu bestehenden Kindergärten darstellen solle, sondern eher als Alternative und Ergänzung gedacht sei. „Die Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren werden bestens für das Leben vorbereitet und wir produzieren dabei positive Kindheitserlebnisse“, schmunzelte Hollerbach. Ältere Kinder würden anders gefördert werden als kleine, aber alle werden schulreif vorbereitet.

Matthias Rieser, Geschäftsleiter im Rathaus, betonte, dass alle erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet würden und auch entsprechende Staatliche Förderungen möglich seien. Für eine Gruppe mit 20 Kindern und drei Betreuungskräften müsse die Marktgemeinde dennoch mit Belastungen von etwa 90.000 Euro pro Jahr rechnen.

Nach kurzer Diskussion beschloss der Marktgemeinderat einstimmig zunächst eine positive Willensbekundung für die Einrichtung eines Waldkindergartens.

Bürgermeister Leveringhaus bedankte sich ausdrücklich für die Initiative der Erzieherinnen für dieses Vorhaben und betonte, ein weiteres Vorgehen und die Umsetzung von dem Ergebnis einer Bedarfs­erhebung im März unter den Eltern abhängig machen zu wollen. Ein entsprechendes Gelände im Bereich des Hagenmooses mit einem Elternübergabepunkt sei bereits ausgesucht. Die Details zur Errichtung einer Schutzhütte, die mögliche Beschaffung eines autonomen Bauwagens sowie Toiletten- und Heizungsfragen würden dann konkretisiert werden.

von Wolfgang Krusche

Auch interessant

Meistgelesen

Elektrofahrer-Treffen im Autohaus Sangl übertrifft alle Erwartungen
Elektrofahrer-Treffen im Autohaus Sangl übertrifft alle Erwartungen
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Innovatives Trailer Spray System sorgt für Sicherheit
Die Salzstraße in Marktoberdorf bekommt ein neues Gesicht
Die Salzstraße in Marktoberdorf bekommt ein neues Gesicht
Erlebnisbad Neugablonz beendet Freibadsaison mit Hundeschwimmen
Erlebnisbad Neugablonz beendet Freibadsaison mit Hundeschwimmen

Kommentare