Mit Tempo in die Spielstraße?

Marktoberdorf: Anwohner "Im Reckenschwang" beklagen zu schnelles Fahren

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Eindeutig weist das Schild auf die verkehrsberuhigte Zone im „Reckenschwang“ hin. Zu schnell fahren dort mitunter auch die Anwohner selbst.

Marktoberdorf – Zu schnell trotz Verkehrsberuhigung? Anwohner der Straße „Im ­Reckenschwang“ klagen über Autofahrer, die im verkehrsberuhigten Bereich die erlaubte Geschwindigkeit von Tempo 7 regelmäßig überschreiten. Das gefährde die Sicherheit der spielenden Kinder.

Wie eine Geschwindigkeitsmessung der Stadt ergab, haben die Anwohner vom „Reckenschwang“ recht. Tatsächlich habe sich laut Messung keines der durchfahrenden Kraftfahrzeuge an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten, so Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Doch beim „Reckenschwang“ handelt es sich um eine abgeschlossene Ringstraße, die ausschließlich als Zuführung zu den verschiedenen Haushalten und nicht als Durchgangsstraße dient. Sprich, unterwegs sind dort allein die Anwohner selbst, Besucher und vereinzelt Lieferanten.

Ein Viertel fährt mehr als 25 km/h

„Das bedeutet, dass gerade seitens der Anwohner die gebotene Schrittgeschwindigkeit nicht eingehalten wird“, stellte die Stadtverwaltung am vergangenen Montag im Bau-, Verkehrs- und Werkausschuss fest. Ein Viertel der Kraftfahrzeuge fahre sogar schneller als 25 Stundenkilometer. Deshalb sehen Polizei und Stadtverwaltung die Anwohner selbst in der Pflicht: „Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn!“ lautet der Tipp der Polizei. „Weisen Sie sie auf die Einhaltung der Schrittgeschwindigkeit hin!“. Denn in einem verkehrsberuhigten Bereich haben Fußgänger sowie spielende Kinder Vorrang vor Kraftfahrzeugen.

Forderungen der Anwohner

Das Anliegen der Anwohner wurde zweimalig anlässlich von Verkehrsschauen im Sommer 2019 und im Juni dieses Jahres beraten. Denn sie forderten umfangreiche Zusatzmaßnahmen zur Verkehrsberuhigung wie ein zweites Schild, die Verengung der Straße durch Poller oder Pflanztröge sowie den Einbau von Bremsschwellen. Die Vertreter der Polizei, des Stadtrats, von Bauhof und Tiefbauamt kamen jedoch zu der Einschätzung, dass über die bereits bestehende privilegierte Verkehrsberuhigung keine weiteren Maßnahmen erforderlich seien. Das aber stieß wiederum den Anwohnern übel auf. 

In einem Schreiben an den Bürgermeister wollten sie die Verantwortung im Falle eines Unfalls den Entscheidungsträgern übertragen. Diese „Schuld“ weist der Bauausschuss nun von sich. Einstimmig spricht er sich gegen weitere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung „Im Reckenschwang“ aus. Und auch die Polizei bezieht Stellung: „Die Hauptschuld hat immer der Autofahrer.“ Denn er müsse in einer Spielstraße immer bremsbereit sein und im Notfall anhalten können.

Angelika Hirschberg

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