Marktoberdorf entwickelt Konzept zur Barrierefreiheit

Barrierefreie Musterstadt

+
„Barrierefreiheit geht uns alle an“, betonte Bürgermeister Wolfgang Hell. Die Stadt wird ein Konzept für eine barrierefreie Kreisstadt in Auftrag geben und dafür vom Freistaat bezuschusst.

Marktoberdorf – Marktoberdorf wird als eine von 16 Kommunen im Freistaat an der Modellphase von „Bayern barrierefrei 2023“ teilnehmen.

Dafür wird die Stadt die Entwicklung einer Leitlinie zur Barrierefreiheit in der Kreisstadt in Auftrag geben. Das jedenfalls beschloss am vergangenen Montag der Bauausschuss unter Anhörung der Behindertenbeauftragten, Waltraud Joa, und von Marion Schmidt vom Bauamt der Stadt. Anstoß für das Unterfangen gab Bayerns Landesvater Horst Seehofer in seiner Regierungserklärung im November 2013, in der er einen barrierefreien Freistaat bis 2023 in Aussicht stellte. Derzeit arbeitet die Landesregierung an einem Sonderinvestitionsprogramm, das zukünftig Fördergelder (ca. 60 Prozent) für die kommunale Umsetzung der Barrierefreiheit zur Verfügung stellen soll. Die Oberste Baubehörde in München ist hierbei auf die Mithilfe so genannter Modellkommunen angewiesen, die mithilfe einer ersten Leitlinie den Finanzbedarf eines solchen Sonderinvestitionsprogramms klären sollen. Mit der Teilnahme Marktoberdorfs als Modellkommune wird jetzt ein erster Bedarf an Verbesserungen in der Kreisstadt und in den Teilorten ermittelt. 

Barrierefrei in zehn Jahren 

Marion Schmidt erklärte, dass es in einem ersten Schritt darum gehe, ein exemplarisches Konzept zur Umsetzung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum zu erstellen. Und es handle sich um eine bedarfsgerechte Auflistung von Umbauten und Nachrüstungen sowie deren Kosten, wie die Architektin betonte. Zentralen öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Schwimmbädern sowie einem barrierefreien Wegenetz (Bushaltestellen, Gehwege) gelte dabei ein besonderes Augenmerk. Schmidt bezifferte die Kosten für die Plan- und Konzepterstellung auf geschätzte 50000 Euro, von denen 20000 Euro bezuschusst würden. Nur die 16 Modellkommunen in Bayern werden in den Genuss kommen, diesen Zuschuss für die Planerstellung zu erhalten. "Früher oder später muss ein Konzept zur Barrierefreiheit aber sowieso auf den Tisch", unterstrich die Behindertenbeauftragte Joa gegenüber den Ausschussmitgliedern. „Es ist also nur sinnvoll, bei der Modellphase mitzumachen“. Warum gerade Marktoberdorf hier berücksichtigt werde, wollten einige Stadträte wissen. 

Bürgermeister Wolfgang Hell machte klar, dass es eben Waltraud Joa und ihrem auch überregionalen Engagement zu verdanken sei, dass die Oberste Baubehörde auf Marktoberdorf als eine von drei Modellkommunen in Schwaben aufmerksam geworden ist. Auch Wolfgang Hannig (SPD), der sich als zweiter Bürgermeister gemeinsam mit Schmidt und Joa bei der Obersten Baubehörde informiert hatte, befürwortete eine Teilnahme der Stadt als barrierefreie Musterstadt. "Wenn dann die Förderung beschlossen ist, haben wir das Konzept schon in der Tasche", sagte Hannig. Und Bürgermeister Wolfgang Hell erinnerte in diesem Zusammenhang an frühere Bauprojekte, die sich unter dem Druck befristeter Förderprogramme angestaut hatten. "Barrierefreiheit kommt uns allen zugute", so das Stadtoberhaupt. 

Damit machte der Bauausschuss den Weg frei, Angebote für die Erstellung eines Konzepts bei verschiedenen Stadtplanungsbüros einzuholen und als Modellkommune am bayernweiten Investitionsprogramm „Bayern barrierefrei 2023“ teilzunehmen. Pläne der Stadt, beispielsweise die Umkleiden im Anton-Schmid-Hallenbad behindertengerecht umzubauen, werden auf den Start des Sonderförderprogramms hin verschoben.

Von Angelika Hirschberg

Meistgelesen

Eiskalt durch den Dreck
Eiskalt durch den Dreck
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Hat der Standort Kaufbeuren eine Chance?
Hat der Standort Kaufbeuren eine Chance?
Stolz auf geleistete Arbeit
Stolz auf geleistete Arbeit

Kommentare