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Erste PV-Anlage auf der grünen Wiese

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Von: Angelika Hirschberg

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Flächenplan Hubert Schmidt Hattenhofen 2022
Zwischen dem Unternehmensstandort und Hattenhofen plant die Firma Hubert Schmid eine Freiflächen-PV-Anlage. © Lars Consult

Marktoberdorf – Die Firma Hubert Schmid plant zwischen dem Gewerbe- und Industriegebiet Marktoberdorf West und Hattenhofen auf einer rund fünf Hektar großen Wiese eine Freiflächenphotovoltaikanlage zur Stromgewinnung für den Eigenverbrauch (wir berichteten). Es könnte die erste großflächige PV-Anlage dieser Art auf Marktoberdorfer Grund werden. Der Stadtrat stimmte nun einer Änderung des Flächennutzungsplans sowie dem Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans zu. Doch bei Anwohnern werden Bedenken laut. Sie sorgen sich insbesondere um die Verschandelung der Landschaft.

Wie Edith Speer, Landschaftsplanerin von Lars Consult aus Memmingen, dem Stadtrat berichtete, sieht der Entwurf die Errichtung sogenannter Agri-PV-Module vor, die eine gleichzeitige Nutzung des Grünlands für landwirtschaftliche Zwecke und die PV-Strom­erzeugung ermöglichen. Dabei sollen die bifacialen und rund 3,5 Meter hohen Module in Reihen mit einem Abstand von sieben Metern aufgestellt werden. Die Kabeltrasse zur Erschließung wird unter dem Feldweg (siehe Foto) bis zum Firmengelände geführt. Vier Trafostationen sind mittig auf der Anlagefläche vorgesehen. Unter und zwischen den Solarmodulen ist weiterhin eine intensive Grünlandbewirtschaftung geplant. Der Vorhabenträger und Bauherr, also die Firma Hubert Schmid, hat sich auch verpflichtet, die Anlage nach Ende der Nutzung zurückzubauen und dies in einem städtebaulichen Vertrag zu regeln.

Dieser letzte Punkt wurde ergänzt, nachdem sich Bürger mit ihrer Angst vor weiteren baulichen Entwicklungen im Rahmen der öffentlichen Auslegung an die Stadt gewandt hatten. Die Planerin beruhigt: „Nur die Nutzung der Fläche als PV-Anlage ist zulässig. Nach Rückbau müsse sie wieder der Landwirtschaft zur Verfügung stehen.“

Ob diese landwirtschaftlich hochwertige Wiese überhaupt mit entsprechenden Maschinen intensiv bewirtschaftet werden könne, gaben nicht nur das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sondern auch Stadtrat Werner Geiger (Stadtteile aktiv) und ein Bürger zu bedenken. Sie äußerten insbesondere ihre Sorge wegen des Schattenwurfs der Module. Die Firma Hubert Schmid habe jedoch, so Planerin Speer, im Vorfeld bereits geprüft, wie die Fläche zu bewirtschaften sei und habe ihre Arbeitsgeräte angepasst. Auch der Schattenwurf werde im Hinblick auf künftige Heißwetterphasen eher positiv angesehen. Im Gegenteil erhoffe sich die Firma durch die doppelte Nutzung einen ökologischen Vorteil. Im übrigen seien bereits alle Dachflächen der Firma Hubert Schmid am Röntgenring mit PV-Anlagen belegt, Kiesgruben würden anderweitig genutzt oder aktuell rekultiviert.

Ein Bürger hatte in einem Schreiben insbesondere die Dimensionierung des Vorhabens und die Höhe der Module angemahnt, die dem Schutz der Landschaft und dem Schutz siedlungsnaher Flächen entgegenstünden. Hier gehe es um ein „Vorzeigeprojekt der Stadt, um die Ökobilanz aufzupolieren“, heißt es in dem Schreiben. Auch Werner Geiger brachte die Sorgen der Anwohner zum Ausdruck, die den Standort „für immer verschandelt“ sähen.

Als Antwort darauf verweist die Stadt auf weitere Anfragen dieser Art und übergeordnete Planungsziele von Region und Freistaat, die eine verstärkte Erschließung und Nutzung erneuerbarer Energiequellen vorgeben.

Der Stadtrat stimmte schließlich der Änderung des Flächennutzungsplans mit vier Gegenstimmen und dem Fortgang der Planungen mit einer Gegenstimme zu.

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