Nach zehn Jahren ist Schluss

Marktoberdorf: Fendt-Chef Paffen geht in den Ruhestand. Er übergibt an Christoph Gröblinghoff

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Heute ist Peter-Josef Paffens letzter Arbeitstag als Vorsitzender der AGCO/Fendt Geschäftsführung.

Marktoberdorf – Die Atmos­phäre ist entspannt an diesem sonnigen Dezembermorgen auf der Chefetage des Fendt-Hauptquartiers in Marktoberdorf. Geschäftsführ­er Peter-Josef Paffen jedenfalls hat bereits grünen Feinstrick dem offiziellen Hemd und Sakko vorgezogen. Ihm rechts über Eck sitzt lächelnd Christoph Gröblinghoff und rührt in seinem Kaffee.

Dann werden Begrüßungsformeln, ein Händedruck und offene Blicke getauscht. Rasch entspinnt sich ein erster Wortwechsel über die Passion, die die Männer im Raum neben all der Liebe zur Landtechnik vereint – und das ist die Jagd. Kurzerhand stehen Abschussquoten, Waschbären und Deutsches Drahthaar im Mittelpunkt. Der spät berufene Jäger Paffen beantwortet denn auch die Frage, ob denn ein Chefposten bei Fendt unabdingbar an die Meisterschaft im Jägerhandwerk gebunden sei, mit einem Augenzwinkern: „Ja, natürlich!“

Ab morgen übernimmt Christoph Gröblinghoff.

31. Dezember 2019. Heute ist Peter-Josef Paffens letzter Arbeitstag als Vorsitzender der AGCO/Fendt-Geschäftsführung. Ab morgen beginnt für den 65-Jährigen der verdiente Ruhestand – abseits von Termingeschäft und Strategieplanung. Ihm folgt Christoph Gröblinghoff nach, 53 Jahre alt, seit fünf Jahren Vice President Distribution Management des amerikanischen Agrarkonzerns. In dieser Position setzte er die Neustrukturierung des AGCO-Händlernetzwerks um und schuf wichtige Voraussetzungen für das weitere Wachstum der AGCO-Marken in Europa. Dabei machte der Agraringenieur und Vertriebsprofi wohl auch als möglicher Thronfolger der AGCO-Premiummarke Fendt auf sich aufmerksam. Zum 1. Januar hält nun Gröblinghoff die Geschicke der Ostallgäuer Konzerntochter in seiner Hand.

Der Rheinländer Paffen und Gröblinghoff, der Westfale, wirken sehr vertraut. Man kenne und schätze sich seit 30 Jahren, sagt Paffen und zählt die Gemeinsamkeiten beider Biografien auf. „Wir wissen zum Beispiel beide, wie man Kühe melkt“, schmunzelt Paffen, der als Sohn eines Landwirts in Floverich bei Aachen aufwuchs. Auch Gröblinghoff ist wie er gelernter Landwirt und betreibt noch heute in einer Betriebsgemeinschaft den Familienbetrieb in der Region Westfalen-Lippe. Die Wege beider trafen sich immer wieder, spätestens als Gröblinghoff 2003 als Leiter des Geschäftsbereichs Technik bei der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG in Köln einstieg. Als Vertriebspartner war er dort auch für die Zusammenarbeit mit den Schlepper-Spezialisten aus Marktoberdorf zuständig. Damals war Peter-Josef Paffen schon seit mehreren Jahren Mitglied der AGCO/Fendt-Geschäftsführung, zu dessen Vorsitzendem er 2009 nach dem überraschenden Tod von Hermann Merschroth ernannt wurde. Damit übernahm Paffen große Verantwortung in Zeiten der turbulenten Wirtschaftskrise.

Der Fendt-Chef, der dem Unternehmen nun zehn Jahre vorstand, schaut lieber voraus als zurück. Dabei sind seine Erfolge für die Marke Fendt und den Standort Marktoberdorf unbestritten.

2012 etwa: Die millionenschwere Investition der amerikanischen Konzernmutter AGCO und der Bau des modernsten Traktorenwerkverbunds in Marktoberdorf und Asbach-Bäumenheim schufen die Voraussetzung für das anhaltende Wachstum von Fendt in den vergangenen Jahren.

Seit 2013: Fendt treibt die Entwicklung eines Full-Line-Programms voran, das mittlerweile die komplette Produktbreite von der Futtererntetechnik über den Pflanzenschutz bis hin zu den Spezial-Fahrzeugen Raupentraktor und Teleskoplader abdeckt.

2015: Die Fendt 2020 Strategie entwickelte Paffen mit seinem Strategie-Team und dem Fendt-Führungskreis. Das Ziel: Im Jahr 2020 werden 20.000 Traktoren gebaut.

2018: Das digitale Entwicklungszentrum (DCX) von AGCO weltweit wird in Marktoberdorf angesiedelt. Paffen nennt es das „Zentralhirn“ des Konzerns, das die digitale Transformation der Landtechnik auf den Weg bringen will.

In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich die Zahl der Fendt-Beschäftigten insgesamt von 3.300 (2009) auf 6.100 Mitarbeiter – das sind 2.800 Arbeitsplätze mehr. Manchmal frage er sich, so Paffen etwas spitz, ob Marktoberdorf es immer zu schätzen wisse, was die amerikanische Konzernmutter in den Fendt-Stammsitz an Geld, Vertrauen und Innovation investiere. „Jedes Konzernjahr bisher war erfolgreicher als jedes einzelne Jahr als Familienunternehmen“, zählt er auf.

Weil ihm gerade die Zukunft von Fendt am Herzen liege, hat Paffen auch seinen Abschied gut vorbereitet. „Ich hatte seit langem angekündigt mit 65 Jahren in den Ruhestand zu gehen“, sagt er. Deshalb seien auch seit langem bereits Gespräche darüber geführt worden, wer als Nachfolger in Paffens Fußstapfen treten könnte. „Christoph Gröblinghoff ist meine erste Wahl“, sagt der scheidende Fendt-Geschäftsführer deutlich. Und ja, er habe ihn dem Aufsichtsrat auch vorgeschlagen. So kommt es nicht überraschend, dass es nun der gut zehn Jahre jüngere Westfale ist, der den Staffelstab der Fendt 2020-Strategie über die Ziellinie tragen wird.

Dieses seit 2015 erklärte Ziel, Ende nächsten Jahres 20.000 Traktoren gebaut und verkauft zu haben, ist nah. „Wir laufen unserem Plan vorneweg“, sagt Paffen und rechnet mit rund 19.000 Traktoren, die im Jahr 2019 ausgeliefert wurden. Ein Zwischenstand, auf den er durchaus stolz ist. Als seinen letzten strategischen Schritt sieht Paffen es nun, die nachfolgende Generation mit dieser positiven Dynamik in ein neues Jahrzehnt zu schicken. 

„Der Schwung aus der Zielkurve ist damit der perfekte Zeitpunkt für die Übergabe“, resümiert der Fendt-Chef. „Wir halten es mit dem nordrhein-westfälischen Sprichwort“, fügt Gröblinghoff trocken hinzu und zitiert: „Der Westfale hält, was der Rheinländer verspricht.“ Und der Westfale Gröblinghoff scheint keine Scheu vor großen Fußstapfen zu haben, im Gegenteil. Er freue sich auf die Herausforderung und die anstehenden Aufgaben. „Fendt wird weiterhin erfolgreich sein“, so Gröblinghoff und aus seinem Mund klingt das nun weit mehr wie ein Gebot denn ein Versprechen.

Fendt sei eine Erfolgsgeschichte, so Gröblinghoff weiter. Er wolle an der Entwicklung der Marke arbeiten, sie zum ‚leading brand‘ in ganz Europa und darüber hinaus machen. „Überall dort, wo Profi-Landwirtschaft betrieben wird, sollen die Produkte fendt-grün sein“, kündigt der Manager an, der in den vergangenen Jahren beispielsweise den Absatz in Polen und der Ukraine deutlich gesteigert hat. Die Internationalisierung sowie die Digitalisierung der Marke sind Schlagworte, denen Gröblinghoff Leben einhauchen will.

Paffen selbst wird Fendt mit einem Sitz im Aufsichtsrat ab dem kommenden Jahr treu bleiben. Auch dem Allgäu und seinem Dorf Stötten fühlt er sich längst heimatlich verbunden. Erst vor kurzem habe er seine erste maßgeschneiderte Lederhos‘n abgeholt. Und den Auerberg, sein Jagdrevier, kenne er ohnehin wie seine Westentasche. Ob er sich also auch schon eine persönliche Strategie für den Ruhestand aufgestellt habe? Paffen lacht verschmitzt: „Zunächst einmal gefällt es mir, selbst zu bestimmen, was am Tag alles ansteht. Es wird eine neue Freiheit sein.“ Die Familie und die Passion für die Jagd werden künftig einen höheren Stellenwert besitzen, erklärt er weiter. Und sagt in die Runde: „Keine weiteren Prognosen. Sie sollten mich besser kennen. Ich bin immer für eine Überraschung gut!“

Angelika Hirschberg/Kai Lorenz

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