Hege- und Naturschutzschau der Jägervereinigung Marktoberdorf

Der Wolf bereitet den Jägern Sorge

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Sie begleiteten die Hegeschau der Jäger im Ostallgäu: die Jagdhornbläser der Jagdvereinigung Marktoberdorf (hinten), (v.li.) Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, Paula Wölfle, Vorstandschaft, Landrätin Maria-Rita Zinnecker, Thomas Kreuzer, MdL, der Ehrenvorsitzende der Jägervereinigung Alois Altmann, Angelika Schorer, MdL, Annemarie Greisel und Sandra Hartmann von der Unteren Jagdbehörde.

Marktoberdorf – Jedes Jahr seien die Jäger des Landkreises mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

So beschrieb es treffend Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell bei seiner Begrüßung zur diesjährigen Hegeschau der Jägervereinigung Marktoberdorf. Mal sei es der Biber oder das Schwarzwild, mal der Naturschutz im allgemeinen und nun der Wolf im besonderen. All das spiegele aber nur das breite Aufgabengebiet der Jägerinnen und Jäger wider, fuhr Hell fort und lieferte damit seinen nachfolgenden Rednern gerade die Stichworte, um die Leistungsschau der Jäger auch zu einem gemeinsamen Plädoyer für die Jagd zu machen.

Zwei große Themen standen neben der Ausstellung der Trophäen im Vordergrund der Hege- und Naturschutzschau der Ostallgäuer Jäger: der Artenschutz und der Umgang mit dem großen Beutegreifer, dem Wolf. Die Jägerschaft sehe die Ankunft des Wolfes, der im vergangenen Oktober nachweislich auch ein Kalb südlich von Marktoberdorf gerissen hatte, kritisch, sagte Alois Altmann, Ehrenvorsitzender der hiesigen Jägervereinigung. „Ein konfliktfreies Zusammenleben von Mensch und Wolf in unserer Kulturlandschaft wird es wohl kaum geben“, fasste Altmann die Bedenken der Jäger in seiner Begrüßungsrede zusammen. Es gebe aber kein Interesse der Jägerschaft an einer Schutzjagd des Wolfes. Er erwarte nun ein klares Signal aus der Politik und verwies damit auf die Rede des diesjährigen Ehrengastes und Landtagsabgeordneten Thomas Kreuzer.

Gefahr für den Mensch?

Der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Landtag sprach deutliche Worte und malte das Bild eines Wolfsrudels, das Kälber aus den Ställen heraus reißen und auch für den Menschen eine Gefahr darstellen werde. „Wenn der Wolf merkt, dass vom Menschen keine Gefahr ausgehe, wird er seine Scheu verlieren“, prophezeite Kreuzer, selbst passionierter Jäger. Daher sei es Zeit, die Reißleine zu ziehen. Vernünftiges Wolfsmanagement sei nur dann umsetzbar, wenn auch die Entnahme, sprich der Abschuss von Wölfen möglich sei. Aktuell erarbeitet Umweltminister Thorsten Glauber (FW) einen Managementplan Wolf. Für Thomas Kreuzer stehen jedenfalls die Interessen der Weidewirtschaft vorrangig vor denen des Wolfes und dem Erhalt seiner Art. Die Ostallgäuer Landrätin Maria-Rita Zinnecker forderte in diesem Zusammenhang schnelle Entscheidungswege, die festlegten, wie mit dem Wolf umzugehen sei.

Auch der Artenschutz und das kürzlich erfolgreich gelaufene Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt fand in den Grußworten und Reden der Hegeschau seinen Niederschlag. Jeder könne einen Beitrag zum Artenschutz leisten, sagte Alois Altmann und forderte eine positive Einstellung. Er verwies auf das aktuelle Projekt der Jägerinnen im Landkreis, die Saatgut für eine blühende Landschaft bereit stellten und sich damit dem Landkreisprojekt „Wiese x 16“ angeschlossen hätten. Wie auch die Stadt Marktoberdorf, die heuer auch Parkplätze und Gewerbegebiete im Sinne der Artenvielfalt unter die Lupe nehmen wolle, erklärte Bürgermeister Hell. Festredner Kreuzer betonte, dass die Landesregierung bereits viel für den Artenschutz tue und dass Bayern wie kein anderes Bundesland die ökologische Landwirtschaft und die extensive Bewirtschaftung fördere. Dennoch begrüße er den runden Tisch, an dem aktuell nach dem umfassenden Erfolg des Volksbegehrens die Maßnahmen für mehr Umweltschutz in Bayern verhandelt werden.

Engagement für Wild und Wald

In einem waren sich alle Redner einig, nämlich den Jägerinnen und Jägern für ihr ehrenamtliches Engagement für Wild und Wald zu danken. „Die Jäger liegen uns am Herzen“, sagte Landrätin Maria-Rita Zinnecker, als Behördenleiterin ist sie auch Chefin der Jagd im Ostallgäu. Vom bayerischen Jagdverband erhielt sie die Eustachius-Medaille für ihre Verdienste um die Jagd. Von der unteren Jagdbehörde waren Leiterin Sandra Hartmann und Annemarie Greisel anwesend. Auch Forstdirektor Stephan Kleiner machte auf die Verdienste der Jäger für eine erfolgreiche Waldbewirtschaftung aufmerksam. Thomas Kreuzer sah in seiner Rede die Jäger als unverzichtbare Partner der Waldeigentümer und appellierte an die Verbundenheit von Bauern, Grundbesitzern, Fischern und der Jägerschaft.

Abschusssoll nicht erfüllt

Weniger die großen Themen, mehr den Alltagsaufgaben der Jäger widmete sich Jagdberater Christian Löwenmuth vom Landratsamt in seinem Bericht. Der Sollabschuss bei Rot- und Rehwild sei auch 2018/2019 nicht erfüllt worden, so Löwenmuth. Beim Rotwild wurde mit 91 erlegten Tieren das geforderte Soll von 159 Tieren nicht erreicht (Abschussquote von 55 Prozent). Löwenmuth stellte hierbei jedoch nicht die Leistung der Jäger, sondern vielmehr die Höhe des Abschusssolls in Frage. Demnächst soll neu geplant und an den Sollzahlen gefeilt werden. „Ein wichtiger Punkt wird sein“, mahnte Löwenmuth an, „dass die beantragten Sollzahlen auch der Realität und Erfüllbarkeit entsprechen.“ Beim Rehwild wurde im Kreis das Soll von 3142 Tieren knapp erreicht (2841 Tiere, 90,4 Prozent). Beim abgeschossenen Schwarzwild war insbesondere die anhaltende Cäsium-Belastung interessant. Sie lag bei 55 (von 185) Tieren über 500 Cäsium Becquerel, der Höchstwert wurde im südlichen Landkreis in Trauchgau mit 8198 Becquerel pro Kilogramm erreicht. Der Jagdberater forderte Jagdpächter auch dazu auf, in Notzeiten wie den zurückliegenden schneereichen Wochen den Wildtieren ausreichend Futter zur Verfügung zu stellen. „Da muss jeder verantwortungsbewusste Jagdpächter seiner Verpflichtung gegenüber dem Wild nachkommen“, bekräftigte er und wunderte sich, dass in einigen Revieren im mittleren Landkreis auf die Fütterung verzichtet worden war.

Von Angelika Hirschberg

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