Jung und Alt beim Jubiläum des Ortsvereins Marktoberdorf – Impuls durch Vize-Vorsitzende

100 Jahre SPD: So feiern die Genossen

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Gruppenbild der Jubilare. Vorne von links Jutta Jandl, die stellvertretende Landesvorsitzende Johanna Uekermann, Regina Renner vom Ortsverband, Altbürgermeister Wolfgang Weinmüller(50 Jahre in der Partei) und Ortsvereinsvorsitzender Christian Wagner. Hinten links Wolfgang Hannig und Anna Merschroth-Olivi.
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Marktoberdorf – Jung und Alt waren beim Jubiläum des SPD-Ortsvereins Marktoberdorf vereint, der im März 2019 auf das 100-jährige Bestehen zurückblickt.

Bei der Feier hatte der Rückblick auf eine bewegte Geschichte ebenso seinen Platz wie so manche Antwort zur aktuellen Situation der Sozialdemokraten. Für den Impuls mit Blick in die Zukunft sorgte Johanna Uekermann. Die 31-Jährige ist stellvertretende Vorsitzende der Bayern-SPD.

Freitagabend im Rathaussaal. Für die Einstimmung und für die Musik zwischendurch ist beim Festabend das Quartett „Jazzmop“ zuständig; das sind vier Studenten aus dem Raum Kaufbeuren. Zur Ehrung langjähriger Mitglieder mit Urkunde und Blume singt Luisa Stapf – begleitet von den drei jungen Instrumentalisten – den Song „Bella Ciao“.

Die Musik ist also live an diesem Abend. Nur am Schluss des Festabends, da wird eine Melodie vom Band eingespielt. Fast alle im Saal stehen auf und stimmen ein in „Die Internationale“, die als Hymne der Arbeiterklasse gilt, ja gar als weltweites Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung betrachtet werden kann.

Kämpferisch gibt sich davor schon die Festrednerin. Diesen Part hat Johanna Uekermann (31) aus Niederbayern übernommen, früher Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, nunmehr stellvertretende Vorsitzende der bayerischen SPD. Sie arbeitet als Bundesjugendsekretärin bei der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Berlin. Uekermann ist eine gute Bekannte von Regina Renner (33) aus Marktoberdorf, die zusammen mit Christian Wagner in einer Doppelspitze den SPD-Ortsverein Marktoberdorf führt. Beide Frauen haben in Würzburg studiert.

Referentin: SPD muss klare Kante zeigen

Uekermann greift die Themen auf, wo sozialdemokratische Politiker ihren Stempel aufdrücken sollen. Die SPD müsse klare Kante zeigen beim Bereich Arbeit und Digitalisierung. Viele würden sich angesichts des rasanten Wandels fragen: „Gibt’s meinen Job in zehn Jahren noch?“ Die SPD setze sich für mehr Investitionen in Schulen ein, vor allem auch in Berufsschulen. Freistellungszeiten für Fortbildung müssten auch in Bayern selbstverständlich werden. Eine andere Forderung sei die Mindestvergütung für Azubis von 660 Euro im Monat, damit junge Leute schneller „auf eigenen Beinen stehen können“.

„Auch ich bin eine Feministin“, bekundet Johanna Uekermann. Die SPD müsse für Belange der Frauen „konsequenter eintreten, als wir es in den letzten Jahren gemacht haben.“ Zur Europapolitik sagt die Vize-Vorsitzende, die SPD lehne einen Nationalismus ab. Die Sozialdemokraten würden auf ein „Europa der Solidarität“ setzen.

Der Ortsverein hat derzeit 77 Mitglieder

Der SPD-Ortsverein Marktoberdorf zählt derzeit 77 Mitglieder, wie Vorsitzender Christian Wagner schildert. Der 53-Jährige, seit 2006 Ortsvereinschef, sitzt in einer lockeren, von Regina Renner moderierten Gesprächsrunde ebenso in einem roten Sessel wie Erich Nieberle. Er ist der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, wo die SPD mit vier Räten vertreten ist.

Es gebe eine „ellenlange Liste von Menschen“, die auch in Marktoberdorf auf Wohnraum warten, bezieht Nieberle Position zu aktuellen Anliegen vor Ort. Diese Leute dürfe man nicht dem freien Markt überlassen. Zehn bis 15 Prozent an sozial gebundenen Wohnungen seien eine „gesunde Mischung“. Eine Chance für sozialen Wohnungsbau bietet sich laut Nieberle auf dem früheren Krankenhausareal. Weiteres wichtiges Thema der politischen Arbeit vor Ort seien Investitionen in die Schulen. Und bei der Mobilität (Stichwort Stadtbus) müsse man jetzt sich „auf den Weg machen“.

Die ersten, die an diesem Abend in den tiefen, roten Sesseln Platz nehmen, sind freilich die frühere Ortsvereins-Vorsitzende Jutta Jandl und Altbürgermeister Wolfgang Weinmüller. Jandl erinnert an große Veranstaltungen des SPD-Ortvereins wie die Sonntagsgespräche mit Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien sowie an die legendären Silvesterbälle, bringt auch Anekdoten dazu.

Weinmüller blickt darauf zurück, dass in seiner Amtszeit von 1990 bis 2002 in der Summe 250 Millionen Mark investiert wurden. 55 Millionen Mark wurden allein für die Kanalisation in der Stadt und in den eingemeindeten Ortsteilen aufgewendet.

Weinmüller ist 75 Jahre und 50 Jahre Mitglied. Auf Nachfrage von Regina Renner, warum die SPD seine politische Heimat sei, erklärt er, das sei die Partei „die den Menschen die meisten Gerechtigkeit zukommen lässt“. Die Sozialdemokraten sollten trotz schmerzhafter Niederlagen kämpferisch bleiben. Weinmüller: Irgendwann werde sich die Mehrheit der Menschen das Gebaren der Bosse, die z.B. in der Automobilindustrie „Vertrauen versauen“, nicht mehr gefallen lassen.

Grußworte von Hannig, Deckwerth und Dr. Hell

Zu Beginn des Abends sprechen drei Gratulanten. Vize-Landrat Wolfgang Hannig, selbst eingefleischter Sozialdemokrat („die SPD ist kein Auslaufmodell und nicht von gestern, sie ist wichtiger denn je“), dann die Unterbezirksvorsitzende von Ostallgäu und Kaufbeuren, Ilona Deckwerth („Glückauf für die nächsten 100 Jahre“).

Unter den Gratulanten ist auch ein „Schwarzer“. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (CSU), der große Abdrucke aus dem Archiv mit Aufrufen aus dem Jahr 2019 überreicht, bezeichnet die SPD in Marktoberdorf als „eine Konstante“, die immer klar Standpunkte bezieht. Das haben die Akteure auch am Festabend getan.

Von Johannes Jais

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