Freiwillige Feuerwehr: Deutlich mehr Einsätze und weniger Einnahmen in Corona-Zeiten

Ein Leuchtturm in Krisenzeiten

Feuerwehr Marktoberdorf
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1. Kommandant Michael Strauß (re.) berichtet über die Einsätze der vergangenen zwei Jahre. Neben ihm Erster Vorstand Johannes Schmid (v.li.), Kassier Michael Wachter und Schriftführer Robert Kauter.
  • Felix Gattinger
    VonFelix Gattinger
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Marktoberdorf – Bei seinem Grußwort zur Veranstaltung am vergangenen Donnerstag im Modeon war Marktoberdorfs Erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell voll des Lobes für den Einsatz der Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren von Marktoberdorf.

esicht einer Gesellschaft“, sagte er vor den Versammelten. Die Corona-Krise habe die Gesellschaft durchaus gespalten. Die Einen hätten mit übergroßer Angst auf das Virus reagiert, Andere wiederum mit sturer Ignoranz. Das habe in beiden Extremen zu einem teilweise sehr egoistischen Verhalten geführt, andererseits hätten viele Menschen auch immer wieder eine große Bereitschaft dafür gezeigt, sich selbst hintanzustellen und für andere da zu sein. In der Summe, so der Bürgermeister weiter, habe die Gesellschaft den Härtetest Corona bestanden. Vielerorts seien, wie Hell es ausdrückte „Leuchttürme des Engagements“ entstanden, und der größte Leuchtturm sei für ihn die Feuerwehr gewesen. Obwohl die Kameraden in der Anfangsphase der Pandemie zunächst nur unzureichend mit Schutzmasken ausgestattet waren, seien sie bei ihren Einsätzen nicht in Panik geraten, sondern hätten stets das Beste geleistet. „Für mich gehören Sie zu den Helden des Alltags“, erklärte Hell und bedankte sich für das unerschrockene Engagement der Feuerwehrler und ihrer Angehörigen.

Umbau geplant

Dass das Jahr 2020 in der Tat ein sehr aktives Jahr für die Marktoberdorfer Feuerwehr gewesen war, zeigte sich auch im Jahresrückblick des 1. Vorstandes Johannes Schmid. Auch ohne Feste, Großveranstaltungen und Fahrzeugweihen habe es „genug zu tun” gegeben, und das reiße keineswegs ab. Derzeit nämlich, erklärte Schmid, sei die Feuerwehr neben ihrer Einsatztätigkeit auch sehr in die Umbauplanungen des Feuerwehrhauses eingespannt. Ursprünglich habe man an diesem Abend schon die Entwürfe für den Umbau präsentieren wollen, diese lägen aber bedauerlicherweise noch bei den beauftragten Architekten. Die Vorstellung der Entwürfe wolle man jedoch zeitnah nachholen, betonte Schmid.

Ganz im Zeichen der Corona-Krise stand auch der Kassenbericht für 2020. Dennoch legte der Kassier Michael Wachter den Versammelten ein Plus von rund 4000 Euro vor, das im Vergleich zum von Corona nicht belasteten Geschäftsjahr 2019 vergleichsweise gering ausfiel. Da waren es nämlich rund 16.500 Euro gewesen. Durch die Pandemie waren die Einnahmen deutlich geschrumpft. So entfielen die Einnahmen durch die Altpapierspende (im Vorjahr über 4000 Euro) komplett. Durch den Wegfall von Festen und Aktionen sanken aber auch die Einnahmen aus Verpflegung und Bewirtung (Weihnachtsmarkt, Getränkestand am Gaudiwurm, Faschingsball) um etwa 3800 Euro. Vor allem aber die Spendenerlöse waren im Coronajahr 2020 von rund 4400 Euro auf gut ein Zehntel geschrumpft.

Gleichzeitig hatte man 2020 aber auch fast 8000 Euro weniger ausgegeben als im Vorjahr. Am Ende des Berichts wurden Vorstand und Kassier von den Versammelten ohne Gegenstimmen entlastet.

Mehr Einsätze trotz Pandemie und Lockdown

Traditionell folgte der Einsatzbericht des 1. Kommandanten Michael Strauß – diesmal entsprechend über zwei Jahre. In der Marktoberdorfer Feuerwehr seien derzeit 111 Mitglieder aktiv, berichtete Strauß, sieben seien neu dazugekommen. Auch die Zahl der Einsätze habe zugenommen und zwar von circa 120 im Jahr 2019 auf fast 150 Einsätze im vergangenen Jahr.

Darunter waren im Jahr 2019 17 Brandeinsätze unterschiedlicher Größe sowie 38 Einsätze zur technischen Hilfeleistung. 26 Mal musste die Drehleiter im Rettungsdienst zum Einsatz kommen. Dazu kamen 18 Türöffnungen und rund 20 weitere Einsätze. Fast 30 Mal hatte die Feuerwehr ausrücken müssen, weil Rauchmelder oder sonstige Brandmeldeanlagen ohne echten Brand Alarm ausgelöst hatten.

Zu den schlimmsten Einsätzen 2019 zählte der Kommandant den Gebäudeeinsturz am 19. Mai in Rettenbach, als bei einer schweren Detonation das Wohnhaus einer fünfköpfigen Familie komplett zerstört wurde. Dabei wurden damals zwei Erwachsene und ein Kind verschüttet. Mit schwerem Gerät, Sondierungsbohrungen und Hunden suchte man dort nach den Verschütteten. Die Feuerwehr war über 20 Stunden lang im Einsatz, bei dem tragischerweise zwei Personen nur noch tot geborgen werden konnten.

Leider war man in beiden Jahren auch immer wieder zu schweren Verkehrsunfällen gerufen worden, wie zum Beispiel am 19. Mai 2020, als in der Nähe des Hochwieswald-Parkplatzes zwei PKW frontal miteinander kollidiert waren, wobei eine Person getötet und eine andere schwer verletzt worden war.

Bei den insgesamt 148 Einsätzen konnten 45 PersonenS gerettet werden, für sechs kam leider jede Hilfe zu spät.

Hoffnungsvollere Themen streifte der Jahresbericht des Jugendbeauftragten Kim Schulze. 20 Übungen und einen Grill­abend hatte die Feuerwehrjugend im Jahr 2020 noch absolvieren können, dann kam der erste Lockdown, und ab da sei so gut wie nichts mehr möglich gewesen, bedauerte Schulze. .

„Nicht alles falsch gemacht”

Im Folgenden schritt man zu den anstehenden Wahlen der Kommandanten, der ­Vorsteher, des Kassiers, des Schriftführers, der Beisitzer sowie der Kassenprüfer. Die Wahlleitung übernahm der Standesbeamte Sebastian Thier von der Markt­oberdorfer Stadtverwaltung.

Zuerst wurde Michael Strauß als erster Kommandant ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Auch Markus Jüngling wurde als sein Stellvertreter im Amt bestätigt. Ebenfalls konkurrenzlos stellte sich Johannes Schmid als erster Vorstand zur Wiederwahl. Auch er wurde ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Ebenso lautete das Ergebnis für seinen alten und neuen Stellvertreter Siegfried Reichart. Ebenfalls ohne Gegenstimmen wurden Schriftführer Robert Kauter und Kassier Michael Wachter in ihren Ämtern verlängert. In einem gemeinsamen Wahlgang kürten die Versammelten Leopold Lauer und Stefan Moser als Beisitzer. Am Schluss wurden die Kassenprüfer Dirk Siepert und Ralf Müller per Handzeichenabstimmung in ihren Ämtern bestätigt.

Als sich beim letzten Tagesordnungspunkt herausstellte, dass es von Seiten der Mitglieder weder Wünsche noch Anträge gab, huschte ein zufriedenes Lächeln über das Gesicht des Ersten Vorstands Johannes Schmid: „Na, da hamma it alles falsch g’macht“.

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