„Gelebte sozialraumorientierte Inklusion“

Marktoberdorf: Lebenshilfe nutzt künftig das ehemalige „AHA“-Gebäude

Landrätin Maria Rita Zinnecker (Bildmitte) und Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (3. v. li.) gemeinsam mit Werner und Sylvia Höbel (links) sowie Claudia Kintrup (2. v. re.) und Klaus Prestele (rechts), Geschäftsführer der Lebenshilfe.
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Freude über ein „sehr gelungenes Projekt“: Landrätin Maria Rita Zinnecker (Bildmitte) und Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (3. v. li.) gemeinsam mit Werner und Sylvia Höbel (links) sowie Claudia Kintrup (2. v. re.) und Klaus Prestele (rechts), Geschäftsführer der Lebenshilfe.

Marktoberdorf – „Was lange währt, wird gut. Jetzt kommt das Richtige!“ Mit diesem Zitat fasste Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell die nun feststehende künftige Nutzung des ehemaligen „AHA“-Gebäudes zusammen. Bei einem Pressetermin stellte die Investorenfamilie mit Werner und Sylvia Höbel auch in Anwesenheit von Landrätin Maria Rita Zinnecker sowie Klaus Prestele und Claudia Kintrup als Geschäftsführer der Lebenshilfe die Pläne für das Gebäude im Herzen der Stadt vor.

Neben Wohnraum für Menschen mit Behinderungen in den Obergeschossen ist im Erdgeschoss Gastronomie geplant, die ab 2023 einen attraktiven Anziehungspunkt am Marktplatz darstellen soll. „Hier findet gelebte sozialraumorientierte Inklusion statt“, sagte die Landrätin.

Es war ein Termin ganz nach dem Herzen aller Beteiligten, zumal in einer an guten Nachrichten recht armen Zeit. So war die Freude für alle groß, dass es zusammen mit der Lebenshilfe als Mieter gelungen war, eine Lösung für das altehrwürdige Gebäude zu finden. Im ersten und zweiten Stock sowie einem östlich angeschlossenen Neubau entstehen insgesamt 19 barrierefreie, zum Teil rollstuhlgerechte Zimmer für Menschen mit Behinderungen, die von der Lebenshilfe Ostallgäu vergeben werden. Jeder Bewohner hat seinen privaten Rückzugsraum, aber auch die Möglichkeit, sich beispielsweise in den Gemeinschaftsräumen des Hauses schnell und unkompliziert mit anderen treffen zu können.

Schon seit 2016 suchte die Lebenshilfe aufgrund des hohen Bedarfs nach einer geeigneten Immobilie im Raum Marktoberdorf. „Umso schöner, dass wir nun ein Gebäude mitten im Zentrum beziehen können, das in unmittelbarer Nähe zu Geschäften, Cafés und Kulturstätten liegt“, freuen sich die Geschäftsführer der Lebenshilfe Ostallgäu. Damit werde die selbstständige Teilhabe von Bewohnern am gesellschaftlichen und kulturellen Leben in der Stadt möglich. „Genau so etwas haben wir gewollt“, sagte Prestele, und Kintrup ergänzte mit Blick auf das bereits bestehende Haus am Stadtrand: „Jetzt haben wir zwei verschiedene Häuser an einem Ort.“ Das Projekt wird vom Bezirk Schwaben und der Regierung von Schwaben unterstützt.

Schon 2012 gab es erste Pläne durch den Investor. Ursprünglich war der Abriss des baufälligen, aber unter Denkmalschutz stehenden Hauses aus dem späten Mittelalter geplant. Mit einem neuen Komplex sollte die Marktoberdorfer Innenstadt belebt werden. Doch die Pläne stießen auf Widerstand im Stadtrat und beim Denkmalschutz und so zogen sich die Pläne mehr als gewünscht in die Länge. Das Haus hat bei den Bürgern einen hohen Stellenwert und über Jahrzehnte verschiedene Gasthäuser wie das „Café Bergmann“, „Baldauf“ und am Ende die Disco „AHA“ beherbergt. „Ganze Generationen haben sich dort kennengelernt“, erläuterte der Bürgermeister schmunzelnd.

Gastronomie belebt Marktplatz

Im Erdgeschoss des alten Gebäudes entstehen nach der Renovierung stilvolle Räume mit Gastronomie für etwa 130 Gäste. Aktuell ist hier eine Erlebnisgastronomie mit Schaubrauerei geplant. Das knapp 100 Quadratmeter überdachte Salettl nach Süden belebt den Markt­oberdorfer Marktplatz und die Innenstadt. Das Bestandsgebäude ist ausgeräumt und die Sicherungsarbeiten des statisch nicht mehr einwandfreien Bauwerks haben laut Höbel begonnen. Die Planung ist so abgestimmt, dass beide Gebäudeteile im Rohbau mit Dach bis Ende 2021 fertiggestellt sind. 2022 folgt der Innenausbau, sodass die Lebenshilfe Anfang 2023 einziehen kann.

Besondere Historie

Über das Gemälde des Heiligen Florian auf der Südseite des Hauses zitierte Dr. Hell aus einem Buch. Demnach waren Mägde beim „Flachs-Spinnen“ leichtsinnig mit Kerzen umgegangen. So kam es zum großen Stadtbrand von 1759, 24 Dachstühle im Zentrum waren schon zerstört. Der Besitzer des großen Hauses am Marktplatz 11 flehte den Heiligen Florian an und versprach, das Bild des Heiligen neu malen zu lassen, wenn er sein Haus beschützen würde. Und nur wenige Meter vor dem Haus kam der Brand zum Stillstand. Nach der Sanierung wird das Gemälde wohl ebenfalls wieder im neuen Glanz erstrahlen.

von Wolfgang Becker

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