1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Marktoberdorfer Kindergarten St. Martin bei einer emotionalen Feier eingeweiht

Erstellt:

Von: Michael Dürr

Kommentare

Pfarrer Klaus Dinkel bei Einweihung Kita St. Martin
Mit den Kindern auf Augenhöhe: Sehr zur Freude aller begab sich Pfarrer Klaus Dinkel für seine Rede in den Schneidersitz. © Michael Duerr

Marktoberdorf – Wenn ein Mann nicht nur davon spricht, dass man sich vom hohen Ross herunter und auf Augenhöhe der Kinder begeben müsse, sondern dies auch tut, und wenn dieser Mann dann im Schneidersitz mit den Kleinen spricht und diese, samt einem vollen Raum mit über 100 Gästen, hellauf begeistert reagieren – dann haben Sie soeben den emotionalen Höhepunkt einer Einweihungsfeier miterlebt. Die Geste will sagen: Willkommen im neuen Marktoberdorfer Kindergarten St. Martin.

Besagter Mann hört auf den Namen Klaus Dinkel, und ist evangelischer Pfarrer in der Kreisstadt. „Es ist gut, im großen Menschen das Kleine zu bewahren“, sagte er in seiner kurzen Rede, „wir großen Menschen sollten wieder lernen, mit den Augen eines Kindes zu sehen.“ Gott lade dazu ein, manchmal klein zu sein: „Wenn wir lernen, auf kleine Menschen zu achten, achten wir auch auf große Menschen.“ Zusammen mit seinem katholischen Kollegen, Kaplan Michael Schmid, nahm Dinkel anschließend die Weihe des neuen Kindergartens vor.

Luftballons Einweihung Kita St. Martin 2022
Sie ließen am Aufgang zum Garten rote Herzen in den Himmel steigen: Die Kinder des neu erbauten Kindergartens St. Martin, hier gemeinsam ihren Erzieherinnen und Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. © Michael Duerr

Dabei ist das Gebäude mit seiner auffälligen Architektur in der Saliterstraße so neu schon gar nicht mehr. „Der Kindergarten ist seit zehn Monaten am Netz und hat seinen Praxistest bereits bestanden“, freute sich Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in seiner Rede. Der Bau in den Jahren 2020 und 2021 habe freilich „eine Herausforderung“ dargestellt, weil die Arbeiten mitten in die Hochphase von Corona mit seinen Lockdowns und Lieferketten-Problemen gefallen“ seien. Gleichwohl hätten die ersten Kinder bereits im Dezember 2021 einziehen können. Möglich sei dies aber „nur dank des tollen Zusammenspiels aller Beteiligten“ gewesen. Hell dankte in diesem Zusammenhang nicht nur den Architekten und ausführenden Firmen, sondern auch und besonders dem 21-köpfigen Team des Kindergartens rund um Leiterin Angelika Streif. Es seien die Erzieherinnen, an die sich die Kinder später erinnerten, und die vermittelten den Kleinen „Bildung und unsere gesellschaftlichen Grundwerte“. Hell würdigte sie alle unter dem Beifall der Gäste: „Dafür gebührt ihnen unser herzlicher Dank.“

Ins gleiche Horn stieß Selah Okul als Integrationsbeauftragter der Stadt. Unter Anleitung der Erzieherinnen könnten die Kleinen andere Kulturen kennen und achten lernen, sie könnten erfahren, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, und sie könnten üben, Kompromisse zu schließen, auch einmal nachzugeben und die Meinung anderer zu respektieren. Nicht zuletzt könnten sie „das Zusammenleben mit anderen Kindern praktizieren, die nicht immer das neueste Spielzeug“ hätten.

Der Bürgermeister hatte zuvor die geladenen Gäste, darunter viele Vertreter der beteiligten Baufirmen, Architekt Christian Hartmann aus Berlin und die Eltern der knapp 80 Kindergartenkinder, noch einmal an die anfänglichen Bedenken ob des Standorts des neuen Kindergartens erinnert: Er sei mit der Hanglage unterhalb der Buchel recht dunkel, außerdem direkt am Wald gelegen. Dank der „genialen Idee“ des Architekturbüros Hartmann, nämlich das Obergeschoss quer auf dem Erdgeschoss zu platzieren, seien aber jetzt „alle Gruppenräume zur Sonne hin“ ausgerichtet. Das großzügige Gebäude – Kostenpunkt übrigens rund 5,5 Millionen Euro, rund eine Million gab es als Zuschuss vom Staat – biete jetzt alle Vorzüge eines normalen Kindergartens und die eines Waldkindergartens. Hell: „Ich bin begeistert von dem neuen Kindergarten.“

Mit dieser Meinung steht er beileibe nicht allein. Sowohl Erzieherinnen als auch Eltern lobten im Gespräch mit dem Kreisbote die hellen, ästhetischen und gemütlichen Räume des Kindergartens, der an fünf Tagen die Woche jeweils von 7.30 bis 16 Uhr geöffnet hat, der für rund 80 Kinder ausgelegt ist und über eine Nutzfläche von 750 Quadratmetern auf zwei Stockwerken verfügt. Auf die Frage, ob man sich hier wohlfühlen könne, antwortete etwa Kinderpflegerin Anastasia: „Aber hallo!“ Und Elternbeiratsvorsitzende Karina Müller brachte es vor den Gästen auf den Punkt: „In dem neuen Kindergarten mit seinem tollen Team sind unsere Kinder bestens aufgehoben.“

Architekt Hartmann, der auf der Heimreise von einem Italien-Urlaub in Marktoberdorf Station machte, überreichte zusammen mit Rathauschef Hell symbolisch den Schlüssel für die neue Einrichtung an Leiterin Angelika Streif. Beide hatten außerdem ein Vogelhaus als Geschenk für die Kleinen mitgebracht. Eröffnet worden war der Einweihungsakt von den Kindern selbst mit dem Lied „Eins, zwei, drei, vier, wir sind die Martins-Kinder hier!“ Auch im weiteren Verlauf der 75-minütigen Feier sorgten die Kleinen immer wieder für Abwechslung, etwa bei einer Bauchtanz-Vorführung mit Erzieherin Ramona Bellmund. Dem offiziellen Teil schloss sich ein Tag der offenen Tür an, zu dem alle Marktoberdorfer eingeladen waren. Da sich schließlich auch die Sonne dazugesellte, konnten sich die Besucher selbst davon überzeugen, dass die Kunde von den lichtdurchfluteten Räumen auch der Realität standhält.

Auch interessant

Kommentare