Was der nördliche Stadtteil – aus Bürgersicht – zur Genüge hat

Marktoberdorf: Ohne Moos nix los

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Einer von vielen Wortbeiträgen auf der Bürgerversammlung: Senior Josef Dolp ging’s um die Lebensqualität im Stadtteil Moos.

Marktoberdorf – Es war gleichsam eine aktuelle Bestandsaufnahme dazu, was der Norden Marktoberdorfs zu bieten hat und was er – aus Sicht mancher Bürger – zur Genüge hat: Auf der Bürgerversammlung im Modeon (auch das Kultur- und Veranstaltungshaus steht in diesen Stadtteil) übte Josef Dolp Kritik daran, dass alles, was die Stadt woanders nicht haben wolle, im Moos angesiedelt werde. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell war es ein Anliegen, diese Einschätzung zurechtzurücken.

Zwei Bauhöfe, eine Kläranlage, wo künftig mit der Faulung noch mehr Zubringerverkehr zu erwarten sei, der Wertstoffhof mit bis zu 500 Pkw-Anfahrten am Tag, ein Nachtlokal, wo bis in der Frühe Betrieb sei und es jeden Monat zu einer Schlägerei komme; dazu drei Asylbewerberheime und eine Unterkunft im alten Pfarrhof für unbegleitete Minderjährige: Nach dieser Aufzählung stellte Senior Josef Dolp die Frage, wo da die gerechte Verteilung kommunaler Einrichtungen auf das Stadtgebiet bleibe. Und er schob – das war aber nicht ernst gemeint – zugespitzt den Satz hinterher: „I könnt‘ mir vorstellen, wenn man mal a Krematorium braucht, könnt ma dös o ins Moos nunter tun.“

Die Leute im Moos seien „bequeme und zufriedene Bürger“, ergänzte Dolp, als er sein Anliegen am Mikrofon im weiten Modeon-Saal mit ruhiger Stimme und mit einer Prise Humor vortrug, während die knapp 200 Besucher der Bürgerversammlung ihm aufmerksam zuhörten. „Des stimmt frei, was der sagt“, unterstrich eine Frau am Tisch vorne links dessen Einschätzung.

Was Hell darauf zu antworten hatte

Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell nahm – mit dem portablen Mikro allein auf der breiten Bühne im Modeon stehend – zu der Wortmeldung Stellung. Der Bauhof sei wie eine Firma zu sehen mit entsprechenden Zu- und Abfahrten. Dass die Bewohner im Moos von der Konzentration der Asylbewerberheime besonders betroffen seien, „stelle ich nicht in Abrede“, fuhr der Rathauschef in seiner Antwort fort. Dies habe aber damit zu tun, dass vor einigen Jahren an der Kaufbeurer Straße ein Grundstück veräußert wurde, wo dann ein Bauträger in der Zeit der massiven Flüchtlingskrise die Unterkünfte errichtet habe.

Beim Thema Disko bzw. Nachtlokal blickte Bürgermeister Dr. Hell in die siebziger bzw. achtziger Jahre zurück und erinnerte an das legendäre Tanzlokal Papillon. Damals seien viele junge Menschen aus Marktoberdorf und dem Umland davon so begeistert gewesen. Leider habe sich im Ausgehverhalten vieles geändert.

Ohne Moos nix los? Auch das Modeon gehört seit Anfang der achtziger Jahre zum Stadtteil, ein für Marktoberdorf und für die ganze Region bedeutendes Veranstaltungszentrum. Und das Moos bekomme zum neuen Schuljahr mit dem neuen Familienzentrum St. Magnus eine zeitgemäße Einrichtung, die in Marktoberdorf schon einen besonderen Stellenwert habe. Diese Tagesstätte wird für vier Gruppen plus Krippe konzipiert und kostet, wie Hell eingangs in seinem ausführlichen Jahresbericht erwähnte, 4,5 Millionen Euro.

Außerdem werde der Stadtteil, so blickte der Bürgermeister voraus, durch den Bau eines neuen Edeka-Marktes heuer weiter aufgewertet. Das Gebäude des Nahversorgers entstehe verkehrsgünstig nahe des neuen Verkehrskreisels an der Moosstraße/Ruderatshofener Straße, der Ende 2017 freigegeben wurde und der erste Betonkreisel in ganz Schwaben sei.

Anwohner sagt: Kreisel ist „geil“

„Der Kreisel ist geil“, meldete sich mit Franz Lahr ein anderer Bewohner aus dem Moos später zu Wort. Er sei mit dem Auto, mit dem Rad und auch außen herum zu Fuß gut und sicher zu benutzen. Ein weiterer Redner auf der Bürgerversammlung (Josef Schorer) hatte freilich beobachtet, dass einige Lastwagen am neuen Kreisverkehr beim Ausfahren mit den hinteren Reifen auf den Gehsteig gelangten. Ralf Baur, Chef des Marktoberdorfer Stadtbauamts, erklärte dazu, er werde sich das vor Ort nochmals genau anschauen. Aber eigentlich sei der Kreisel groß genug dimensioniert.

Mareile Hertle vom Tiefbauamt sagte zur Klärschlammfaulung, dieser Prozess finde nicht im Freien statt, sondern in einer Halle. Die Anlieferung erfolge einmal pro Woche. Zuvor erwähnte Bürgermeister Hell, dass der Bau 3,4 Millionen Euro koste und dort ab Mai auch der Klärschlamm aus Biessenhofen verwertet werde.

Weitere Themen

Ein bunter Mix an Themen kennzeichnete die Bürgerversammlung im Modeon, die für die Kernstadt abgehalten wurde. Sechs weitere solche Versammlungen werden Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und Kämmerer Wolfgang Guggenmos in den Ortsteilen absolvieren, die letzte ist am Dienstag, 8. Mai, im Schützenheim in Rieder. Im Meldungsstil greifen wir Wortbeiträge und Berichte aus der ersten Bürgerversammlung auf.

Die Kinderbetreuung

„Das darf es in einer familienfreundlichen Stadt nicht geben“, rief Franz Moder dem Bürgermeister und den Damen und Herren aus der Stadtverwaltung zu, nachdem er geschildert hatte, dass die dreijährige Tochter vom Besuch in einem Kindergarten bislang ausgegrenzt werde. Hintergrund sei, dass sie an Diabetes erkrankt sei; der Blutzucker müsse zweimal gemessen und die Insulinpumpe einmal eingestellt werden. Er verstünde nicht, warum Erzieherinnen dies nicht übernehmen könnten. „Der kleine Wurm leidet“, beschrieb Moder die Gefühlslage des Mädchens und kündigte an, eine Elterninitiative zu gründen.

Bürgermeister Dr. Hell („Ein paar Sachen stimmen nicht“) erklärte dazu, dass Wolfgang Wieder von der Stadt zusammen mit der stellvertretenden Leiterin der Tagesstätte mit den Eltern darüber ausführlich gesprochen hätten. Eine Erzieherin sei keine Krankenschwester. In so einem Fall sei eine Begleitperson fürs Kind erforderlich, deren Kosten vom Bezirk Schwaben übernommen werden. Freilich sei ein umfangreicher Antrag notwendig, und es dauere eine gewisse Zeit, eine qualifizierte Person dafür zu finden. Die Mutter, die sich bislang vorwiegend um das Kind kümmert, möchte wieder arbeiten gehen. Der Antrag sei inzwischen gestellt, sagte der Vater.

Das „Schattenloch“

Ein Bewohner von der Richard-Strauß-Straße stellte die Frage, wo denn „das größte Schattenloch“ Marktoberdorfs sei. Die Antwort gab er nach kurzer Pause selber: Er meinte die Saliterstraße unterhalb der Buchel, wo von November bis Januar kein einziger Sonnenstrahl hinkäme. Und genau dort wolle die Stadt den neuen Kindergarten St. Martin errichten. Bürgermeister Hell sagte dazu, er werde der Forstbetriebsgemeinschaft den Auftrag geben, bei den hohen Bäumen am Hang der Buchel auszulichten. Aber es hätten in diesem Quartier etliche Bürger auch ihre Häuser. Ralf Baur vom Stadtbauamt fügte hinzu, durch die großen Fenster könne viel Licht in die Gruppenräume der geplanten Tagesstätte gelangen. Und: „Auch im Winter kommt die Sonne aus dem Süden.“

Die Mittagsruhe

Ein anderer Bürger monierte, dass es einige Leute mit dem Einhalten der Mittagsruhe nicht so genau nähmen. Zugleich stellte er fest, dass auf der Buchel öfters Autos parken, obwohl die Straße dorthin für Kfz gesperrt sei (mit Ausnahme für Behinderte). Dazu antwortete Helmut Maucher, neuer Chef der Polizeidienststelle Marktoberdorf und erstmals auf der Bürgerversammlung präsent: Für Kontrollen, die dazu sinnvoll erscheinen, sei die Polizei auf aktuelle Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Auch solle man es bitte melden, wenn jemand die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr nicht einhalte oder an Sonn- und Feiertagen Krach verursache. Maucher: „Lärm machen am Sonn- und Feiertag – das geht gar nicht.“

Der Pflasterbelag

Dafür, dass der Weg vom Parkplatz auf dem Schlossberg zur Leichenhalle am Friedhof gepflastert wird, hat sich eine Bürgerin eingesetzt. Dies sei besser als der Riesel, der vor allem für Rollstuhlfahrer und ältere Leute, die auf Rollatoren angewiesen sind, beschwerlich sei. Der Bürgermeister entgegnete dazu, der Weg werde auch mit Autos und kleinen Lastern befahren, wo ein Pflasterbelag an dem Gefälle von Nachteil sei. Außerdem sei das Wurzelwerk der Bäume im Weg.

Der „Krach“

Kaum noch auszuhalten sei der Krach im südlichen Abschnitt der Meichelbeckstraße (Stichwort sind die Baustellenfahrzeuge) und an der Verbindung zur Bahnhofstraße, schilderten zwei Frauen, die Nachbarinnen sind, auf der Bürgerversammlung. Das sei langsam eine Zumutung. Sie forderten eine Reduzierung von Tempo 50 auf Tempo 30. Ein offenporiger Flüsterasphalt, wie er auf Bundesstraßen und Autobahnen aufgetragen wird, mache aber innerstädtisch keinen Sinn, hieß es von Seiten der Stadt.

jj

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