Und was Projektmanager Heidrich gegen "rote Flecken" unternimmt

Wie’s um die Kaufkraft bestellt ist

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Projektmanager für die Innenstadt: Philipp Heidrich.

Marktoberdorf – 105 Millionen Euro: Das ist die Zahl, die für die jährliche Kaufkraft der Bevölkerung Marktoberdorfs steht. Davon werden 82,5 Millionen Euro in der Kreisstadt ausgegeben. 23 Millionen Euro fließen woanders hin. Diese Zahlen nannte Philipp Heidrich, der Projektmanager für die Innenstadt, neulich im Stadtrat; er zeigte auf, wie es um die Kaufkraft bestellt ist.

Nach den Worten Heidrichs ist der Trend zum „One Stop“ erkennbar. Damit ist die Entwicklung gemeint, dass Kunden zunehmend nur an einem Standort alles einkaufen möchten und nicht von einem Ort zum anderen bzw. von einer Stadt zur nächsten fahren wollen.

Doch die Kaufkraft war nur einer von vielen Aspekten, die im Vortrag und in der anschließenden Aussprache aufs Tablett kamen. Ein weiteres Stichwort waren die roten Flecken im Zentrum, sprich die Leerstände. Zudem ging es um das Potenzial, das der Tourismus vor Ort hat.

„Wo geht die Reise hin?“ Mit dieser Frage führte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in das Thema ein, ehe Philipp Heidrich (39) zu seiner Tätigkeit als Projektmanager Bericht erstattete. 14 Existenzgründer wären vermittelt worden, u.a. hätten ein Blumenladen und ein Barbier eröffnet. Bei der Fassadenförderung sei er im Gespräch mit drei Interessenten.

Von den 2000 Filialunternehmen, die es in Deutschland gebe, passe nicht jedes zu Marktoberdorf. Aber die Filialisten, die er sich für bestimmte leer stehende oder bald frei werdende Geschäfte vorstellen könne, „kriegen regelmäßig Post von mir“, sagte Heidrich.

Positiv hob er auch den „Showroom“ im Emmi-Fendt-Haus hervor, der aktuell von der Firma Rösle (Haushaltswaren) genutzt werde. Dies sei ein „wahnsinnig gutes Projekt“. Alle paar Wochen werde dort neu dekoriert, freute sich der Projektmanager. Freilich sei der Showroom „keine Dauerlösung“. Heidrich sagte: „Mittel- und langfristig muss da ein Magnet her“.

Die passende Größe für Ladengeschäfte

Zurzeit gibt es 17 rote Flecken in der Innenstadt. Damit sind die leer stehenden Geschäfte gemeint. „17 rote Flecken sind 17 zu viel“, bekundete Werner Moll (Stadtteile aktiv). Projektmanager Heidrich antwortete, in drei Fällen verhandele bzw. vermittle er zurzeit. Allerdings sei zu bedenken, dass Angebot und Nachfrage oft schwierig zusammenzubringen seien – was z.B. die Ladengröße betrifft. Und: So mancher früherer Verkaufsraum sei in einem schlechten Zustand.

Eine weitere Maßnahme sei ein Runder Tisch für die Gastronomen, wobei es schwierig sei, die Wirtsleute für so eine Zusammenkunft alle zeitlich unter einen Hut zu bringen. Belebung, sprich mehr Kunden für die Innenstadt, bringe auch der Weihnachtsmarkt, der zunehmend mehr Leute anlocke.

Christian Vávra (Grüne) fragte nach, welches Potenzial der Tourismus in der Kreisstadt biete. Da stimmte Heidrich mit Bürgermeister Dr. Hell überein, dass die Umgehungsstraße, wenn sie in einigen Jahren fertiggestellt ist, auch eine Herausforderung für Gastronomie und Einzelhandel bedeute. Denn Marktoberdorf lebe auch vom Durchgangsverkehr.

Ausbaufähig sei der klassische Urlaub. Da erhofft sich der Innenstadt-Manager einen wesentlichen Impuls bei den Übernachtungszahlen durch das neue Hotel „Weitblick“, das auf der Anhöhe am östlichen Stadtrand an der B 472 Richtung Schongau/Bertoldshofen entsteht und im Herbst eröffnet wird. Der Schwerpunkt liege zurzeit in Marktoberdorf auf den Tagesgästen. Dies zeige auch ein Blick auf die Besucherzahlen im Fendt-Forum.

„Machen Sie so weiter“, wandte sich Arno Jauchmann (CSU) an Philipp Heidrich. Es stecke viel Arbeit dahinter. Eventuell sei im Stadtrat zu überlegen, die Stundenzahl für den Projektmanager aufzustocken. Jauchmann schob den Appell hinterher, Marktoberdorf „nicht dauernd schlecht zu reden“ – was manche Heimische leider tun würden.

Bürgermeister Hell würdigte schließlich das Engagement Heidrichs. Der Projektmanager mache aus seiner Arbeit „kein akademisches Konstrukt“. Vielmehr sei dessen „charismatische Herangehensweise“ hervorzuheben. Gleichwohl müsse man sich in der Stadt und in der Geschäftswelt bei den Herausforderungen der nächsten Jahre und des digitalen Zeitalters „warm anziehen“.

Von Johannes Jais

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