Fast zehnmal um die Welt

Die Stadtradler von Marktoberdorf platzieren sich landes- und bundesweit vorn

Menschen mit Fahrrädern vor dem Marktoberdorfer Rathaus
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Landes- und bundesweit auf dem Treppchen: Die Organisatoren der Aktion Stadtradeln Markt­oberdorf 2020 mit ihren prämierten Teilnehmern nach der Abschlussfeier vor dem Rathaus.

Marktoberdorf – 400.000 mit dem Fahrrad zurückgelegte Kilometer belegen zweifelsfrei den sportlichen Charakter der gesamten Aktion. Die Absichten hinter „Stadtradeln Markt­oberdorf” waren jedoch auch umwelt- und verkehrspolitisch motiviert. Gemeinsam mit der Stadt, dem Landratsamt und der kommunalen Polizei haben die drei Stadtgestalter Miriam Pflanzelt, Johannes Auburger und Michael Korn den Arbeitskreis „Fuß- und Radverkehr“ ins Leben gerufen. 

Das Gremium widmet sich vornehmlich den Schwachstellen beim örtlichen Fuß- und Radwegenetz. Den Akteuren ging es darum, die Attraktivität des Fortbewegungsmittels Fahrrad zu bewerben, und diese gleichzeitig für breite Teile der Bevölkerung erfahrbar zu machen. Aus verkehrsplanerischer Sicht sollte aber auch vermittelt werden, dass die Stadt Marktoberdorf dringend ein durchgehendes Netz von Fuß- und Fahrradwegen braucht.

Der Erfolg der Unternehmung war durchschlagend. Das Sammeln von Fahrradkilometern im Wettbewerb mit anderen Städten hatte Marktoberdorf nicht nur an die Spitze im bayerischen Vergleich gebracht, bundesweit liegt die Stadt sogar auf Platz drei.

„Von Bergen umgeben aber brettleben”

Bei der Abschlussfeier im großen Sitzungssaal des Rathauses standen natürlich die gefeierten Sportler und ihre prämierten Leistungen im Vordergrund. Jedoch schon in seiner Eröffnungsrede betonte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell die Wichtigkeit der Aktion im Hinblick darauf, dass sich in der traditionellen „Autofahrernation Deutschland“ das Bewusstsein allmählich verändere. Hell hatte an dieser Aktion ebenfalls teilgenommen sowie auch zwei Drittel seines Stadtparlaments.

Aber auch die gesamte Markt­oberdorfer Bevölkerung wurde von den Veranstaltern gelobt. Die „Marktoberdorfer Mundpropaganda“ habe hervorragend funktioniert, sagte Studiendirektor Michael Kölbel vom Gymnasium Marktoberdorf, und zwar nicht nur im Vorfeld, sondern auch während der gesamten drei Wochen. „Marktoberdorf ist eine radlbegeisterte Stadt“, schwärmte Johannes Auburger. „Wo man im Stadtbild auch hinschaut, sieht man Leute auf dem Fahrrad – egal ob jung oder alt.“ Lobend erwähnte er in diesem Zusammenhang auch die geographischen Bedingungen der Stadt: „Die Stadt ist umgeben von Bergen, selber aber brettleben.“

Von MOD nach Moskau

Auch Martin Vogler, der die Aktion von kommunaler Seite aus organisierte, lobte die „bemerkenswerte Dynamik“, die sich während der drei Wochen entwickelt habe. Gebildet hatten sich in dieser Zeit 75 Teams mit insgesamt 1.593 Radfahrern. „Ein paar Angestochene haben sogar richtig Gas gegeben“, schmunzelte Vogler und spielte damit auf die herausragendste Einzelleistung beim Stadtradeln an. Stefan Angerer hatte in den drei Wochen vom 21. Juni bis zum 11. Juli sage und schreibe 2.600 Kilometer zurückgelegt und wurde dafür von Michael Korn besonders geehrt. „Das ist weiter als die Strecke von Marktoberdorf nach Moskau“, sagte Korn und fuhr fort: „Ob er inzwischen schon wieder aus Moskau zurück wäre, sei mal dahingestellt. Aber in jedem Fall ist das mehr, als mancher Bürger in dieser Zeit mit dem Auto zurücklegt.“

Auch drei Schulklassen des Marktoberdorfer Gymnasiums wurden für ihre kollektiven Kilometerleistungen geehrt. Bronze ging an die 7b, die mit ihren 16 Mitgliedern 4.135 Kilometer zurückgelegt hatte, Silber gab es für die 23 Schüler der Klasse 10c, deren Ergebnis bei 5.294 Kilometer gelegen hatte, und Gold hatte sich die Klasse 10b verdient, die mit 7.633 Kilometern an der Spitze lag.

Von den außerschulischen Teams wurden die „Bergradler“ ausgezeichnet, die zu siebt rund 3.600 Kilometer gefahren waren, das Team „Just for fun“, das es mit fünf Leuten auf fast 2.000 Kilometer gebracht hatte, sowie das Team “Café Vogler”, das mit immerhin 26 Teilnehmern auf 17.350 Kilometer gekommen war.

Da es dem Aktionsbündnis vorrangig um ein verkehrspolitisches Umdenken im Alltag ging, wurden zusätzlich drei Marktoberdorfer „Alltagsradler“ ausgelost und prämiert: Nicole Adolph, Josefa Hubalek und Josef Rueth, die alle drei über ihre alltäglichen Fahrradfahrten Buch geführt hatten.

Auszeichnungen bekamen auch die Teilnehmer der Kategorie „Stadtradeln-Stars“ Claudia Schmölz, Doris Trautner und Josef Gabler. Sie hatten in persönlichen Fahrrad-Blogs über ihre eigenen Erfahrungen während der drei Wochen berichtet. Zu diesen Blogs kommt man jeweils über die Internetadresse www.stadtradeln.de/marktoberdorf.

Weil man aber, wenn man vom Sattel steigt, sein Fahrrad auch immer gut gesichert und beschirmt wissen möchte, erfanden die Stadtradler noch eine besonders originelle Preiskategorie. Gegen Ende der Veranstaltung prämierten sie die beiden besten Fahrradständer der Stadt: den Radständer auf dem Parkplatz des Discounters Lidl, sowie die eingehauste Radabstellanlage für die Mitarbeiter des Landratsamts. Im Anschluss an die Preisverleihung feierten die politisch aktiven Sportler bei Kuchen, Häppchen und alkoholfreien Getränken.

Als Sponsoren der erfolgreichen Aktion Stadtradeln Markt­oberdorf 2020 hatten sich die VR Bank, der Aktionskreis Marktoberdorf, sowie die beiden Radsportgeschäfte Buhler und Rieger verdient gemacht. Beim nächsten Stadtradeln im Jahr 2021 will Marktoberdorf natürlich wieder dabei sein.

von Felix Gattinger

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