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Stadtrat beschließt angesichts der Gaskrise die Schließung des Freiluftbeckens beim Hallenbad

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Von: Angelika Hirschberg

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Außenbecken Hallenbad Marktoberdorf
Das Außenbecken des Hallenbads wird bis Ende Februar in den Winterschlaf fallen. © Stadt Marktoberdorf

Marktoberdorf – Kein beheiztes Außenbecken über die Wintermonate, kein Rückenkraulen an Massagedüsen oder Entspannen im großen Whirlpool. Die Stadt Marktoberdorf verzichtet auf die Hauptattraktion seines Hallenbads und schließt das Außenbecken vom 1. November bis Ende Februar 2023. Das beschloss der Stadtrat einvernehmlich in seiner vergangenen Sitzung.

Die Entscheidung fiel angesichts der aktuellen Gas- und Strompreiskrise. „Auch wir als Stadt sehen uns in der Pflicht, unseren Beitrag zum Energiesparen zu leisten“, sagte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell in seiner Einführung. Der Vorschlag der Stadtverwaltung sei eine Maßnahme unter vielen zur Sicherstellung der notwendigen Energieversorgung. Doch eins machte das Stadtoberhaupt auch klar: Am Betrieb von Hallenbad und Sauna solle nicht gerüttelt werden. „Es geht lediglich um die temporäre Schließung des Außenbeckens.“

Von diesem Eingriff erhofft sich die Stadt einen relevanten Beitrag zur Energieeinsparung, denn neben der Kläranlage ist das Hallenbad der größte Energieverbraucher unter den städtischen Einrichtungen. Und in den Wintermonaten hat gerade das beheizte Freiluftbecken einen bedeutenden Anteil am Wärmeverbrauch.

In Zahlen sieht das so aus: Wie der Betriebsleiter des Hallenbads, Gary Kögel, den Stadträten aufzeigte, verbrauchen Bad, Außenbecken und Sauna übers gesamte Jahr einen Wärmebedarf von rund 2.150 Megawattstunden (MWh). Das entspricht dem Wärmeverbrauch von 97 Einfamilienhäusern. Das Außenbecken hat dabei mit rund 1.300 (MWh) einen Anteil von 59 Prozent. In den vier Wintermonaten November bis Februar erwartet Kögel einen detailliert messbaren Wärmebedarf des Außenbeckens von 600 MWh, bei einer Schließung wäre jedoch nur eine Einsparung von 440 MWh spürbar. Denn: „Wir können nicht einfach das Wasser ablassen und die Pumpen abstellen“, so Kögel. „Dann würde das Becken baulich Schaden nehmen und es wäre im Frühling nicht einsatzbereit.“ Es ging also um 440 MWh, eine Einsparung, die ungefähr 20 Prozent des gesamten Jahreswärmeverbrauchs des Hallenbads entspricht.

Die Entscheidung sei schwierig, aber alternativlos, sagte denn auch CSU-Stadtrat Thorsten Krebs. Und er hoffe dabei auf das Verständnis der Bevölkerung. Doch – auch das hatte Gary Kögel deutlich hervorgehoben – das warme Außenbecken sei gerade in den Wintermonaten das bei Besuchern beliebteste und am stärksten frequentierte Becken des Bades.

Ihre Bedenken hatte auch Dr. Anne-Dore Fritzsche (Grüne). „Die Zahlen lassen sich zwar nicht schönreden. Dennoch habe ich die Sorge, dass uns die Besucher wegbleiben und wir wegen steigender Defizite am Ende unser Hallenbad ganz schließen müssen.“ Sie sah in der Entscheidung ein echtes Dilemma, und stimmte nur mit Bauchschmerzen der Becken-Schließung zu.

Ums Geld ging es den Stadträten dabei übrigens nur am Rande. Auf Nachfrage von Arno Jauchmann (CSU) bezifferte Gary Kögel die aufgrund der hohen Gaspreise erwartete Kostensteigerung bei Normalbetrieb auf rund 85.000 Euro. „Sollte der Betrieb des Außenbeckens gedrosselt werden, könnte man vielleicht 35.000 Euro sparen.“ Die Runde war sich einig, dass es der Stadt nicht um die reine Kostenersparnis gehe. Thorsten Krebs fand dafür deutliche Worte: „Es geht darum, gasunabhängig vom russischen Diktator zu werden und nicht, sich den Rücken massieren zu lassen.“

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