1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

Tierschutzverein wagt den Neuanfang – Jetzt hängt alles an gutem Personal

Erstellt:

Von: Angelika Hirschberg

Kommentare

Tierheim Marktoberdorf 2023
Aktuell sind keine Tiere im Tierheim Marktoberdorf untergebracht. Doch der Tierschutzverein will weitermachen und lanciert den Neuanfang. © Hirschberg

Marktoberdorf – Ein Tierheim ohne Tiere, ein Verein ohne Vorstand. Dieses Damoklesschwert schwebte über den Köpfen der Tierschützer im mittleren Ostallgäu und trieb dieser Tage die Gemüter um. Aktuell ist das Tierheim Markt­oberdorf bereits komplett geschlossen. Seine Tiere sind auf umliegende Tierheime verteilt. Gleichzeitig kündigte der 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins, Kurt Budschied, seinen Rücktritt an. Nun ist langfristig ein Happy End in Sicht. Vergangenen Dienstag bestellte der Verein in einer kurzfristig anberaumten Mitgliederversammlung eine neue Vorstandschaft. Und will den Neuanfang wagen.

Die gute Nachricht also zuerst: Der Tierschutzverein, der das Markt­oberdorfer Tierheim an der Engratsrieder Straße betreibt, bleibt handlungsfähig. Die Mitglieder wählten mit eindeutiger Mehrheit in einer aufreibenden Sitzung Martha Ille zur neuen 1. Vorsitzenden. Dr. Klaus Finkenwirth, gleichzeitig Vorstand der Tierfreunde Ostallgäu, wird sie als 2. Vorsitzender unterstützen. Als Kassierin wurde Edith Kuhn bestellt, Schriftführerin ist nun Tina Pelz. Zehn Beiräte arbeiten im Hintergrund unterstützend mit. Allerdings wurde der neue Vorstand nur für eine Übergangszeit bestimmt. Bis in zwei bis drei Monaten soll eine weitere Mitgliederversammlung über die Vorsitzenden bestimmen. Für den Vorstand auf Zeit wartet indes ein Berg an Arbeit. Zunächst gelte es, so die neue Vorsitzende Martha Ille gegenüber unserer Zeitung, den Betrieb des Tierheims überhaupt erst wieder möglich zu machen. „Wir werden alles dransetzen, das Tierheim so schnell wie möglich wieder zu öffnen.“ Dazu braucht es zuallererst geeignetes Personal.

Am Personal hängt alles

Die Betriebserlaubnis des Tierasyls erlosch nämlich bereits im September 2022 formell, wie das Veterinäramt auf Nachfrage des Kreisboten mitteilte. Denn für den Betrieb eines Tierheims und einer Pensionstierhaltung ist es nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes notwendig, dass dem Landratsamt eine verantwortliche Person benannt wird, die für die Tätigkeit die erfolderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten nachweisen kann. Nachdem diese Person seit vergangenem September nicht mehr für das Tierheim tätig ist, erlosch die Erlaubnis. Der Tierheimbetrieb wurde aber so lange noch geduldet, als dass faktisch eine Person mit den notwendigen fachlichen Kenntnissen zur Verfügung stand. Vorige Woche kündigte jedoch auch diese Person. Logische Folge: Das Tierheim musste seine Pforten schließen.

Oberstes Anliegen von Martha Ille und dem Tierschutzverein ist es daher, einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin mit den nötigen Sachkundenachweisen für die Betriebsleitung des Tierheims gewinnen zu können. Das nennt auch die Veterinärbehörde als unabdingbar für eine neue Erlaubnis. Sie schreibt: „Vor allem aber ist es wichtig, dass der Tierschutzverein wieder eine verantwortliche und fachkundige Person benennt, die für das Tierheim tätig ist. Die tägliche Anwesenheit und Vertretung sollte dabei sichergestellt sein.“

Und das Veterinäramt listet weitere Mängel auf, die dem Tierschutzverein zur Behebung aufgetragen werden. Dazu gehören unter anderem die bauliche Situation der Freilaufflächen und der Böden, sowie eine Verbesserung der Dokumentationspflichten und des allgemeinen Hygienemanagement in der Krankenstation.

Über Fundtiere und Futterspenden

„Alles machbar“, meint Martha Ille und strahlt Zuversicht aus, das Tierheim mit der Unterstützung der Mitglieder wieder auf einen guten Weg zu bringen. Mit der aktuellen Situation sei keiner zufrieden. So schaffe es das Tierheim gerade so, seiner Aufnahmepflicht für Fundtiere nachzukommen. Diese können dann allerdings nur für kurze Zeit betreut werden und müssen dann auch wieder abgegeben werden.

Auch Futterspenden nimmt der Verein weiterhin entgegen und verteilt sie an die Tierheime, die aktuell Tiere aus Marktoberdorf versorgen. Spendenboxen sind vor dem Tierheim sowie in mehreren Verbrauchermärkten in der Nähe der Kassen aufgestellt.

Die Stadt Marktoberdorf reagiert abwartend auf die prekäre Situation im Tierheim. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell ließ dem Kreisboten ausrichten, dass es selbstverständlich zeitnah Gespräche mit dem neuen Vorstand geben werde.

Auch interessant

Kommentare