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„Leuchttürme“ sollen Bürger informieren und im Ernstfall helfen

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Von: Angelika Hirschberg

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Strommast Sonnenuntergang
Auch im Rathaus rechnet niemand ernsthaft mit einem längeren Stromausfall. Dennoch stellen sich Verwaltung und Rettungskräfte für den Ernstfall auf. (Symbolfoto) © Iryna_Melnyk/panthermedia D45335594

Marktoberdorf – Stromausfälle sind keine Seltenheit, doch wie fühlt es sich an, über mehrere Tage und Nächte im Dunkeln zu sitzen? Das gab es in Marktoberdorf zuletzt im April 1994, als infolge von Schneebruch und eingeknickten Strommasten für vier lange Tage der Strom im Stadtgebiet ausblieb. An diesen Tagen saßen die Menschen bei Kerzenschein zusammen, die Küche blieb kalt, es konnte weder getankt noch eingekauft werden. Jetzt haben Stadtverwaltung, Feuerwehr, Polizei und BRK die Notfallpläne für einen „Blackout“, also einen lang anhaltenden und überregionalen Stromausfall, aus den Schubladen geholt, diese überarbeitet und das eine oder andere Notstromaggregat bestellt.

Nicht Unwetter, vielmehr der Angriffskrieg auf die Ukraine und die etwaige Gefahr einer groß angelegten Cyber-Attacke haben die Behörden in Sachen Katastrophenschutz alarmiert und tätig werden lassen. Dabei betonen Energieversorger, Bürgermeister und der Chef der Polizeiinspektion Marktoberdorf unisono: „Wir gehen nicht von einem großflächigen Blackout aus.“ Bei einer Gesprächsrunde im Rathaus vergangene Woche machten Stadt, Feuerwehr und Polizei klar, dass sie für ein ernstes Szenario zwar gerüstet seien, es dennoch für äußerst unwahrscheinlich hielten. Viel wichtiger war den Vertretern von Stadt und Rettungskräften jedoch, Bürgerinnen und Bürger zur Eigenverantwortung und Vorsorge aufzufordern. „Was jeder Einzelne zuhause tun kann, ist wichtiger als das, was wir vorhalten“, sensibilisierte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Dazu gehöre, ausreichend Trinkwasser, Vorräte und notwendige Medikamente für zehn bis 14 Tage für den Ernstfall zu lagern.

Blackout Szenario: Was die Stadt tut

Die Stadtverwaltung hat ihre Notfallpläne aktualisiert. Insbesondere für den Betrieb von Kläranlage und Wasserwerk sei ein neues Notstromaggregat geliefert worden, das dafür sorgen soll, dass Wasser aus den Hähnen der Haushalte käme und die Klospülung funktioniere. Notstrom werde auch das Rathaus versorgen, wo die zentrale Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger eingerichtet sei, sollte denn der Katastrophenfall ausgerufen werden, so Hell. Das passiert im übrigen offiziell bereits nach vier Stunden ohne Strom. Im Rathausanbau werde dann ein so genannter Leuchtturm installiert, wo städtische Angestellte Informationen für die Bevölkerung bereithielten, wenn Telefon, Internet und Mobilgeräte nicht mehr funktionierten und Kommunikation nur noch mündlich oder per Flugblatt stattfinden könne. In den Ortsteilen fungieren die Feuerwehrhäuser als Leuchttürme, an die sich Bürgerinnen und Bürger auch im Fall eines Feuers oder eines medizinischen Notfalls wenden könnten. Sie seien im Katastrophenfall 24 Stunden besetzt, erklärte Michael Strauß, erster Kommandant der Feuerwehr Marktoberdorf.

Im Rathaus wird außerdem ein medizinisches Notfallzentrum des BRK eingerichtet. In der warmen, da mit Notstrom versorgten Dreifach-Turnhalle der Mittelschule soll es Notunterkünfte geben. Und auch das städtische Gulielminetti-Altersheim wird mit Notstrom versorgt. So sehen es die Pläne der Stadt vor. Die Federführung in Sachen Katastrophenschutz habe zwar das Landratsamt Ostallgäu, betonte Hell, im Krisenfall sei jedoch nicht auszuschließen, dass Bürger und Stadt auf sich selbst gestellt seien. In diesem Fall übernimmt der Erste Bürgermeister in Zusammenarbeit mit dem Krisenstab vorübergehend die Einsatzleitung und koordiniert die operativen Geschäfte. So heißt es auch auf der neu eingerichteten Infoseite der Stadt online abrufbar unter www.marktoberdorf.de/rathaus/Katastrophenfall

Womit die Polizei rechnet

Auch die Polizei zählt auf die Eigenverantwortung der Bürger. Sie rechnet zwar mit mehr Arbeit, jedoch nicht mit einer Eskalation. Die Beamten würden vermehrt Streife fahren und zu Fuß nach dem Rechten sehen, so Dienststellenleiter Helmut Maucher. Er blieb während des Gesprächs im Rathaus gelassen: „Die Lage auf dem Land kommt uns zugute. Da helfen sich die Nachbarn aus, man schaut aufeinander“, ist sich Maucher sicher. Dafür dass die Polizei, ebenso wie die Feuerwehr, lange mobil bleiben kann, hat es Abstimmungen mit Treibstofflieferanten gegeben. Auch die Feuerwehr ist gut vorbereitet. Ein Plus für die Kameraden: Ihre Kommunikation funktioniert größtenteils noch mit Analog-Funk. So dass auch im laufenden Blackout, Leitstelle und Leuchttürme miteinander vernetzt sind. Ein weiterer Vorteil für die Einsatzkräfte: Für sie und die Rathaus-Belegschaft hält die Verwaltung Essensvorräte vor. Was die Menüauswahl angeht, ist Bürgermeister Hell allerdings nicht zimperlich. Es gibt dann: „Eintopf und Brot in Dosen.“ Candlelight-Dinner geht anders.

Vorsorge treffen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt allen Bürgerinnen und Bürgern dringend eine private Vorsorge mit Lebensmitteln, Getränken und Medikamenten für etwa zehn bis 14 Tage. Wichtige Infos für die häusliche Vorsorge bei langanhaltendem Blackout unter diesem LINK..

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