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Stromtanken am Balkon

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Von: Angelika Hirschberg

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Balkon-Einrichtung
Wer auf dem Balkon nicht nur Blattgrün, sondern grünen Strom ernten möchte, erhält von der Stadt einen Zuschuss für die Installation einer Mini-PV-Anlage. © Butlers/dpa-tmn

Marktoberdorf – Schnittlauch und Strom auf dem eigenen Balkon ernten? Die Stadt Markt­oberdorf möchte für Wohnungseigentümer und Mieter Anreize schaffen, genau dies zu tun. Der Umweltausschuss beschloss einstimmig die Förderung so genannter Photovoltaik-Kleinstkraftwerke, die neben den Kräutertöpfen auf jedem privaten Balkon installiert werden können. Die Stadt sieht ihr Engagement als freiwilligen Beitrag zum Klima- und Artenschutz. Und derzeit auch als Anreiz für jeden Einzelnen, sich unabhängig von internationalen Energielieferungen und Verbraucherpreise zu machen.

Ganz konkret will die Stadt ihr bestehendes Umweltförderprogramm auf neue Beine stellen. Ziel ist neben der Förderung erneuerbarer Energien auch, die Marktoberdorfer zur Nutzung ihrer Fahrräder zu motivieren. Für das Umweltförderprogramm stehen im Haushalt 2022 insgesamt 15.000 Euro bereit. Das sind 10.000 Euro mehr als noch im vergangenen Jahr.

Der größte Batzen im Budget des Programms nimmt eben die Förderung der Photovoltaik-Balkonmodule (auch Plug-In-Module und Stecker-PV-Module genannt) ein. Jedes Modul, egal ob es sich um eine 300 Watt- oder eine 600-Watt-Anlage handelt, fördert die Stadt mit pauschal 150 Euro. Folgende Kriterien müssen Antragsteller dabei erfüllen: Sie müssen die Rechnung der PV-Anlage vorweisen, die Installation muss eine Fachfirma vornehmen, die Anlage muss beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister angemeldet sein und mit einem VDE-Stecker ans Netz angekoppelt sein. Die steckerfertigen Anlagen seien sehr unkompliziert zu bedienen, so Hannah Fischer, die Büroleiterin des Bürgermeisters. Insgesamt hat die Stadt 8.000 Euro für die Förderung der PV-Kleinstkraftwerke im Jahr 2022 eingeplant. Die Pauschalbeträge würden nach dem „Windhundprinzip“ vergeben, das heißt, wenn das Budget verbraucht ist, gibt es auch kein Geld mehr. Oder: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das neu aufgelegte Umweltförderprogramm tritt ab dem 1. April in Kraft und gilt bis Jahresende.

Fahrradständer für Alltagsradler

Um die Nutzung des Fahrrads im alltäglichen Leben zu erleichtern, fördert die Stadt im gleichen Zeitraum nun auch die Installation moderner Fahrradanlehnständer. Sie will vor allem lokale Einzelhändler, Gastwirte und Dienstleister unterstützen, Marktoberdorf noch fahrradfreundlicher zu gestalten. Gute Abstellmöglichkeiten in der unmittelbaren Nähe von Geschäften, Dienstleistern und Gastronomie trügen laut ADFC zur verstärkten Nutzung des Fahrrads bei, so die Stadtverwaltung. Dabei will die Stadt weg von den klassischen Vorderradhalten, so genannte „Felgenkillern“, um für sämtliche Fahrradtypen eine sichere und komfortable Abstellmöglichkeit zu bieten. Die Höhe der Förderung beträgt ebenfalls 150 Euro pro Abstellanlage für mindestens drei Fahrräder. Im Haushalt für 2022 sind dafür insgesamt 2.000 Euro eingeplant. Auch hier gilt das „Windhundprinzip“.

Fernwärme und Energieberatung

Weiterhin Teil des Umweltförderprogramms ist die kostenlose Energieberatung der eza!, dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu, die an jedem ersten und dritten Donnerstagnachmittag im Monat im Rathaus stattfindet.

Gefördert wird außerdem – wie schon die Jahre zuvor – der Anschluss und die Abnahmenutzung am vorhandenen Wärmenetz der Fernwärme-Marktoberdorf GmbH. Die Höhe der Förderung beträgt 500 Euro pauschal beim Abschluss eines Abnahmevertrags. Dafür sind im Jahreshaushalt insgesamt 5.000 Euro eingerechnet.

Der Umweltbeauftragte der Stadt, Christian Vavra, befürwortete die Neuaufstellung des Förderprogramms und betonte mit Blick auf die PV-Balkonmodule, dass diese von Jedermann, auch dem „kleinen Mann“ umsetzbar seien. So könne sich jeder ein Stück Unabhängigkeit vom großen Versorger schaffen. Auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell sagte: „Viele kleine Kraftwerke ergeben in der Summe eine große Menge Strom.“

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