Soziale und wirtschaftliche Ziele vereinen

Marktoberdorf will Erhalt und Schaffung bezahlbaren Wohnraums abgeben

Haus Marktoberdorf
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Altbestand an der Füssener-/Lächlerstraße: Die Wohnungen sollen teilweise modernisiert und teilweise neu errichtet werden.

Marktoberdorf – In einem einstimmigen Beschluss hat sich der Marktoberdorfer Stadtrat am vergangenen Montag dafür ausgesprochen, eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft zu gründen. Ziel ist es, den kommunalen Wohnungsbau, der die weitere Schaffung erschwinglichen Wohnraumes ermöglichen soll, aus dem städtischen Haushalt auszugliedern und dafür ein Unternehmen zu gründen, dem die Geschäftsbesorgung obliegt und das sich mittel- und langfristig finanziell selbst tragen kann. Das für die Gründung notwendige Eigenkapital der hundertprozentigen Tochtergesellschaft soll durch den Verkauf von 50 Prozent der Teilflächen des Markt­oberdorfer Krankenhausareals aufgebracht werden.

Gearbeitet werden soll zunächst an der Entwicklung eines Kooperationsmodells, das sich einerseits auf die Kommune selbst, andererseits auf die Wohnungsbaugenossenschaft Markt­oberdorf und auf die Bau- und Siedlungsgenossenschaft Allgäu stützt. Damit einhergehen wird die Ausarbeitung eines Gesellschaftsvertrages sowie eines Einbringungsvertrags in Verbindung mit der Bewertung stadteigener Wohneinheiten. Zu letzterer habe es im März bereits ein Fachgespräch mit der Allgäuer Bau- und Siedlungsgenossenschaft und dem Verband bayerischer Wohnungsunternehmen gegeben, berichtete Markt­oberdorfs Erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (CSU) in der Stadtratssitzung.

Reger Zuzug

Mit der Gründung der Gesellschaft könnten laut Hell soziale wie wirtschaftliche Ziele beim Wohnungsbau gleichermaßen erreicht werden. Seit 2014 steige das Bevölkerungswachstum stetig an, erklärte Hell und zitierte in diesem Zusammenhang Bevölkerungszahlen vom Bayerischen Landesamt für Statistik, denen zufolge es seit 2014 einen Bevölkerungszuwachs von über 700 Einwohnern mit Hauptwohnsitz in Marktoberdorf gegeben habe. Der Trend sei weiter anhaltend. Die aktuellen Entwicklungen im Wohnungsbau mit 448 genehmigten Wohneinheiten (davon 126 Einfamilienhäuser) bezeichnete Hell als „erfreulich“.

Um die Natur und landwirtschaftliche Flächen zu schonen, habe man in den letzten Jahren auch durch Nachverdichtungen, Ersatzbauten in der Kernstadt sowie durch den Ausbau von Bestandsimmobilien eine erfolgreiche Innen­entwicklung in Gang gesetzt. Dennoch werde der Nachfrageüberhang in der Gegend weiter bestehen und sich vermutlich sogar verschärfen. Als Gründe dafür benannte Hell das bayerische Nord-Süd-Gefälle bei der Wohnungsnachfrage und die damit verbundene Binnenwanderung sowie auch den regen Zuzug aus dem Ausland.

Um weiterhin erschwingliche Wohnungen auch für untere Einkommensgruppen zu schaffen und zu erhalten, wolle man unter anderem das Areal des Altbestandes an der Füssener- und der Lächlerstraße neu gestalten und nachverdichten. Hier sollen 27 Wohnungen energetisch auf den KfW-55-Standard modernisiert und 40 Wohneinheiten abgerissen und dann neu errichtet werden. In seinem Vortrag bezifferte der Vorstand der Bau- und Siedlungsgenossenschaft Allgäu Ralf Kehrer die Sanierungskosten der 27 Wohneinheiten auf 3,5 Millionen Euro und den Neubau von vorerst einmal 30 Wohnungen auf sechs Millionen Euro. Diese Summe verteile sich auf 20 Prozent Eigenkapital, 45 Prozent öffentliche Mittel, Kapitalmarktdarlehen von anteilig 25 Prozent sowie einen Zuschuss von zehn Prozent aus einkommensorientierter Förderung.

Die zentrale Frage „Rechnet sich das?” stellte der Vorstand vom Verband der bayerischen Wohnungsunternehmen, Hans Maier, selbst in den Raum und beantwortete sie gleichzeitig mit einem Ja. Insgesamt zehn Berechnungsverfahren seien zur Überprüfung der Rentabilität herangezogen worden. Das vorliegende Modell sei nicht nur konsensfähig, sondern auch ohne große Risiken realisierbar.

Der Sprecher der Fraktion der Grünen, Georg Martin, äußerte den Wunsch, dass die Schaffung von insgesamt 67 Wohnungen in den Grundsatzbeschluss als Mindestforderung mit aufgenommen werden sollte. Dem widersprach Markt­oberdorfs Zweiter Bürgermeister Wolfgang Hannig (SPD) förmlich, denn er wolle die Zukunft nicht mit Details festzementieren, die zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht gar nicht mehr erwünscht sein würden. Auf diesen Widerspruch hin musste Martins Wunsch als Antrag behandelt werden. Er wurde mit 14:11 Stimmen abgelehnt. Bürgermeister Hell versicherte in diesem Zusammenhang jedoch, dass die Schaffung von mindestens 67 Wohneinheiten im jedem Falle durch die Nachverdichtung automatisch garantiert werden könne.

Felix Gattinger

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