Die Weichen gestellt

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Schließen oder eine Unterführung bauen? So wird dieser Bahnübergang am Schulzentrum nicht länger Bestand haben. Die Bahn drängt auf seinen Rückbau.

Marktoberdorf – Zwischen dem Marktoberdorfer Bahnhof und dem südlichen Stadtrand bis Fechsen gibt es mindestens acht unterschiedlich ausgeführte Bahnübergange (BÜ). Um fünf dieser Übergänge wurde im Stadtentwicklungsausschuss heftig gerungen. Schließen, ausbauen, verlegen? Eine Neuordnung der Bahnübergänge war nötig geworden, weil einerseits die Deutsche Bahn auf den Rückbau drängt und andererseits Anwohner sich am Pfeifsignal und am Schwerlastverkehr störten.

BÜ Iglauer Straße

Über Tauschgeschäft uneins

Was passiert mit dem Bahnübergang an der Iglauer Straße zwischen Schulzentrum und Fristo-Getränkemarkt? Darüber herrschte im Verkehrsausschuss der Stadt geteilte Meinung. Täglich passieren ihn vor allem Schüler auf dem Weg in ihre Klassen sowie mittags in Richtung eines bestimmten amerikanischen Schnellrestaurants. Deutlich wurde allerdings, dass die unbeschrankte und quasi ungesicherte Fußgängerquerung über die Bahnlinie von Marktoberdorf Richtung Füssen so nicht weiter Bestand haben wird.

Denn diese höhengleiche Querung, wie es im Jargon der Deutschen Bahn (DB) heißt, war im Jahr 2002 nur als Provisorium eingerichtet worden, mit der Auflage an die Stadt, bis 2007 für eine Über- oder Unterführung an gleicher Stelle zu sorgen (wir berichteten). Das ist nicht geschehen, und so möchte die Bahn den Übergang schließen und zurückbauen – am liebsten sofort. „Eine weitere Aufrechterhaltung der Anlage schließt die Deutsche Bahn aus“, machte Dietmar Schieder von der DB Netz, Abteilung Steuerung und Planung im Ausschuss deutlich. Auch eine technische Sicherung des Bahnübergang lehnte der Netzbetreiber ab. Die Bahnüberquerung dürfe nur bestehen bleiben, wenn die Stadt eine sichere Unter- oder Überführung baue. Erste Kostenschätzungen von mehr als einer Million Euro liegen dafür bereits vor. Diese hätte die Stadt aber allein zu tragen, würde sie mit der Bahn nicht einen Kompromiss eingehen: Wenn die Stadt nämlich gleichzeitig zum Bau einer Unterführung an der Iglauer Straße einen benachbarten Bahnübergang schließe, würden Deutsche Bahn und der Bund je ein Drittel der Kosten übernehmen. Die Stadt schlug deshalb vor, den beschrankten Bahnübergang am Zugspitzweg, rund 500 Meter weiter südwestlich, zu schließen. Dieser verbindet die Rad- und Fußwege entlang der Bahnlinie mit dem Gebiet „Hoferfeld“ und schafft die Verbindung zu einem landwirtschaftlichen Anwesen. Für Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell erschien dieses Paket als ein durchaus gangbarer Weg. Er denke dabei vor allem an die Sicherheit der Schüler, die den Bahnübergang am Schulzentrum benutzen. „Wo es wirtschaftlich und städteplanerisch sinnvoll ist, sollten wir trotz Sparzwang investieren“, plädierte Hell.

Im Tauschgeschäft mit der Bahn wird dieser Bahnübergang am Zugspitzweg womöglich geschlossen.

Eine Entscheidung, die es in sich hatte, wie sich in der Zusammenfassung zeigt: Der Bahnübergang Iglauer Straße kann als Unterführung nur dann erhalten und wirtschaftlich ausgebaut werden, wenn dafür ein zweiter, nämlich derjenige an der Zugspitzstraße „geopfert“ werde. Carl Singer (Freie Wähler) nannte es ein schlechtes Tauschgeschäft, eine „Kröte“, die es zu schlucken gelte. Auch Meinrad Seelos (Stadtteile aktiv) hielt nichts davon, einen gesicherten und für Autos und Fußgänger eingerichteten Übergang gegen eine teure Unterführung zu tauschen. Eduard Gapp (CSU) hielt dagegen, dass den Bahnübergang beim Schulzentrum mehr Menschen regelmäßig nutzten als den an der Zugspitzstraße. Christian Vavra (Grüne) sah mit der Schließung der Fußgängerquerung das nächste Sicherheitsproblem vorprogrammiert, wenn Schüler auf ihrem gewohnten Weg die Bahnlinie eben „egal wo“ kreuzen wollten. Auch Peter Fendt (Bayernpartei) mahnte im Falle einer Schließung einen entsprechenden Sicherheitszaun an. Lange verhandelte der Ausschuss und gab letztendlich die Entscheidung in einer Art Patt-Situation (6:6 Stimmen, wobei ein Unentschieden als Ablehnung gilt) an den Stadtrat weiter.

BÜ Schweinberg

Eine Lösung für den Langweg

Langfristig werden am Langweg wohl keine LKWs mehr rollen. Sie sollen über den wieder in Betrieb genommenen Bahnübergang weiter südlich die Kiesgrube bei Thalhofen anfahren.

Sichtlich leichter fiel den Stadträten die Entscheidung, wie die Bahnübergänge südlich von Thalhofen geordnet werden könnten. Einstimmig fassten sie den Empfehlungsbeschluss, den unbeschrankten Bahnübergang Schweinberg zu verlegen (zu schließen) und den dafür bisher geschlossenen Bahnübergang bei Kilometer 2,025 neu zu nutzen. Dieser soll vor allem dem Schwerlastverkehr auf dem Weg zur Kiesgrube als Ersatzweg dienen und damit die Anwohner des Langwegs entlasten, wo bisher regelmäßig die LKWs über die Bahngleise rollten. Um allerdings auch hier in den Genuss der Zuschüsse von Bund und Bahn zu kommen, muss zusätzlich ein weiterer Bahnübergang bei Fechsen geschlossen werden. Am Thema Bahnübergänge hinge eben auch das Thema Wohnqualität, führte Bürgermeister Hell aus. Gerade aus dem Langweg hatte es in den letzten Wochen vermehrt Proteste gehagelt: die Lastwägen machten Lärm und Dreck und gefährdeten Radfahrer, Fußgänger und spielende Kinder. Viele Anwohner waren daher auch unter den Zuhörern im Rathaussaal am vergangenen Montag. Sie hörten es wohl mit Genugtuung, dass sich langfristig eine Lösung für den Langweg abzeichnet.

von Angelika Hirschberg

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