Artenschutz statt Windräder

Absolute Windstille

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So wie dieses Windrad sich in der Nähe von Bernbach/Bidingen dreht, wird es auf Marktoberdorfer Flur auf lange Sicht keines geben.

Marktoberdorf – Mit wenig Aufhebens verschwindet nun ein Thema von der Agenda der Stadt, das ganze Stürme der Entrüstung verursacht hat, Bürger auf- und Stadträte ins Schwitzen brachte: die Ausweisung von Flächen zum Bau von Windkraftanlagen ist neuerdings vom Tisch.

Auf lange Sicht wird es keine Windräder – weder vereinzelt, noch gebündelt in sogenannten Konzentrationsräumen – auf Marktoberdorfer Stadtgebiet geben. Der Artenschutz hat nun zuletzt der Windkraft den Garaus gemacht. 

Doch nicht nur das Vorkommen zahlreicher geschützter Vogelarten wie Schwarzstorch oder Rotmilan in den fraglichen Gebieten mache es der Stadt unmöglich, Zonen für Windkraft auszuweisen, wie der von der Stadt beauftragte Rechtsexperte Dr. Frank Sommer erklärte. 

Auch und vor allem die gesetzliche Vorgabe, den Abstand zur nächsten Wohnbebauung auf das Zehnfache der Höhe des Windrads (10H-Regelung) anzusetzen, schließe bereits einen Großteil des Stadtgebiets aus den Planungen aus. Kombiniere man nun beide rechtlichen Vorgaben, bleibe in Marktoberdorf kein realer Raum für Windkraft. 

Der Stadtrat beschloss daher in seiner letzten Sitzung einstimmig, das Planungsverfahren einzustellen. 

Viele seltene Vögel 

Zuvor hatte Biologe Rudolf Zahner vom Planungsbüro Sieber die Ergebnisse seiner artenschutzrechtlichen Untersuchung erläutert. 

Demnach habe er mithilfe von Jägern und Landwirten zahlreiche bisher unbekannte Brutplätze von Schwarzstorch und Milan an den verschiedenen Stadträndern im Norden und Süden ausfindig gemacht. „Das ist sensationell“, sagte der Experte. Die Dichte an seltenen Vögeln sei überdurchschnittlich hoch, begünstigt durch das Landschaftsbild und die Art der landwirtschaftlichen Nutzung. 

Gut für den Artenschutz, schlecht für die Windkraft. „Es bleibt nichts mehr übrig, was der Windkraft substantiell Raum gäbe“, schließt Rechtsanwalt Sommer. Dies gelte auch, sollte ein Vogelpaar seinen Brutplatz einmal verlegen. Grundsätzlich sei allerdings eher mit einem Bestandszuwachs zu rechnen, so der Biologe. 

Die Meinungen im Stadtrat waren zweigeteilt ob dieses nun unzweifelhaften Ausgangs des Verfahrens. Wolfgang Schuster (Bayernpartei) äußerte sich zufrieden, er habe mit den Windrädern nie etwas anzufangen gewusst. Grünen-Stadtrat Christian Vavra zeigte sich jedoch enttäuscht, dass die Stadt nicht auf grüne Energie aus Windkraft setzen könne. Außerdem habe das Planungsverfahren nach seinen Angaben mehr als 200.000 Euro, „für Nichts und wieder Nichts“ verschlungen. 

Eduard Gapp (CSU) schloss die Debatte schließlich mit den Worten: „Wir sind mit einem anderen Ziel angetreten. Dafür leisten wir jetzt einen Beitrag für den Artenschutz.“

von Angelika Hirschberg

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