1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kaufbeuren

»Teil unserer Kulturlandlandschaft«

Erstellt:

Von: Michael Dürr

Kommentare

Franziska Singer  und Franz Schröck von der Marktoberdorfer Atelier Werkstatt mit Modell Stall
Franziska Singer von der Marktoberdorfer Atelier Werkstatt und Franz Schröck vom Architekturforum Allgäu mit einem der 23 Exponate, die bei der Ausstellung im Birkenweg noch bis zum 27. März zu sehen sind. © Dürr

Marktoberdorf – Ställe gehören im Allgäu zum Landschaftsbild wie die Kühe auf der Weide. Sie sind mehr oder weniger ansprechend gebaut, meist werden sie kaum beachtet. Dass es aber auch anders geht, dass ein gelungener Stall sogar beste Werbung für die heimische Landwirtschaft sein kann, das will eine Ausstellung zeigen, die in der Marktoberdorfer Atelier Werkstatt noch bis zum 27. März zu sehen ist.

ass Stallbauten in erster Linie dem Tierwohl dienen und damit Grundlage für die Produktion hochwertiger Lebensmittel sein sollen, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Für Diskussionen sorgt also eher das „Wie“: Wie integriere ich einen Stall harmonisch in die Landschaft, wie gestalte ich ihn möglichst ansprechend?

Genau diese Aspekte will die Ausstellung allen Landwirten (und nicht nur ihnen) näher bringen. Deshalb trägt sie auch den Titel: „Stallbauten. Teil unserer Kulturlandschaft.“ Veranstaltet wird die Wanderausstellung vom Holzforum Allgäu und dem Architekturforum Allgäu. Zu sehen sind in der Halle im Birkenweg 13 acht Modelle von Vorzeigeställen, die im Allgäu stehen, zwei aus Oberbayern, vier aus Vorarl­berg in Österreich und drei aus der Schweiz.

Die Exponate werden auf Schautafeln detailliert beschrieben – einschließlich der Kosten, die locker im sechsstelligen Bereich liegen, nicht selten sogar die Millionengrenze überschreiten. Dass eine derartig große Investition sorgfältig überlegt und geplant sein will, liegt auf der Hand.

Angereichert wird die Ausstellung durch sechs Arbeiten von Studenten der TU München mit ihren ausgezeichneten Beiträgen zum bundesweiten Wettbewerb „Stall der Zukunft“. In der Ausstellung, die jeweils samstags und sonntags zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet ist, liegt übrigens eine kostenfreie, hochwertig gedruckte Dokumentation mit allen präsentierten Ställen aus. Den Machern geht es nach den Worten von Franz Schröck vom Architekturforum Allgäu darum, die Besucher im Allgemeinen und die Landwirte im Besonderen für das Thema Stallbau zu sensibilisieren. Und Letzteren auch die Angst zu nehmen, sich vom Fertigbau von der Stange mit seinen unschönen Sandwichpaneelen zu lösen und sich dem – vermeintlich – teureren, individuell vom Architekten geplanten Stall zuzuwenden. „Das muss nicht teurer sein als ein Fertigbau“, versicherte Schröck vor den rund 35 Gästen der Ausstellungseröffnung. So seien die Ställe in Vorarlberg und in der Schweiz samt und sonders von Architekten geplant.

In erster Linie gelte es, natürliche und nachhaltige Materialien zu verwenden: „Bei uns ist doch das Holz reichlich vorhanden und als Baumaterial unschlagbar!“ Ställe sollten sich „sensibel in die Kulturlandschaft einfügen“ und sie letztlich sogar bereichern. „Schöne Ställe“, so Schröck, „können die beste Werbung für unsere Landwirtschaft sein.“

Eröffnet wurde die Ausstellung am Freitagabend von Landrätin Maria Rita Zinnecker, die sich ausdrücklich bei den Machern rund um Franziska Singer und ihren Geschwistern Julia und Karl bedankte. Das Thema Stallbau sei eines für die gesamte Gesellschaft, betonte sie. Gleichzeitig bescheinigte sie den heimischen Bauern, „inzwischen sehr offen für Gestaltungsfragen“ ihrer Bauten zu sein.

Zu den regulären Öffnungszeiten der Ausstellung an Samstagen und Sonntagen gesellt sich ein zusätzlicher Termin an diesem Freitag, 18. März: An diesem Abend gibt es ab 19 Uhr einen Vortrag zum Thema „Revolution im Stall. Landwirtschaftliche Tierhaltung in Deutschland, 1945 bis 1990“. Dabei spricht Dr. Veronika Settele, Historikerin von der Universität Bremen. Der Eintritt zu der Ausstellung und zu dem Vortragsabend ist übrigens frei.

Auch interessant

Kommentare