"Rausholen, was machbar ist"

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Neue Gesichter in der Vorstandschaft der Freiwilligen Feuerwehr Marktoberdorf. Zum ersten Mal ist auch eine Frau Mitglied des Vorstands. Die junge Feuerwehrkameradin Elisa Bader wurde zur ersten Beisitzerin gewählt. Als erster Vorsitzender wird künftig Johannes Schmid die Geschicke des Vereins lenken. Er folgt Robert Eggensberger nach, der nach 13 Jahren Vorsitz nicht mehr für eine neue Amtszeit zur Verfügung stehen wollte. Auch der zweite Vorsitzende ist neu: Die Vereinsmitglieder wählten Siegfried Reichart in dieses Amt. Schriftführer Robert Kauter und Kassier Michael Wachter stellten sich hingegen erneut zur Wahl und wurden mit großer Mehrheit bestätigt. Als zweiter Beisitzer rückte zudem Gerhard Forster in den Vorstand auf. Die alte und neue Vorstandschaft von links nach rechts: Gerhard Forster (Beisitzer), Johannes Schmid (erster Vorsitzender), Siegfried Reichart (2. Vorsitzender), Kassier Michael Wachter, Schriftführer Robert Kauter, Elisa Bader (Beisitzerin), Feuerwehrkommandant Rasso Rehle, der scheidende Vorsitzende Robert Eggensberger, Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, Markus Jüngling (bisheriger Beisitzer) und Bastian Northemann (stv. Kommandant).

Marktoberdorf – Keine Großbrände, dafür mehrere belastende Bergungen nach schweren Unfällen verzeichnete die Freiwillige Feuerwehr für das Einsatzjahr 2016. „Insgesamt haben wir bei allen Einsätzen rausgeholt, was machbar war“, sagte Feuerwehrkommandant Rasso Rehle anlässlich der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Burger vergangene Woche. Etwas weniger Einsätze (91) als noch im Jahr 2015 (144) zählte Rehle insgesamt für die Stützpunktfeuerwehr Marktoberdorf. „Jedoch waren darunter sehr belastende Bergungen.“ In sieben Fällen, in denen die Feuerwehr zu Verkehrsunfällen gerufen wurde, kam für die Verunglückten jede Hilfe zu spät.

Am 8. Oktober 2016 waren auf der B12 bei Geisenried zwei Fahrzeuge kollidiert und ausgebrannt. Die Einsatzkräfte aus Marktoberdorf und den umliegenden Feuerwehren konnten drei Fahrzeuginsassen nur noch tot bergen. „Das war ein sehr heftiger Einsatz“, resümierte der Kommandant. So heftig, das sich hernach auch ein Kriseninterventionsteam der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) um die Feuerwehrmänner und -frauen kümmerte. „Wir haben zum ersten Mal die PSNV angefordert“, sagte Rehle in gewohnt knappen Worten. „Und das war gut so.“

Insgesamt war die Feuerwehr 13 Mal zu Verkehrsunfällen ausgerückt. Im Jahr 2015 waren es lediglich sechs technische Hilfeleistungen nach Unfällen gewesen. Zu den insgesamt 91 alarmierten Einsätzen im Jahr 2016 gehörten vier Mittel- und vier Kleinbrände, sieben technische Hilfeleistungen (Ölspuren etc.), elf Drehleitereinsätze, elf Türöffnungen, 25 Alarme von Brandmeldeanlagen ohne echten Brand und fünf Täuschungsalarme. Kein einziger Alarm erreichte die Feuerwehr 2016 wegen Unwetterschäden. Das war 2015 anders gewesen, als sie 44 Mal bei Unwetterschäden Hilfe leisten musste.

Die stärksten Monate waren demnach September und Oktober 2016 mit jeweils elf Einsätzen gewesen. „Mehrfach mussten wir auch zwei Mal am Tag ausrücken, an zwei Tagen sogar drei Mal,“ schloss Rehle. 2017 sei die Feuerwehr in Marktoberdorf bis März bereits 27 Mal alarmiert worden, mehr als doppelt so oft wie noch im selben Zeitraum des Jahrs zuvor.

Hinzu kamen die Sicherheitswachen und Absperrungen, die die Feuerwehrler 2016 leisteten – im Modeon, beim Gaudiwurm, Toy Run oder diversen Martinsumzügen. Damit summiert sich die Arbeit der Stützpunktwehr auf 137 Einsätze mit über 2000 Einsatzstunden. In diesem Zusammenhang mahnte Feuerwehrkommandant Rehle auch die Veranstalter des diesjährigen Staffel-Mix-Marathons an, die Verhältnismäßigkeit der Veranstaltung im Auge zu behalten. „Wir betreiben beim Staffel-Mix-Marathon einen immensen Aufwand“, sagte er. Elf Feuerwehren mit 235 Mann, Rettungsdienst, Polizei und drei Straßenmeistereien seien im Einsatz, um den Ablauf der Veranstaltung zu ermöglichen. „Wir fühlen uns verpflichtet, unseren Beitrag zum kulturellen und sportlichen Leben der Stadt zu leisten. Aber wir bitten um Verständnis, dass unser zusätzliches Engagement und die zeitliche Belastbarkeit der Kameraden ihre Grenzen hat“, sagte Rehle auch in Richtung von Bürgermeister und Stadtverwaltung.

Außerdem drängte der Feuerwehrkommandant auf eine Aufstockung der personellen Struktur im Feuerwehrhaus. Der Aufwand für Wartung, Prüfung, Beschaffung und Verwaltung der Geräte und Fahrzeuge steige ständig, so Rehle. Ein uneingeschränkter Einsatz und Übungsbetrieb sei nur durch eine große Anzahl an Überstunden des hauptamtlichen Gerätewarts Bastian Northemann möglich gewesen. „Trotz angespannter Haushaltslage müssen wir daher auf eine kurzfristige Personalverstärkung drängen“, kündigte Rasso Rehle an.

Für die Freiwillige Feuerwehr in der Kreisstadt engagieren sich insgesamt 105 aktive Mitglieder, darunter auch elf Frauen. Mit 15 Jugendlichen ist auch die Jugendfeuerwehr gut aufgestellt. „Mit einer solch engagierten Jugend können wir getrost in die Zukunft blicken“, freute sich der Feuerwehrkommandant. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell dankte allen Feuerwehrlern für ihr Engagement um das Gemeinwohl und die Sicherheit in der Stadt. Er bekannte sich trotz des anhaltenden Drucks zum Sparen zur Feuerwehr und nannte als Beispiel verschiedene Einsatzfahrzeuge, die noch 2017 angeschafft würden, sowie die Jugendförderung durch die Stadt.

von Angelika Hirschberg

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