"Einmal Rehragout, bitte!"

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Alois Altmann und Mitarbeiterinnen der Caritas kredenzten im Pfarrheim St. Martin Rehragout mit Kartoffelpüree und Blaukraut.

Marktoberdorf – Die Jägervereinigung Marktoberdorf spendiert Essen für 60 Personen an die "Tafel" der Caritas. Sehr zur Freude des Gäste stand heuer Rehragout auf dem Speiseplan.

Zum Weihnachtsfest gehören die Schlemmereien genauso dazu wie Geschenke und Christbaum. Doch wie so oft ist es auch hier in erster Linie eine Frage des Geldes, ob und welche Leckereien das kalte Wetter und das Warten aufs Weihnachtsfest angenehmer machen. Die Jägervereinigung Marktoberdorf e. V. hat sich deshalb in diesem Jahr entschieden, Bedürftige in und um Marktoberdorf zu einem klassischen Wild-Essen einzuladen – natürlich inklusive Getränke sowie Kartoffelpüree und Blaukraut. Rund 50 Personen nahmen die Einladung gerne an.Tellerklappern, dampfende Kessel und gespannte Gesichter bei den Organisatoren der Jägervereinigung gab es kürzlich im Pfarrheim St. Martin. 60 Personen hatten sich bereits einige Zeit zuvor zum Wildessen angemeldet, die Gästeliste setzte sich zusammen aus Einzelpersonen und Familien, die sonst auf dem Pfarrgelände das „Tafel“-Angebot der Caritas in Anspruch nehmen. Während die Vorbereitungen für das Essen laufen, die Tische gedeckt und die Speisen hereingetragen werden, erklärt Alois Altmann, 1. Vorsitzender der Jägervereinigung Marktoberdorf, wie man auf die Idee mit dem Wildessen gekommen ist. Es gehe hierbei nicht um Nachhaltigkeit oder den Beginn einer regelmäßigen Unterstützung der Bedürftigen, sondern, so Altmann: „Wild ist etwas so leckeres – da wollten wir den Menschen, die sich so etwas nicht leisten können, einfach einmal eine richtige Freude machen“. Denn heimisches Wild, so der Vorsitzende weiter, sei eine ganz besondere Delikatesse: „Unsere heimischen Rehe und Böcke leben ohne den Stress einer Massentierhaltung, sie wählen sich nur die besten Kräuter zum fressen aus. Und wir Jäger geben das Wildfleisch so weiter, wie wir es selbst gerne haben. Bei kaum einem anderen Fleisch ist die Herkunft so lückenlos nachvollziehbar“. Und Paula Wölfle vom Bayerischen Jägerinnenforum Schwaben, fügt hinzu: „Wir freuen uns einfach, den Menschen zu zeigen, wie gut unser Wild schmeckt“.
Auf der Speisekarte im Pfarrheim St. Martin stand diesmal Rehragout mit selbstgemachtem Kartoffelpüree und Blaukraut. Gekocht hatte Eugen Frank, selbst von Beruf Küchenchef und Mitglied der Jägervereinigung, mit Hilfe einiger Kollegen. Allerdings ohne den sonst für Wildgerichte so beliebten Rotwein, denn dieser könnte für einzelne Gäste, die unter einer Alkoholkrankheit leiden, zum Problem werden.
„Das Essen heute ist natürlich etwas besonders Feines“
Als von den 60 eingeplanten Personen kurz nach 13 Uhr rund 50 erschienen sind, darunter auch viele Familien mit kleinen Kindern, werden von den Jägern stilecht die Jagdhörner geblasen und die Schlemmerei ist eröffnet. Die durchweg alkoholfreien Getränke hat das Allgäuer Brauhaus gespendet. Alois Altmann, Eugen Frank und Mitarbeiterinnen der Caritas füllen Teller um Teller, den Gästen wie auch den Spendern ist die Freude über das gute Essen und die gelungene Aktion anzusehen. Franz Gast, Geschäftsführer der Caritas im Ostallgäu, überbringt Altmann ein „herzliches vergelt's Gott“ und betont: „Wir freuen uns über jede Spende, die wir für die Tafel bekommen, aber das Essen heute ist natürlich etwas besonders Feines“. Und während die Gäste, aber auch die Jäger selbst über dem Rehragout sitzen, ist Zeit, um über das Geheimnis des „perfekten Wildgerichts“ zu sinnieren. Und hat das Ragout am Ende das gehalten, was der Duft im Vorfeld versprochen hat? „Absolut“, sind sich alle befragten Gäste einig. Eine junge Frau betont, sie habe „zuvor noch nie Wild gegessen, aber es hat sehr lecker geschmeckt“, einige Kinder holen sich noch einen Nachschlag. Und ein Mann fühlt sich sogar an seine Kindheit erinnert: „Mein Onkel war Jäger, und das Essen heute hat mich wieder an die fröhliche Zeit der Jugend erinnert“ – neben dem leckeren Essen vielleicht das schönste Geschenk.
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