Andacht statt Festakt

Marktoberdorfer Johanneskirche legt Grundstein für Gemeindezentrum

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Pfarrer Klaus Dinkel (li.) beim Versenken der Kartusche mit Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (re.) und Dekan Jörg Dittmar.

Marktoberdorf – Bei „halbseidenem Wetter“, wie Gemeinde­pfarrer Klaus Dinkel es nannte, kam es vergangenen Samstag zur Grundsteinlegung des neuen Gemeindezentrums für die evangelische Johanneskirche in der Bahnhofstraße.

Da die neuen Bedingungen für Veranstaltungen mit mehr als zehn Personen erst ab Montag gelten sollten, fand die Grundsteinlegung nicht als öffentlicher Akt, sondern als Andacht in der Gemeinde statt, bei der natürlich der gebotene Mindestabstand eingehalten wurde. Die Form der Andacht sei durchaus passend, erklärte Pfarrer Dinkel, denn das zukünftige Gemeindezentrum werde ja auch ein kirchlicher Raum sein.

Trotz des klein gehaltenen Rahmens war auch der Kemptener Dekan Jörg Dittmar gekommen. Der Dekan eröffnete sein Grußwort mit dem Paulus-Zitat „Wir sind Gottes Mitarbeiter, Gottes Ackerfeld und Gottes Bau“ und lobte das Spendenverhalten der Gläubigen bei diesem, wie er es nannte, „Gemeindeaufbauprojekt“. Grundsteinlegungen seien für ihn stets etwas Besonderes, so Dittmar weiter, denn da habe man noch einen konkreten Blick auf die Fundamente, auf „das, was uns trägt“. 

Bei Krisenbewältigung hilfreich

Weiterhin ließ der Dekan durchblicken, dass das Projekt gerade noch rechtzeitig in Angriff genommen worden sei. Angesichts der zu erwartenden Ausfälle der kirchlichen und öffentlichen Einnahmen in Folge der Coronakrise wäre das Bauprojekt zu einem späteren Zeitpunkt nicht zustande gekommen. Kirchliche Gemeinden könnten gerade heute bei der psychischen Krisenbewältigung hilfreich sein, so Dittmar. „Wir werden in der Krise gebraucht und wir werden nach der Krise gebraucht“, unterstrich der Dekan und kritisierte vor diesem Hintergrund auch den weiter andauernden Ausfall des Religionsunterrichts an Schulen zugunsten der Kernfächer.

„Kinderlärm und Baulärm, das ist jeweils Zukunftsmusik“

Ebenfalls geladen war Markt­oberdorfs Erster Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, der sich als direkter Nachbar der Gemeinde durch den Baulärm vor seiner Haustür offenkundig in keinster Weise belästigt fühlte, denn, so scherzte Hell: „Kinderlärm und Baulärm, das ist jeweils Zukunftsmusik“. Ferner unterstrich der Bürgermeister die Wichtigkeit des neuen Gemeindezentrums und bezeichnete dieses als Ort der Gemeinschaft und ruhenden Pol, an einer vielbefahrenen Straße. Er wünschte dem Projekt weiterhin gutes Gelingen und überreichte eine Flasche fair gehandelten „Messwein“ als Symbol für einen fairen Umgang mit der Welt.

Anlässlich des kleinen Festaktes gab der Kirchenvorstand Hans Heinle einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Gemeinde. Vor 66 Jahren sei hier der erste Grundstein gelegt worden. Heinle betonte in der Anfangszeit der Gemeinde besonders das Engagement der Kriegsvertriebenen, für die der Gemeindeaufbau damals nicht nur ein Neubeginn gewesen war, sondern ihnen auch geholfen habe, den erlittenen Heimatverlust positiv zu verarbeiten. Der Bau des heutigen Gemeindehauses sei für Heinle der Übergang vom geistigen zum weltlichen Leben.

Der Höhepunkt

Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete die Grundsteinlegung, bei der Pastor Dinkel mit der Unterstützung des Dekans Dittmar und des Bürgermeisters Dr. Hell eine Kupferkartusche in einen bereits bestehenden Lüftungsschacht des alten Gebäudes versenkte. Neben den bei Grundsteinlegungen üblichen Beigaben wie Münzen, einer aktuellen Tageszeitung und der Grundsteinurkunde legten die drei Akteure auch noch besondere Gegenstände in die Kapsel: eine „Corona-Maske“, eine Beschreibung des Bauprojektes und seiner Intention sowie einen eigens verpackten kleinen Gegenstand in dem sich laut Pfarrer Dinkel „ein Geheimnis“ befand. Darüber werde man später eine Gedenkplatte mit entsprechender Gravur setzen, und zwar im Durchgang vom Foyer zum neuen Pfarrbüro.

Am Ende der Andacht fügte Pfarrer Dinkel seinem kirchlichen Segen noch den „weltlichen Segen in Coronazeiten” hinzu: „Bleibts gsund!“ Anschließend feierte man im kleinen Kreis bei Butterbrezen und einer Erfrischung. Die Einweihung des Gebäudes ist für den Monat Dezember geplant.

Felix Gattinger

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