Zuschuss an Kirche: Ein Politikum in Marktoberdorf

Stadtrats-Mehrheit lehnt Unterstützung für Kirche St. Magnus ab

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St. Magnus im Marktoberdorfer Norden mit Pfarrheim (links) und Kirche. Die Elektrotechnik an und in beiden Gebäuden muss neu installiert werden. Doch ein Zuschuss der Stadt dafür bleibt laut aktuellem Beschluss aus.

Marktoberdorf – Im hell erleuchteten Rathaussaal fiel in Marktoberdorf mit 13 zu acht Stimmen dieser Beschluss: Die Stadt verzichtet auf einen finanziellen Beitrag dafür, dass die Kirchenstiftung St. Magnus nicht im Dunkeln steht. Dort ist eine Erneuerung der 50 Jahre alten Elektrik im Pfarrheim und in der Kirche eine bessere Beschallung, aber auch eine andere Beleuchtung erforderlich. Die Entscheidung ist schon jetzt ein Politikum. „Enttäuschend“ fand Kirchenpfleger Johannes Singer den mehrheitlichen Beschluss im Stadtrat.

Denn in der Sitzung des Finanz­ausschusses, der Anfang April tagte, lehnte eine knappe Mehrheit mit sieben zu sechs Stimmen den Vorstoß von CSU-Stadtrat Thorsten Krebs ab, im Sinne von Einsparungen auf den Zuschuss zu verzichten. Eine Woche später dann die Kehrtwende. Krebs stellte erneut den Antrag, keine finanzielle Unterstützung für diese technischen Maßnahmen in der Pfarrei St. Magnus zu gewähren. Und diesmal hatte er – quer durch die Fraktionen – eine Mehrheit hinter sich gebracht.

Kämmerer Wolfgang Guggenmos muss also den Betrag von 31.000 Euro aus dem Vermögenshaushalt wieder herausnehmen. Nach der Entscheidung grantelte er in einer Sitzungspause vor einigen Stadträten; Guggenmos sprach von „Kinkerlitzchen“.

Hells Standpunkt

Am Tag nach der Entscheidung über den Zuschussantrag für die Sanierung der elektrischen Anlage im Pfarrheim und in der Kirche St. Magnus betonte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell noch einmal, dass er sich, obwohl der Antrag nicht fristgerecht bis Jahresende 2018 gestellt wurde, für den Zuschuss eingesetzt habe. In Pfarrheimen werde Jugend-, Gemeinde- und Familienarbeit geleistet, vergleichbar mit anderen sozialen Einrichtungen. Vieles davon erfolge durch Ehrenamtliche.

Kirchen seien nicht nur Symbole „unserer christlich-abendländischen Werte“, sie dienen sehr vielen Menschen als Ort der Gemeinschaft, des Gebetes und der stillen Einkehr, bekennt Hell. Er halte daher die Fortführung der bisherigen städtischen Zuschüsse auch in diesem Fall für notwendig, auch im Sinne der Unterstützung des Ehrenamtes.

Hell verwieß außerdem auf die Gleichbehandlung mit anderen Pfarreien bzw. Kirchenstiftungen im Stadtgebiet Marktoberdorf, die in den letzten Jahren mit fünf- bis sechsstelligen Zuschüssen unterstützt wurden bzw. werden. Als Beispiele führte er St. Michael in Leuterschach, St. Hilaria in Ronried, die evangelische Johanneskirche und St. Alban in Geisenried an.

Aktuell sind im Haushalt 2019 wiederum 130.000 Euro als Zuschuss zu der Kirchenrenovierung in Leuterschach eingeplant. Der gleiche Betrag wurde bereits letztes Jahr ausbezahlt. Heißt: Die Stadt übernimmt mit 230.000 Euro zehn Prozent der Kosten für die aufwändige Sanierung des Gotteshauses, die 2,3 Millionen Euro kostet.

Mit bis zu zehn Prozent der Gesamtkosten sollten auch die zumeist elektrotechnischen Maßnahmen in der Kirche und im Pfarrheim St. Magnus gefördert werden. Aus dieser Zuwendung wird es aber nichts nach dem aktuellen Stadtratsbeschluss.

Ein Exempel

Thorsten Krebs, der Initiator, sah diesen Antrag als Exempel dafür, wo Stadträte mit dem Willen zu Einsparungen Ernst machen können. Es gebe hohe Rücklagen bei der Kirche, wenn auch nicht speziell in der Kirchenstiftung St. Magnus. Die Diözese habe feste Einkünfte aus dem Anteil an der Einkommensteuer. Es gelte, politischen Druck aufzubauen. Ansonsten sehe die Diözese Augsburg keinen Anlass, selbst mehr bei der Maßnahme in St. Magnus zu übernehmen.

Stefan Elmer (SPD) erklärte, die Stadt habe noch kein Konzept, wie sie Einsparungen erreichen wolle. Der Zuschussantrag aus St. Magnus sei nicht rechtzeitig eingereicht worden, sprich zum Jahresschluss 2018. Elmer plädierte dafür, die 31.000 Euro Zuschuss solange mit einem Sperrvermerk zu versehen, bis es einen grundsätzlichen Beschluss dazu gibt, wie die Stadt künftig mit Förderungen umgeht.

Andreas Wachter (CSU) hielt dem entgegen, die Förder-Grundsätze der Stadt sollten „verlässlich“ sein und nicht in einer Sitzung über den Haufen geworfen werden. Außerdem sei davon auszugehen, dass beim Verschieben des zehnprozentigen Zuschusses die Kosten 2020 bei dem Preisniveau im Baunebengewerbe höher ausfallen.

Peter Grotz (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass die Kirchenstiftung St. Magnus Arbeit „auf ehrenamtlicher Basis“ leiste. Dies sollte anerkannt werden. Christian Vávra (Grüne) verdeutlichte, dass man nicht nur die 31.000 Euro Zuschuss an St. Magnus betrachten müsse, sondern das Gesamtpaket von 2,8 Millionen Euro im Bereich der Zuwendungen und freiwilligen Leistungen.

Werner Moll (Stadtteile aktiv) verwies darauf, dass die Diözese immerhin einen sechsstelligen Betrag für die gesamte Maßnahme leisten werde. Der Zuschuss der Stadt werde außerdem kofinanziert, weil sich der Landkreis ungefähr in gleicher Höhe beteilige. Auch wolle er das Thema emotional bewerten. 170.000 Euro für die Sanierung in Leuterschach sowie für Maßnahmen in St. Magnus – das sei viel Geld, aber es käme der „Kulturlandschaft“ zugute.

jj

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