Hell gibt Vávra Kontra

Marktoberdorfs Bürgermeister Hell zum Radwegenetz: An Fakten orientieren

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Ein Radfahrer im 2017 erbauten Kreisel an der Moosstraße/Ruderatshofener Straße im Norden Marktoberdorfs.

Marktoberdorf – Mit dem Kommentar, sich bei Verbesserungen für Radfahrer an den Fakten zu orientieren anstatt die Situation schlecht zu reden, wendet sich Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell an Grünen-Stadtrat Christian Vávra. Marktoberdorf habe im Vergleich zu vielen anderen Gemeinden bereits „eine gute Infrastruktur für Fahrradfahrer“. Man arbeite an der laufenden Verbesserung, der Stadtrat investiere in den weiteren Ausbau.

Grünen-Stadtrat Christian Vávra hatte sich Ende Juli an Bürgermeister Hell sowie an die Stadträte Andreas Grieser und Eduard Gapp von der CSU-Fraktion gewandt; er nahm Bezug auf einen Bericht im Kreisbote zu einer Versammlung der CSU, der mit „Autofahren nicht schlechter, aber Radfahren besser machen“ betitelt war. Vávra verwies auf die „Dienstagsradler“, die sich, wie berichtet, bei zunehmender Resonanz jede Woche treffen und Vorschläge für einen Ausbau des Radwegenetzes zusammentragen.

Vávra hatte im Brief an den Rathauschef Bezug auf die Gruppe „Mitten in Marktoberdorf“ genommen, die es seit 2010 gibt. Diese habe „rund 70 Punkte“ vorgelegt, wovon lediglich circa zehn Punkte umgesetzt worden seien, schreibt der Grünen-Stadtrat. Nach dem neuerlichen Beschluss des Stadtrates, die weitere Umgestaltung der Bahnhofstraße einzustellen und den Bau des Busbahnhofes mit Bike & Ride mehrere Jahre zu verschieben, sei die Teilnehmerzahl bei den Dienstagsradlern deutlich nach oben gegangen.

Vávra, der selbst in Bertoldshofen zu Hause ist, forderte auch für die Ortsteile „gleichwertige Lebensverhältnisse“. Auch Menschen, die nicht mehr Auto fahren oder auf ein Zweitauto verzichten wollen, sollten im gewohnten Lebensumfeld bleiben können. Er sei gerne bereit, den Bürgermeister bei der Umsetzung der offenen Punkte aus dem Radworkshop von 2010 zu unterstützen, ergänzte Vávra.

Positiv bewertete Vávra den von Stadtrat Thorsten Krebs (CSU) vorgeschlagenen Radschutzstreifen an der Meichelbeckstraße. Dies sollte die Stadt noch heuer realisieren. Schließlich bekundete Vávra, die Entwicklung des Gesamtkonzeptes bedürfe „lediglich des politischen Willens zur Umsetzung“.

Hell war Sprecher der Interessengemeinschaft

In einem vier Seiten langen Brief gibt Rathauschef Hell dem Grünen-Stadtrat Kontra. Hell, selbst Alltagsradler auf Kurzstrecken im Stadtgebiet, erinnert an die Jahre von 2010 bis 2012, als damals bei einem Workshop für Radfahrer und Fußgänger verschiedene Vorschläge erarbeitet wurden. Die Lenkungsgruppe der Interessengemeinschaft „Mitten in Marktoberdorf“ habe diese zur Umsetzung empfohlen, er selbst war damals Vorsitzender der Lenkungsgruppe.

Bedauerlich nennt es Hell, dass sich Vávra auf unzutreffende Angaben stütze. Schließlich gehöre dieser seit Mai 2014 dem Stadtrat an und sei an mehreren Beschlüssen beteiligt gewesen.

Dazu listet der Bürgermeister eine Reihe von Punkten auf. Er nennt den neuen Fuß- und Radweg entlang der Kaufbeurener Straße, den neuen Schutzstreifen auf der Ostseite entlang der Ruderatshofener Straße sowie den Fußweg mit „Radfahrer frei“ auf der Westseite. Des Weiteren verweist Hell auf den Fuß- und Radweg entlang der alten Tölzer Straße zum Hotel „Weitblick“.

Entschärft worden sei der Unfallschwerpunkt Nummer eins durch Umbau der Kreuzungen Schwabenstraße/Jörglweg und Ruderatshofener Straße/Jörglweg. Eine deutliche Verbesserung habe der Kreisverkehr an Ruderatshofener Straße/Moosstraße mit seinen vier Querungshilfen gebracht. Außerdem erwähnt der Rathauschef neun weitere Querungshilfen für Fußgänger und Radler (unter anderem an der Ortsdurchfahrt in Rieder) sowie die Realisierung einer Verbindung zwischen Geisenried und Unterthingau.

In Arbeit sei derzeit eine Verlängerung des Radweges in der Johann-Georg-Fendt-Straße entlang des V-Marktes. Da sei die Grundstücksfrage zu klären. Der östliche Teil der Poststraße werde für Radfahrer zur Nutzung entgegen der Einbahnstraßenregelung freigegeben. Der „Fendt-Kreisel“ am Bahnübergang sei durch zusätzliche Markierungen entschärft worden.

Zum Schutzstreifen in der Meichelbeckstraße

Den Radschutzstreifen in der Meichelbeckstraße, den Stadtrat Krebs vorgeschlagen hat, wolle man in die nächste Verkehrsschau mit Polizei, Landratsamt und Verkehrsreferent Franz Barnsteiner einbringen; freilich sei dabei das Bauamt in Kempten zu beteiligen, weil es die B 472 betrifft. Weitere Verbesserungen seien zu erwarten, wenn nach Fertigstellung der Ortsumfahrung Marktoberdorf/Bertoldshofen eine Reduktion des innerörtlichen Verkehrs zu erwarten sei – vor allem beim Schwerverkehr. Positiv sei zu bewerten, dass der Freistaat Bayern bald mit dem Bau eines Radweges entlang der Staatsstraße 2008 zwischen Balteratsried und Lengenwang beginne.

Die Stadtteile Bertoldshofen, Geisenried, Rieder und Thalhofen seien per Radweg bereits an die Kernstadt angebunden, fährt Bürgermeister Hell fort. Leuterschach und Sulzschneid seien bislang über eine Kombination von Radweg und verkehrsruhiger Ortsverbindungsstraße zu erreichen. Die Verbesserung der Situation für Fußgänger und Radfahrer sei schon seit Jahren „ein wesentlicher Bestandteil der Marktoberdorfer Stadtpolitik“.

jj

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