Dringlicher Appell an Stracke

Marktoberdorfs Bürgermeister warnt vor dem geplanten Bundesgesetz

Martinimarkt in der Stadt Marktoberdorf
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Der traditionelle Martinimarkt in der Stadt Marktoberdorf lockte einst mit verkaufsoffenem Sonntag zahlreiche Besucher in die Stadt. Wann die Einzelhändler wieder öffnen können, hängt jetzt auch ganz entscheidend von der kommenden Entscheidung zum bundesweiten Lockdown ab.
  • vonKai Lorenz
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Marktoberdorf/Berlin– Es ist ein eindringlicher Appell aus Marktoberdorf an den Ostallgäuer CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke, dem Gesetzentwurf der Bundesregierung im Bundestag in der nun vorliegenden Form nicht zuzustimmen. In der Debatte um den bundesweiten Lockdown und die geplante Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes haben sich nun Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (CSU) und der Leiter Stadtmarketing, Tourismus, Wirtschaftsförderung Philipp Heidrich eingeschaltet und dem Bundestagsabgeordneten einen Brief geschrieben.

Nicht nur die Bürger, sondern auch die vielen Einzelhändler und Unternehmen seien betroffen. Denn sollte der Gesetzentwurf der Bundesregierung ohne substantielle Änderungen vom Bundestag beschlossen werden, hätte dies zur Folge, dass der Handel, mit Ausnahme des Lebensmittelhandels, auf unabsehbare Zeit komplett geschlossen bleiben müsste. Auch bewährte Formate wie die Abholung vorbestellter Ware (,Click&Collect‘) oder der Einkauf mit einem negativen Testergebnis wären damit nicht mehr möglich. „Dabei bestätigen sowohl das Robert Koch-Institut als auch andere renommierte Wissenschaftsinstitute, dass vom Einzelhandel nachweislich keine erhöhte Infektionsgefährdung ausgeht“, warnen Hell und Heidrich in dem Brief. Die im Gesetzentwurf vorgesehenen zusätzlichen Beschränkungen des Einzelhandels seien somit völlig unverhältnismäßig und unter dem Gesichtspunkt der Pandemiebekämpfung auch nicht zielführend.

Das Gesicht unserer Stadt hat sich jetzt schon ­verändert und wäre am Ende der ­Pandemie nicht ­wiederzuerkennen.

Dr. Wolfgang Hell und Philipp Heidrich

„Für unsere Unternehmen hätte eine solche erneute Schließung weitere dramatische Folgen“, betonen beide. So habe Marktoberdorf bereits einige Schließungen verkraften müssen. Einige hätten bereits ihre privaten Ersparnisse aufgebraucht. „Selbst unsere stabilsten Einzelhändler sind bereits am Wanken“, so die beiden.

Daher rufen sie Stracke dazu eindringlich auf, dem Gesetzentwurf der Bundesregierung im nun anstehenden parlamentarischen Verfahren in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen und sich für zwei Ausnahmen von der pauschalen Schließung des Nicht-Lebensmittelhandels einzusetzen. Folgendes schlagen Hell und Heidrich vor:

• 1. Die Abholung vorbestellter Waren in Ladengeschäften und Märkten weiter zu erlauben. Durch geeignete Maßnahmen könnte man eine Ansammlung von Kunden vermeiden, etwa durch gestaffelte Zeitfenster zur Abholung.

• 2. Nach vorheriger Terminbuchung für einen fest begrenzten Zeitraum Kunden zuzulassen, die ein negatives Ergebnis eines vor höchstens 24 Stunden vorgenommenen POC-Antigentests oder Selbsttests, eines vor höchstens 48 Stunden vorgenommenen PCR-Tests in Bezug auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 oder auch eine Impfung nachweisen können.

Selbst die stabilsten Einzelhändler in Marktoberdorf sind bereits am Wanken.

Dr. Wolfgang Hell und Philipp Heidrich

Darüber hinaus merken beide an, dass gerade im Allgäu die Zahl der Geimpften richtig Fahrt aufnehme. Dieser Punkt werde in vielen Entscheidungen völlig vernachlässigt. Die Politik müsse hier mehr Freiheiten und Alternativen überdenken, damit zumindest der „sichere“ Bevölkerungsanteil die Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben wieder ankurbeln kann.

„Damit würde es uns ermöglicht, zumindest einen kleinen Teil unserer Geschäftsbetriebe am Leben zu erhalten“, resümieren Hell und Heidrich.

Darüber hinaus fordern die beiden mehr finanzielle Entschädigung für Einzelhändler und Gastronomen, die dringend auf eine angemessene finanzielle Entschädigung angewiesen seien. Dies sollte über die bisherigen Wirtschaftshilfen hinausgehen, bei manchen sei aber das bereits zugesicherte nach wie vor noch gar nicht angekommen. „Andernfalls werden wir weitere Wochen des Lockdowns wirtschaftlich nicht überleben. Das Gesicht unserer Stadt hat sich jetzt schon verändert und wäre am Ende der Pandemie nicht wiederzuerkennen“,warnen Hell und Heidrich abschließend.

Eine Nachfrage beim Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke in Berlin wurde bisher nicht beantwortet.

Kai Lorenz

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