Volle Auftragsbücher

Fendt knackt Rekordmarke von 20.000 Traktoren

Fendt; AGCO; Fendt-Chef Gröblinghoff, Dehner, Hansiota
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20.000 Traktoren und Besuch aus Amerika: Landtechnik-Hersteller Fendt lud zur Jahrespressekonferenz und verkündete seine Geschäftszahlen. Mit dabei Torsten Dehner, Senior Vice President von AGCO (v.li.), AGCO-Chef Eric Hansiota und Fendt-Geschäftsführer Christoph Gröblinghoff.
  • Angelika Hirschberg
    VonAngelika Hirschberg
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Marktoberdorf – Positive Aussichten, eine investitionsfreudige Landwirtschaft und volle Auftragsbücher – für den Landtechnikhersteller Fendt hat sich das vergangene Jahr trotz Corona-Pandemie erfreulich entwickelt. Erstmals rechnet das Marktoberdorfer Unternehmen damit, mehr als 20.000 Traktoren bis Ende des Jahres zu ­produzieren: eine Marke, die bereits für 2020 angepeilt war, aber wegen Corona knapp verfehlt wurde. „Es geht uns gut“, verkündete Fendt-Chef Christoph Gröblinghoff anlässlich der Jahrespressekonferenz vergangene Woche.

Das Unternehmen verfolge nach wie vor ehrgeizige Ziele.In Europa will Fendt seine Marktanteile ausbauen und gleichzeitig global wachsen. „Die Nachfrage auf den Traktorenmärkten in Europa hat stark angezogen“, so Gröblinghoff, „so dass wir dieses Jahr mit einer globalen Nachfrage von 188.000 Traktoren rechnen.“ Damit erreiche der Markt fast wieder den Stand von 2012, einem Rekordjahr. Und Fendt will ordentlich mitmischen: „Wir wollen unseren hohen Marktanteil von über zehn Prozent behaupten.“

Global wachsen

Gleichzeitig blickt die Hightech-Tochter des amerikanischen AGCO-Konzerns immer öfter über den Atlantik. Gerade in Nordamerika und Brasilien etablierten sich Fendt-Produkte immer stärker. Wie Gröblinghoff erklärte, gehen bereits mehr als die Hälfte der Großtraktoren der 1000er-Reihe nach Nord- und Süamerika. Der Vorsitzende der AGCO/Fendt-Geschäftsführung hob außerdem die großen Erntemaschinen wie den Großmähdrescher Fendt Ideal hervor. Wie Fendt-Marketing-Chef Roland Schmidt ergänzte, seien nordamerikanische Kunden begeistert von der Leistungsfähigkeit, Kornqualität und Ertragssteigerung des Mähdreschers. Auch in Australien und Neuseeland, so Gröblingshoff weiter, waren 2020 die Auftragseingänge für Großtraktoren deutlich angestiegen. „Unser Job ist es, den Profi-Farmern die beste Technik zur Verfügung zu stellen“, sagte hierzu AGCO-Chef Eric Hansotia, der eigens zur Pressekonferenz aus den USA angereist war. Der Geschäftsführer der Fendt-Konzernmutter AGCO hatte vor einem Jahr die Nachfolge von Martin Richenhagen angetreten. Er machte deutlich: „Das globale Wachstum der Marke Fendt ist eine der wichtigsten Initiativen bei AGCO. Das ist möglich, weil wir Maschinen anbieten, die weltweit gefragt sind.“

Weltpremiere

Zu diesen gehört auch der komplett überarbeitete Fendt Rogator 900, der anlässlich der Jahrespressekonferenz seine Weltpremiere erlebte. Der Rogator, den AGCO bereits vor 20 Jahren für die USA entwickelte und produzierte, wurde nun für Einsätze auf Großflächen weltweit konzipiert. Das Chassis des Selbstfahrers kann auf bis zu 1,93 Meter erhöht werden und erlaubt so die Applikation von Pflanzenschutzmittel spät in der Wachstumsphase. Gleichzeitig ermöglicht die Konstruktion der Maschine einen schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Aufbauten für Applikation und Düngung.

Forschung & Entwicklung

Der Fendt Rogator 900 ist für Großflächen konzipiert.

Fendt gilt schon lange als die Innovationsmarke im AGCO-Konzern. Das gelte weiterhin, führte der Fendt-Chef aus. Er freute sich über rund 93 Millionen Euro, die AGCO in Forschung und Entwicklung bei Fendt steckt. Das sind 13 Millionen mehr als noch im letzten Jahr. Das Engagement spiegele sich auch an den Mitarbeiterzahlen wider. „Insgesamt beschäftigen wir rund 500 Ingenieure, die sowohl an den Landmaschinen an sich als auch im Bereich Digitalisierung forschen.“ Im April erst wurde das neue Entwicklungsgebäude in Marktoberdorf mit rund 140 neuen Arbeitsplätzen bezogen.

Die digitale Zukunft sieht der Traktorhersteller vornehmlich im Bereich automatisiertes Fahren und smarte, im Schlepper verankerte Bediensysteme, genannt FendtOne. Dafür warb auch Marketing-Chef Schmidt: „FendtOne ermöglicht den Überblick über alle Betriebskennzahlen und eine umfangreiche Dokumentation.“ Er ergänzt: „Wir sehen die zentrale, digitale Datenerfassung als Voraussetzung für Farm2Fork, die Erfüllung der Green-Deal-Richtlinien und die Nachverfolgbarkeit der Warenketten.“

Säroboter und elektrischer Antrieb bei Fendt.

Der digitalen Transformation der Landwirtschaft steht das Unternehmen allgemein positiv gegenüber. Neben einer größeren Transparenz in der Lebensmittelproduktion forciert Konzernchef Hansotia auch mehr Nachhaltigkeit. Effiziente und damit nachhaltige Maschinen sollen mithilfe alternativer Antriebe und automatisierter Prozesse zu einem gesunden Boden und einem besseren Ertrag führen. Als Projektpartner des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme erprobt Fendt gerade mit dem elektrisch angetriebenen Kleintraktor Fendt e100 Vario ein Konzept zur Nutzung von Agriphotovoltaik. Ebenso beschäftige sich Fendt mit den Zukunftsthemen Wassterstoff-Technik und synthetische Kraftstoffe, wie Fendt-Entwicklungschef Dr. Heribert Reiter ausführte.

Insgesamt beschäftigt Fendt zur Jahresmitte 2021 an allen sechs Standorten in Deutschland rund 6300 Mitarbeiter. Das sind über 300 Menschen mehr als vor einem Jahr. Am Stammsitz in Marktoberdorf arbeiten über 4000 Beschäftigte. Es sei ein starkes Team, so Gröblinghoff, das gerade auf die stetig neuen Herausforderungen der Corona-Pandemie gut reagieren konnte. Der Fendt-Chef begrüßte auch die steigende Impfrate im eigenen Unternehmen. Seit Mai impfe Fendt über seine Betriebsärzte an den vier Standorten. Mittlerweile seien 700 Mitarbeiter geimpft worden.

Lieferströme stocken

Trotz guter Aussichten bremste Christoph Gröblinghoff allzuviel Euphorie. „Auch uns hat die Pandemie getroffen“, sagte er. Insbesondere im Bereich der Warenströme und der Just-In-Time Liefersituation sei auch Fendt von den Auswirkungen der Pandemie stark beeinflusst gewesen. Wie berichtet, musste Fendt erst kürzlich bereits zum zweiten Mal innerhalb eines guten Jahres seine Produktion wegen Lieferschwierigkeiten stoppen. Gröblinghoff versprach, die ausgefallenen Produktionstage wieder aufzuholen. Er mahnte jedoch auch: „Machen wir uns nichts vor. Die Situation wird noch mindestens bis Jahresende angespannt bleiben.“

So wird es die Kunst sein, die vollen Auftragsbücher auch zu bedienen. Denn für Gröblinghoff ist ein Ende des Booms nicht in Sicht. Die Landwirtschaft habe sich von einem Tiefpunkt im April 2020 kontinuierlich erholt. Die Erzeugerpreise für Weizen und Schweinefleisch seien so hoch wie nie, „die Landwirte verdienen gutes Geld.“ Von der Investitionsbereitschaft der Bauern möchte daher auch Fendt profitieren.

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