Martin Illibauer erhält für seinen Einsatz die Rettungsmedaille

Helfen steht außer Frage

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Die Bayerische Rettungsmedaille besteht aus Silber und zeigt auf ihrer Vorderseite das große bayerische Staatswappen mit der Umschrift „Freistaat” und „Bayern”.

Germaringen – „ Helfen ist einfach, in der Situation steht es außer Frage zu helfen“, sagt Martin Illibauer, Polizist aus Ketterschwang bei Germaringen, dem kürzlich die Bayerische Rettungsmedaille von Regierungsvizepräsidentin Maria Els verliehen wurde.

Vor zwei Jahren kam er einem unter einem Baum verkeilten Kajakfahrer trotz Hochwasser auf der Ammer sofort zu Hilfe. 

Der 10. Juni 2012 sollte eigentlich ein schöner Tag werden mit einem Kajakausflug auf der Ammer, erzählte Martin Illibauer dem Kreisboten. Doch es kam ganz anders. 

Illibauer war mit drei Freunden bei schönem Wetter in Kajaks auf der Ammer unterwegs. „Auf einem schwierigeren Streckenabschnitt der oberen Ammer wurden wir auf Höhe der Schleierfälle von zwei Männern einer Zweiergruppe überholt, die wir beim Einstieg schon kennengelernt hatten,“ berichtete Illibauer. Nahe der Echelsbacher Brücke zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien (Oberbayern) winkte der Jüngere von beiden plötzlich panisch vom Ufer aus mit einem Wurfsack. 

Illibauer und seine Kameraden paddelten zu ihm, wo der junge Mann ihnen die Situation in Kürze schilderte: Sein 67-jähriger Begleiter aus dem Odenwald (Hessen), den er vor der Fahrt nicht kannte, sei in der Strömung an einem Felsen in seinem Kajak unter einen Baumstamm gedrückt worden und nun dort unter der Wasseroberfläche verkeilt. 

Nachdem die Versuche des jungen Mannes, in der Strömung an das Kajak heran zu kommen, gescheitert waren, zögerte Illibauer nicht und versuchte sofort, den Mann zu retten: „Ich bin immer wieder am glitschigen Baum abgerutscht und verfehlte das Kajak immer handbreit.” Da half nur noch, durch Sprünge auf dem Baumstamm das verkeilte Element zu lösen – „dies dauerte geschätzte acht Minuten,“ stellte der Polizist die Lage dar. 

Er zog den Verunglückten ans Ufer und startete dort sofort zusammen mit dem jungen Kanuten die Reanimation des Mannes. Seine Freunde setzten den Notruf ab, was jedoch bei dem schlechten Handyempfang zunächst Schwierigkeiten bereitete. „Die Reanimationsversuche haben eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis der Rettungsdienst nach etwa 45 Minuten per Hubschrauber eintraf,“ so Illibauer weiter. Der Notarzt brach die Reanimation aber alsbald ab, da sie keine Wirkung mehr zeigte und nur noch der Tod des Mannes festgestellt werden konnte. 

Verwirrung stiftete unterdes noch ein Boot der Gruppe, das wegen der Unachtsamkeit in der allgemeinen Nervosität abgetrieben war. Der Rettungsdienst dachte daher, dass noch jemand verunglückt sei. „Ich musste dem Rettungsdienst versichern, dass es nur eines unserer Boote war, das sich losgerissen hatte und keine weitere Person in Gefahr war,“ so Illibauer. 

Die unterkühlten Helfer konnten sich zunächst im Feuerwehrhaus Rottenbuch aufwärmen, bevor sie bei der Kripo Weilheim aussagen mussten. Nach diesem tragischen Vorfall „ist es etwas weniger geworden mit dem Kajakfahren“, dennoch übt Martin Illibauer seinen geliebten Sport weiterhin mit Freude aus. 

Illibauer war etwas überrascht, als vor einigen Monaten die Mitteilung kam, dass er und seine Kameraden die Bayerische Rettungsmedaille verliehen bekommen. Zum Haupttermin, der im Mai diesen Jahres in der Residenz in München stattfand, konnte Illibauer im Gegensatz zu seinen Kameraden nicht erscheinen, da er zu dem Zeitpunkt – wie könnte es anders sein – bei einer Kajakexpedition in Griechenland war. 

So überreichte Maria Els in Vertretung von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand ihm und zehn Weiteren Anfang November eine Urkunde und die Bayerische Rettungsmedaille. Seit 1952 wird diese besondere Auszeichnung an Personen verliehen, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens anderen Menschen in Lebensgefahr zu Hilfe eilen – in Illibauers Fall endete die Notsituation trotz seines großen Einsatzwillens und Engagements für den Kajakfahrer aus Hessen mit dem Tod. von Martina Staudinger

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