Das teure Provisorium

Martinsschule Marktoberdorf: Wegen Neubau vorübergehend in Containern

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Grünes Licht für die Lösung mit dem Übergangsquartier, wenn die Grundschule St. Martin neugebaut wird. Der Platz befindet sich beim Modeon und in der Nachbarschaft zur Adalbert-Stifter-Schule (Bild).

Marktoberdorf – Dieses Vorgehen stößt durchaus auf Kritik; es ist aber letztlich von einer deutlichen Mehrheit im Stadtrat so beschlossen worden: Wenn die Schule St. Martin mitten in Marktoberdorf neu gebaut wird, beziehen Lehrer und Kinder ein Ausweichquartier. Die Container dafür werden auf einem freien Platz beim Modeon aufgestellt. Das ist zudem in der Nachbarschaft der Adalbert-Stifter-Grundschule, wo Turnhalle und Sportplatz mit genutzt werden können.

Es sind vor allem die Kosten von 2,8 Millionen Euro, die für die Ausweichschule veranschlagt sind, wenn die St. Martinsschule abgerissen und am bisherigen Standort wieder neu gebaut wird. Es ist davon auszugehen, dass dieses Provisorium ab Herbst 2020 zum Tragen kommt und dass es für zwei bis drei Jahre beansprucht wird.

Vom Tisch sind Überlegungen, die Martinsschule vorübergehend auf zwei Standorte aufzuteilen. „Die St. Martinsschule muss die St. Martinsschule bleiben“, betonte Rupert Filser, Hauptamtsleiter im Rathaus, vor den Stadträten. Es sei nicht darzustellen, die Klassen woanders im Stadtgebiet einzugliedern. An der Grundschule in Thalhofen bestünde überhaupt keine Möglichkeit der Unterbringung.

Ralf Baur, Leiter der städtischen Bauverwaltung, verwies darauf, dass an der Adalbert-Stifter-Schule das Dach marode sei und saniert werden müsse. Weil diese Einrichtung mehr Platz brauche, überlege man, auf das Gebäude an der Schwabenstraße ein Stockwerk mit vier Klassenzimmern draufzusatteln.

Eine Überlegung ist, die Räume im oberen Stockwerk zunächst als Übergangslösung für ein paar Klassen der Martinsschule zu nutzen. Dann könnten beim Ausweichquartier am Modeon die Kosten für die Containeranlage reduziert werden. Die Frage sei jedoch, ob Marktoberdorf staatliche Fördermittel erhalte, wenn das zusätzliche Stockwerk an der Adalbert-Stifter-Schule als Zwischenlösung für die Martinsschule genutzt werde. Um dieses Thema ging es bei einer Besprechung, die Bauamtsleiter Baur und Rupert Filser von der Hauptverwaltung bei der Regierung von Schwaben hatten und die auf vergangenen Freitag terminiert war.

Nicht nur Bauchweh, sondern auch Kopfweh

Mit den Worten „Da habe ich nicht nur Bauchweh, sondern auch Kopfweh bekommen“ eröffnete Stadtrat Peter Fendt eine fast zwei Stunden dauernde Debatte zum Thema. Er habe das Gefühl, dass „wir uns mit dem Projekt übernehmen“, wenn für die neue Schule, für die Übergangslösung und für zu erwartende Preissteigerungen bald 30 Millionen Euro im Raum stünden.

Fendt erinnerte daran, dass er vor einem Jahr auch für den Neubau in der Stadtmitte gestimmt habe, aber die Freien Wähler (FW) hätten damals mit ihrer Forderung für einen Standort auf der Grünen Wiese Weitblick bewiesen. Darum wolle er, dass beide Varianten noch einmal gerechnet und gegenüber gestellt werden. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

Für die neue Grundschule St. Martin sind 14,9 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen 5,7 Millionen Euro für den Hort und drei Millionen Euro für eine Turnhalle.

Andreas Wachter (CSU) kam mit seinem Ansinnen auch nicht durch. Eine Mehrheit lehnte dessen Antrag ab. Wachter verlangte vor einer Abstimmung über die 2,8 Millionen Euro teure Ausweichschule („eine stolze Summe“) ein detailliertes Konzept und eine Kostenaufschlüsselung für das Übergangsquartier.

Auch Christian Vávra (Grüne) bekundete, dass er bei der Summe von 2,8 Millionen Euro Probleme habe. Sein Wunsch sei außerdem, als Ausweichquartier nicht ein „ganzes Containerdorf“ zu erstellen.

Grotz: „Das kann’s ja wohl nicht sein!“

Peter Grotz (Freie Wähler) sagte: „Ich habe den Eindruck, jetzt wollt ihr euch drücken vor der Entscheidung. Das kann’s ja wohl nicht sein.“ Es sei traurig, wenn man das Vorhaben so lange zerrede. Die Stadträte seien gefordert, jetzt mit dem Beschluss zum Ausweichquartier den letzten Schritt zu machen, ehe es bei dem Großprojekt mit den Arbeiten losginge.

„Wie viele Rollen rückwärts wollen wir noch machen?“ Diese Frage stellte Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Die St. Martinsschule sei seit 2008 Thema in Marktoberdorf. Seit sieben Jahren sei in das Gebäude mitten in der Stadt nicht mehr investiert worden. Außerdem erwähnte Hell, dass eine Ausweichschule „kein exotischer Vorgang“ sei, wobei er auf aktuelle Beispiele in den Nachbarstädten Füssen und Schongau verwies.

Andrea Weinhart meinte, dass die FW, die vor dem Standortbeschluss im Januar 2018 für einen Neubau auf der grünen Wiese waren, das Ganze mit einem „weinenden Auge“ sehen. Doch die Markt­oberdorf Stadträte müssten nun „in den sauren Apfel beißen.“

jj

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