Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle

Gute Stimmung, aber auch Vorbehalte

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Umfassende Informationen zur Verteilung von Asylbewerbern lieferte Ralf Kinkel vom Landratsamt Marktoberdorf.

Mauerstetten – „Das Megathema für alle Gemeinden erreicht auch uns.“ Mit diesen Worten stimmte der Mauerstettener Bürgermeister Armin Holderried die Zuhörer auf die Zuweisung von Asylbewerbern ein. Eine eigens zu diesem Thema anberaumte Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle stieß kürzlich auf großes Interesse bei den rund 200 anwesenden Dorfbewohnern und vielen Vereinsvorständen.

Sowohl das Landratsamt Marktoberdorf als zuständige Verwaltungsbehörde als auch Vertreter von Friesenried als bereits betroffene Gemeinde berichteten über bisherige Erfahrungen zu dieser Thematik. In der anschließenden Diskussion zeigte sich eine deutlich positive Grundstimmung, es gab aber auch Vorbehalte. 

Holderried bezeichnete in seiner Einführung die Unterbringung der Flüchtlinge als gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit einer Verteilung über alle Kommunen. Die derzeit für die Gemeinden festgelegte Quote beträgt 1,1 Prozent bezogen auf die zu erwarteten Flüchtlinge im Ostallgäu. „Damit hat Mauerstetten zukünftig etwa 35 Asylbewerber unterzubringen“, erläuterte der Bürgermeister. Man müsse aber für nächstes Jahr durchaus mit weiteren Menschen rechnen. 

In welcher Form die Unterbringung erfolge, sei der Gemeinde freigestellt und noch nicht entschieden. „Das Allerwichtigste ist den Gemeindevertretern eine frühzeitige Einbindung der Bewohner zur Erhöhung der Akzeptanz“, sagte Holderried. Er wünsche sich auch Hinweise darüber, ob eine zentrale oder dezentrale Unterbringung gewünscht werde. Die Flüchtlinge hätten Anspruch auf eine menschenwürdige Unterkunft und Begleitung in der fremden Umgebung. 

Erfahrungswerte 

In der Informationsveranstaltung berichtete Oberregierungsrat Ralf Kinkel vom Land- ratsamt Marktoberdorf über die gesetzlichen Grundlagen und aktuelle Zahlen. Er wünschte sich eine gerechtere Verteilung innerhalb der EU und pochte auf eine schnellere Verfahrensabwicklung für die Anerkennung der Asylbewerber, die derzeit bei rund einem Drittel liege. Bis Ende Juni gab es in Deutschland noch 237.000 nicht entschiedene Anträge. 

Aus Friesenried berichteten Bürgermeister Bernhard Huber und Elke Frei von der Mittagsbetreuung für Schulkinder über Erfahrungen in ihrer Gemeinde. „Wir wussten nicht, was uns erwartet, aber es ging besser, als anfangs befürchtet“, so Huber, dessen Kommune 2013 Afghanen und Syrer zugewiesen bekommen hatte. Nach seinen Worten war die Sprachbarriere das größte Problem. 

Nur Männer gingen zum Sprachkurs, Frauen nicht. „Sie wollen, aber sie dürfen nicht“, ergänzte Frei, „das ist eine andere Mentalität, da zählen Frauen nicht soviel.“ In einer Hausordnung müsse deshalb klar definiert werden, dass Männer und Frauen die gleiche Wertstellung besitzen. „Es ist spannend und es funktioniert“, so das Fazit von Frei, die in der Mittagsbetreuung auch Asylkinder betreut. 

Fragen und Bedenken 

In der Diskussion wurden Rechte und Pflichten der Asylbewerber diskutiert und finanzielle sowie soziale Bedürfnisse durch die Anwesenden hinterfragt. Von den ansässigen Vereinen kamen klare Bekenntnisse zur angestrebten Integration. „Wir stemmen das schon“, so Max Merkel vom Sportverein. 

Völlig inakzeptabel erschien einer Besucherin das praktizierte Verhalten hinsichtlich der Stellung der Frau: „Das ist voll daneben!“ Sie sei den Ankömmlingen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen, sagte aber auch: „Ich habe Angst um mein Kind!“ 

Entscheidung naht 

Bei der Unterbringung sprach sich eine Mehrheit der Anwesenden für eine zentrale Lösung der Gemeinde statt einer Anmietung von Unterkünften auf dem privaten Wohnungsmarkt aus. Sie biete Vorteile hinsichtlich Ansprechbarkeit und Betreuung. Der Gemeinderat entscheidet darüber in seiner nächsten Sitzung noch vor der Sommerpause. 

„Mehr als zufrieden“ zeigte sich Bürgermeister Holderried nach der Versammlung. Er habe auch in den letzten Tagen schon sehr positive Rückmeldungen von Menschen erhalten, die sich einbringen und helfen wollen. An Aufgaben mangelt es laut Holderried nicht. Dies gelte für das Erlernen der Sprache und Hilfestellungen im Alltag ebenso wie beispielsweise beim Einkaufen und Bus fahren oder die Integration im Vereinswesen.

von Wolfgang Becker

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