Nur in dieser Rezeptur original: Volles Stadttheater bei Preisverleihung an "Mauke – die Band"

Kaufbeurer Kulturpreis für "Mauke – die Band"

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Die Freude über die Anerkennung steht in den Gesichtern geschrieben: „Mauke – die Band“ hat sich dem paurischen Dialekt verschrieben und dafür den Kulturpreis der Stadt Kaufbeuren bekommen.

Kaufbeuren – Die 2006 gegründete paurische Mundart- und Kabarettgruppe „Mauke – die Band“ wurde am vergangenen Dienstag im Stadttheater von Oberbürgermeister Stefan Bosse mit dem Kaufbeurer Kunst- und Kulturpreis für 2013 geehrt.

„...a bössl Musik, a bössl Singn tut glei enn Kulturpreis brengn?...“ Solche ungewohnten Töne waren am vergangenen Dienstag aus dem Mund von OB Stefan Bosse zu vernehmen. Für die Verleihung des Kaufbeurer Kunst- und Kulturpreises 2013 hatte er den Preisträgern von „Mauke – die Band“ zu Ehren ein wenig Paurisch gelernt und leitete seine Begrüßung mit wohlgesetzten Mundartversen ein. Für die musikalische Umrahmung der Preis- verleihung sorgten die Preisträger höchstpersönlich. Damit war ein bis auf den letzten Platz besetztes Stadttheater von vorn herein gewährleistet. 

Es hatten sich so viele Fans zu der Feier angemeldet, dass die Sitze im Saal vom Parkett bis zum 2. Rang nicht ausreichten weitere Plätze auf der Bühne improvisiert werden mussten. Ausschlaggebend für die Vergabe des mit 2000 Euro dotierten Jörg-Lederer-Preises an „Mauke – die Band“ sei jedoch natürlich nicht nur „a bössl Musik, a bössl Singn“ („ein bisschen Musik, ein bisschen Singen“) gewesen, führte Bosse weiter aus – sondern vielmehr die „Mischung aus Musik, Mundart und Kabarett vom Feinsten – eine richtige Mauke eben, unverwechselbar, originell und nur in dieser Rezeptur original“. Denn der Bandname „Mauke“ bedeutet auf Hochdeutsch „Brei“ und steht oftmals kurz für „Arepplmauke“, womit schlicht Kartoffelbrei gemeint ist. 

Bosse erläuterte auch, warum die Gruppe den Kunst- und Kulturpreis nicht in Form des Ludwig-Hahn-Preises für Musik, sondern als Jörg-Lederer-Preis für Bildende Kunst und Heimatpflege erhält: Das Element Mundart sei dafür ausschlaggebend gewesen. 

Das Bild in den Köpfen

Der Kunst- und Kulturpreis wurde 1979 von der Stadt Kaufbeuren gestiftet. Es gibt ihn in sechs verschiedenen Kategorien: Musik, Literatur, Bildende Kunst und Heimatpflege, Darstellende Kunst, Übergreifende Kulturpflege sowie als Jugendpreis. Jede Sparte hat einen Namenspatron. Was aber hat Jörg Lederer eigentlich mit „Mauke – Die Band“ zu tun hat. „Mauke schnitzt – wie Jörg Lederer seine Holzbildwerke – konsequent und liebevoll am Bild der Gablonzer beziehungsweise Neugablonzer in den Köpfen der Kaufbeurer und Allgäuer“, so Bosse. Dabei sei die Musik „die Bahn, auf der die Botschaft ins Publikum rutscht“. 

Die Laudatio hielt der Empfänger des davorigen Kulturpreises 2011 (2012 wurde er nicht vergeben), Wolfgang Krebs, ausnahmsweise einmal nicht als „Ministerpräsident“, sondern als „er selbst“. Er stellte den Begriff „Heimat“ in den Vordergrund seiner Betrachtungen. Denn die Vertriebenen haben mit ihrem verbliebenen bisschen Hab und Gut, das in eine kleine Kiste passen musste, in Kaufbeuren eine neue Heimat gefunden. Von der „alten Heimat“ sei ihnen nur die Erinnerung geblieben – und ihre Mundart. 

Die herausragende Leistung von „Mauke – die Band“ sei, dass sie die Pflege des Paurischen um eine neue Facette erweitert habe – nicht mit tränenreicher, heimattümelnder Wehmut, sondern mit jeder Menge Humor und Selbstironie und mit neuen Sprachschöpfungen zu populärer Musik. Das Paurische sei so eine lebendige Sprache geblieben, für die kulturelle Vielfalt Kaufbeurens eine Bereicherung und für die Mundart- pflege eine Weiterentwicklung, so Wolfgang Krebs. 

Überraschung am Schluss 

Mit der Überreichung der Urkunde und einem letzten Musikstück ist eine Preisverleihung normalerweise beendet. Doch nach dem Ende dieses Teils bei der Kulturpreisverleihung entstand Unruhe im Saal und es trat „Kaiser Franz Josef“ auf, eskortiert von einer Abordnung seiner „letzten und einzigen, ruhmreichen Armee von Saskal“. Feierlich überreichte der „Kaiser“ (gespielt von Wolfgang Krebs), damit „die Urkunde nicht in sechs Teile zerrissen werden“ müsse, jedem der sechs „Mauke“-Bandmitglieder das „Goldene Butterwischl am Bande“ – dekorative, feuervergoldete Schleuderguss-Unikate. 

Ein paurischer Vers von Michael O. Siegmund rundete schließlich die Veranstaltung ab: „Glejbts ock, wenn uns de Wurte fahln, doss mier`n Kulturpreis hon drhaln !...“ („Glaubt es, auch wenn uns die Worte fehlen, dass wir den Kulturpreis erhalten haben!…) Das Publikum jedenfalls war sich bei „Rejchrworschtn“ und „Pottrwöschln“ nach minutenlangen „Standing Ovations“ in einem Punkt einig: Das war einmal eine wirklich besonders gelungene Preisverleihung. von Ingrid Zasche

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