Große Anteilnahme in Kaufbeuren

Trauer und Wut sind groß

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Auch Rapper Kay One nimmt Bezug auf den Kreisboten-Artikel und bekundet sein Beileid.

Kaufbeuren – Trauer und Wut über den Tod des 23-jährigen Kaufbeurers Devran sind in der Wertachstadt groß. Zur Danksagung am Freitag waren Hunderte Freunde und Familienmitglieder gekommen. Immer mehr Blumen und Gebinde werden an der Stelle niedergelegt, an der Devran vergangene Woche von einem 49-jährigen niedergestochen wurde (wir berichteten). Auch in den sozialen Netzwerken wird getrauert, sogar Rapper Kay One bekundete sein Beileid.

„Schrecklich. Da zeigt man Zivilcourage und wird selbst zum Opfer. Mein Beileid an seine Familie und an seine Freunde. Ruhe in Frieden Devran“, schreibt der Rapper auf Facebook und nimmt Bezug auf die Kreisboten-Berichterstattung. 

Viele Menschen glauben, dass der 23-Jährige nur helfen wollte und schließlich selbst zum Opfer wurde. Aber genau das ist aktuell Gegenstand der Ermittlungen der Kripo Kaufbeuren. Laut Polizei geriet demnach eine Wirtin einer Bar in Neugablonz mit einem 49-Jähriger wegen einer Zigarette, die er wohl unerlaubterweise im Lokal angezündet hatte, in Streit. Der 23-jährige Devran griff mit seinem gleichaltrigen Kumpel ein, um der Wirtin zu helfen. Der Streit habe sich dann laut Polizei nach draußen verlagert. 

Offenbar ging es dabei aber nicht mehr um die Auseinandersetzung im Lokal. Die Polizei spricht von einer „eigenständigen Streitigkeit“, auf die auch die Wirtin nicht mehr deeskalierend einwirken konnte. Der alkoholisierte 49-Jährige mutmaßliche Täter stach infolge dieser Auseinandersetzung mehrfach auf den 23-Jährigen und seinen Freund ein. Devran hatte keine Chance, er erlag wenig später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. 

Der mutmaßliche Täter, der zu Fuß flüchtete, wurde kurze Zeit später von der Polizei festgenommen, er hat inzwischen ein Teilgeständnis abgelegt, ein Richter erließ Haftbefehl wegen Totschlags. 

In Kaufbeuren ist die Trauer um das Opfer groß. Über 800 Freunde und Familienangehörige haben sich am Freitag bei einer Trauerfeier von Devran verabschiedet. Auch die Stadt Kaufbeu­ren hatte einen Kranz niedergelegt. Im Unmittelbaren Umfeld des Opfers herrschen aber auch Unverständnis und Wut über das Geschehene. Seine Kollegen bei einer Sicherheitsfirma, in der Devran nebenberuflich gearbeitet hatte, beschreiben ihn als „hundertprozentig zuverlässig und loyal“, er sei äußerst beliebt gewesen und habe ein großes Herz vor allem für Kinder gehabt. „Er hat sich sehr für Flüchtlingskinder eingesetzt. Er träumte davon, dass die Menschen in armen Ländern eines Tages genug Geld hätten, um nicht mehr hungern zu müssen“, erinnert sich Arbeitskollegin Linda Hilbert. 

Auch Devrans Chef bei der Sicherheitsfirma, Jürgen Michael Heindl, kann nur Gutes über seinen ehemaligen Angestellten sagen: „So stellt man sich einen Schwiegersohn vor“. Er sei ein herzensguter Mensch gewesen, die Trauer im Unternehmen ist groß. 

Inzwischen ging bei der Stadt Kaufbeuren auch eine Voranfrage für einen Trauermarsch zum Gedenken an den 23-jährigen Devran ein. Dieser soll laut der Beteiligten Mitte Mai in Kaufbeuren stattfinden. Die Stadt prüft derzeit in Kooperationsgesprächen mit der Polizei, wie man diesen am besten umsetzen kann.

von Kai Lorenz

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