Der Mensch im Mittelpunkt

Serie Schule anders: Ludwig-Reinhard-Schule – ein Förderzentrum geht eigene Wege

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Mit sichtlichem Vergnügen macht hier eine Schülerin die Erfahrung, wie angenehm und wohltuend ein kaltes Armbad sein kann.

Kaufbeuren – Die Ludwig-Reinhard-Schule versteht sich als Förderzentrum für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Auf dem Hintergrund der kognitiv eingeschränkten Leistungsfähigkeiten verbietet sich der klassische Frontalunterricht, der sich stur nur an einem vorgegebenen Lehrplan orientiert. Schulleiter Hansjörg Heim erklärt das Motto der Einrichtung: „Der Einzelne steht mit seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten im Mittelpunkt. Wir setzen mit der Förderung dort an, wo wir ihn abholen können.“

Beim pädagogischen Angebot müssen die Lehrkräfte einen breiten pädagogischen Entscheidungsspielraum haben, der sich mehr am pädagogischen Bedarf und den individuellen Fähigkeiten des einzelnen Schülers als an Vorgaben orientiert.

Anspruchsvolle Einrichtung

Insgesamt gibt es etwa 120 Schüler, die sich in eine Grundschulstufe, in eine Mittelschulstufe und Berufsschulstufe aufteilen. Die Klassen haben rund zehn Schüler beiden Geschlechts, aber trotz etwa gleichen Alters können die Leistungsfähigkeit sehr unterschiedlich sein. Dies stellt hohe Anforderungen an die berufliche Qualifikation der Lehrer. Es braucht also ein abgeschlossenes Studium möglichst mit Spezialisierung in Sonderpädagogik, oder alternativ die Ausbildung als Erzieher mit entsprechender Zusatzausbildung. Hinzu kommen noch Pflegekräfte und Individualbegleiter, falls es sich als schwierig erweist, die Schulzeiten zwischen 8.15 und 12.30 durchzustehen. Den Nachmittag verbringen viele in der gleich nebenan liegenden Tagesstätte der Lebenshilfe.

Großes Thema ist auch hier die Inklusion. So hat jede Klasse eine gleichaltrige Partnerklasse der Konradin-Schule, die dasselbe Gebäude teilen. Gemeinsamer Schulunterricht, Klassenausflüge und Schulfeste stehen auf dem Programm. Das Partnerschaftsprinzip wird auch durch einen gemeinsamen Elternbeirat gepflegt. In Begegnung bringen heißt laut Schulleiter Heim auch Lernen von Sozialverhalten, wie aufeinander achten und gegenseitige Rücksicht nehmen.

Projektwoche „Fit und Gesund“

Acht Themenschwerpunkt bot die Projektwoche unter denen sich die etwa 50 Schüler der Mittelschulstufe drei nach eingehenden Erklärungen auswählen durften. Gleich zwei Angebote zum Thema Essen, nämlich „Gesundes Frühstück und Fitnessstudio“ und „Gesund kochen“ standen zur Auswahl. Während sich die Angebote „Fitnesspiele auf Tour“ und „Trimm-Dich-Pfad“ eher auf den Schwerpunkt körperliche Gesundheit richteten, war mit „Wellness für Körper und Seele“ auch ausreichend an Entspannung gedacht.

Den ersten Tag der Woche brachten sich die Teilnehmer erst einmal richtig mit einem Ausflug nach München in Schwung, wo man es sich beim Spielen und Tollen im Trampolin-Park richtig gut gehen ließ. An den drei darauffolgenden Tagen nahmen die Schüler, entsprechend ihrer Wahl, an drei unterschiedlichen Angeboten teil.

Ein Projekt soll als Beispiel dienen: „Fit mit Kneipp“ wurde von Irmgard Willms angeboten. Sie ist Heilpädagogische Förderlehrerin mit einer Zusatzausbildung als Gesundheitspädagogin. Ganz in der Tradition von Kneips Gesundheitslehre besuchten die Schüler gemeinsam den kleinen, zur Schule gehörigen Kräutergarten, rochen und schnupperten an den Heilpflanzen. Eine Pädagogik, die alle Sinne anspricht. Das Taulaufen und das traditionelle kalte Wasser-Armbad durften deshalb bei den praktisch orientierten Übungen selbstverständlich auch nicht fehlen.

Das waren wichtige Erfahrungen für die Schüler, die freitags zum Abschluss gemeinsam mit Fotos und Berichten der Woche in der großen Aula ausgewertet wurden. „Diese Woche ist wichtig für unsere Jugendlichen“, stellte Lehrer und Mitorganisator Peter Streng fest. Natürlich bräuchten gerade diese Menschen klare, immer wiederkehrende Strukturen, an denen sie sich im Schul-Alltag orientieren könnten. Aber genauso wichtig sei es für die Entwicklung, dass der Klassenverband auch einmal aufgebrochen würde und Schüler und Lehrer einmal etwas ganz besonderes machen würden.

von Peter Suska-Zerbes

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