Preisgekröntes Werkstück

Metallgestalter Marius Römlein gewinnt „Die gute Form“ 

Schmiedemeister Erwin Hardwig und Azubi Marius Römlein
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In einem der ältesten Handwerksberufe, in dem früher hauptsächlich Waffen und Alltagsgegenstände geschmiedet wurden, wird jetzt noch traditionell gearbeitet. Schmiedemeister Erwin Hardwig (li.) freut sich mit seinem ehemaligen Auszubildenden über die bundesweite Auszeichnung.

Kaufbeuren – Funktion und Ästhetik sinnvoll in einem Werkstück zu kombinieren, das ist es, was die Jury im Wettbewerb „Die gute Form – Gestaltung im Metallhandwerk“ in diesem Jahr überzeugt hat. Marius Römleins Gesellenstück „Fakir“, eine Wandgarderobe, ist ein funktionales, geometrisch klar reduziertes Designobjekt, dem mit geschmiedeten einzelnen Nägeln Spannung und Bewegung eingehaucht wird. Mit dem Preis qualifiziert sich Römlein für den Wettbewerb um ein Weiterbildungsstipendium im Wert von 7.200 Euro.

Der Preisträger ist seit einem Jahr Geselle in der Hardwig Schmiede in Kaufbeuren. Der junge Mann hat seinen Traumberuf gefunden. Eine frohe Botschaft in einer Zeit, in der im Handwerk ganz allgemein Nachwuchsmangel herrscht, während die Zahl an Studierenden stetig steigt.

Für den Kaufbeurer Marius Römlein war schon seit langem klar, dass er einen handwerklichen Beruf erlernen will. Jetzt hat er den ersten Preis im Wettbewerb „Die gute Form“ gewonnen.

„Gestalterisches Talent, handwerkliches Geschick und eine große Portion Leidenschaft sind unbedingte Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere in unserem Handwerk. Das alles bringt Marius mit, und die Auszeichnung zum besten Nachwuchs-Metallgestalter ist ein weiteres Zeugnis davon,“ freut sich der stolze Lehrherr Erwin Hardwig.

Fakir – quadratisch, praktisch, wandelbar

Die Wandgarderobe besteht aus sechs kleinen rechteckigen Quadern, die in zwei mal drei Reihen übereinander angeordnet sind. Beim Auslösen des Mechanismus klappen achsensymmetrisch zur Mitte je zwei der Rechtecke zur Seite. So wird aus der quadratischen Form eine Reihung. In diesem arretierten voll aufgeklappten Zustand lässt die Garderobe eine hohe Auslastung zu.

Die Nagelbretter der Fakire waren Inspiration für das preisgekrönte Werkstück, mit dem Marius Römlein schon bei der Gesellenprüfung Prüfungsbester in seiner Berufsschule wurde. Abgeschmiedete einzelne Nägel bringen Bewegung und eine spielerische Note in das ansonsten klar reduzierte, geometrische Design. Sie bilden die Brücke zwischen Tradition und Moderne im Schmiedehandwerk, in dem Nägel seit jeher als Symbol für Verbindung und Verbindendes gelten.

Eine Berufung

Schon als 12-Jähriger hatte Römlein Schnuppertage in der Hardwig Schmiede erlebt, die ihn nachhaltig beeindruckt haben. Als Jugendlicher kamen diverse Praktika in verschiedenen Handwerksberufen hinzu. Nach Fachabitur und einwöchiger Probearbeit in der Schmiede stand fest, dass er den Weg zum Metallgestalter einschlagen wird. „Mich hat die Vielfalt der Möglichkeiten an diesem Beruf fasziniert. Ich kann etwas schaffen und bewegen und mich kreativ einbringen. Jeder Arbeitstag ist anders, ich bin geistig und körperlich gefordert, das gibt mir ein gutes Gefühl,“ sagt der heute 23-Jährige, der seinen Traumberuf gefunden hat. Als nächstes steht die Meisterschule in München auf der Agenda. Noch steht nicht fest, wie und wohin die Reise danach weitergeht. Vielleicht führt ihn sein Weg zurück in die Wertachstadt? Dort steht eine traditionsreiche Schmiede, die in einigen Jahren einen Nachfolger sucht.

In der historischen Schmiede am Kemptener Tor in Kaufbeuren wird bis heute traditionell mit Feuer, Zange, Hammer und Amboss gearbeitet. Sie ist ein Stück Kulturgut, bei dem das jahrhundertealte Schmiedehandwerk täglich mit neuen Impulsen belebt wird. Erwin Hardwig ist Schmiedemeister in vierter Generation, sein Urgroßvater hat die Schmiede 1907 eröffnet. Er kam aus Dachau, wo sich die Hardwigs als Schmiede bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.

Die Nagelbretter der Fakire waren Inspiration für das preisgekrönte Werkstück. Die Wandgarderobe hat eine Grundform mit einer Seitenlänge von 240 x 240 Millimeter bei einer Tiefe von 180 Millimetern.

Auch wenn der Kunstschmied als offizielle Berufsbezeichnung in den 1990er Jahren abgeschafft wurde und in das Berufsbild des Metallgestalters eingeflossen ist, so trifft doch die alte Bezeichnung für viele Arbeiten besser zu. Hier werden denkmalgeschützte Schmiedearbeiten kunstvoll restauriert, Auftragsarbeiten wie Türen, Tore, Zäune, Treppengeländer oder Grabkreuze nach alten Vorlagen oder in einer modernen Formensprache gestaltet. Es sind Aufträge von Privatleuten, Bauherren, von Künstlern, Bildhauern und Architekten. Dazu kommen freie Arbeiten aus dem Objektbereich. „Nur Schwerter sind selten dabei“, fügt Hardwig schmunzelnd hinzu.

Der Wettbewerb „Die gute Form“

Organisiert vom Zentralverband des deutschen Handwerks, umfasst der Wettbewerb alle Berufsbereiche der Produktion, unter anderem Steinmetze und Tischler, Schmuckgestalter sowie Metallgestalter. Normalerweise werden die Exponate auf der IHM in München ausgestellt. Ziel des Wettbewerbs ist die ästhetische Qualität von Produkten des Handwerks in der Ausbildung zu fördern und die Entwicklung zeitgerechter Produktlösungen mit traditionellen oder neuen Werkstoffen anzuregen. Unter anderem gilt es, die Öffentlichkeit auf die Bedeutung der Formgebung in der handwerklichen Ausbildung aufmerksam zu machen und für die Berufsbilder zu werben. Der Wettbewerb wird in vier Stufen, und zwar auf der Innungs-, Kammer-, Landes- und Bundesebene durchgeführt.

kb

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