Interview: Schulsozialarbeiterin Miriam Maier

"Gnadenlos ehrlich"

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Miriam Maier zusammen mit der 3. Klasse der Ronsberger Grundschule.

Obergünzburg – Seit etwa 100 Tagen begleitet Miriam Maier als neue Schulsozialarbeiterin die Grundschüler in Obergünzburg und Ronsberg. Wie ihre Arbeit mit den Kindern verläuft und welche Erfahrungen sie macht, berichtet Maier im Interview.

Frau Maier, Sie sind von einer Mittelschule an die Grundschule gewechselt, was ist jetzt anders?

Maier: „An der Grundschule läuft alles offener. Die Grundschüler gehen viel direkter auf mich zu. Sie sind gnadenlos ehrlich, echt interessiert und sie kommen gleich, wenn der Schuh drückt. Man muss immer gewappnet sein, denn die Kleinen stehen mit allen Fragen oder Problemen gleich bei mir auf der Matte.” 

Und was erzählen die Kinder dann so? 

Maier: „Da ist alles dabei. Von aufgeregten Berichten auf dem Pausenhof, dass da einer andere schupft, bis zur Aussage, mich mag in der Klasse keiner. Auf diesem Weg komme ich auch zur Einzelfallarbeit, ob ich will oder nicht. Wenn mir ein Kind in der Stunde Gewaltprävention erzählt, dass es zu Hause regelmäßig „eine fängt“, kann ich es nicht im Regen stehen lassen, ohne dem weiter nachzugehen.” 

Da sind wir schon bei der Frage, was denn eine Schulsozialarbeiterin an einer Grundschule macht? 

Maier: „Ich folge einem präventiven Auftrag. Es wird versucht, möglichst alle Kinder durch Angebote in den Klassen und während des Unterrichts zu fördern. Ich gehe mit Themen und Projekte wie „Rangeln, Regeln, Rücksicht nehmen“ in die Klassen. Die Kinder werden in offener Unterrichtsform von mir in ihren sozialen Kompetenzen geschult und gestärkt. Wir bauen auf Rollenspielen und Gemeinschaftserlebnissen auf. Es geht auch viel um Mobbing, Freundschaft, Respekt und leider auch um Ausgrenzung von Einzelnen.” 

Nehmen die Kinder die Inhalte an? 

Maier: „Es ist ganz erstaunlich, welche Einsichten Kinder nach sechs Wochen mitgenommen haben. Sie sagen dann von sich aus, ‘wir müssen besser zusammenhalten’ oder ‘Regeln sind auch wichtig’. Besonders wenn Kinder ausgegrenzt werden, sehe ich, dass sich nach meinem Einsatz etwas zum Guten verändert hat.” 

Und passiert auch etwas mit den Eltern? 

Maier: „Die sind sehr wichtig. Ich habe bereits 53 Elterngespräche geführt. Das muss auch sein. Wenn ein Kind öfter zu mir kommt und über Probleme berichtet, müssen die Eltern einbezogen werden. Ich berate und vermittle dann. Die Eltern ins Boot zu bekommen, ist für die Prävention wichtig, sie sollen ihren Kindern gut beistehen können und Bescheid wissen.” 

Also mit den Kindern und den Eltern läuft es gut, wie kommt man denn als Schulsozialarbeiterin bei den Lehrkräften an? 

Maier: „Wir kommen gut miteinander zurecht. Mittlerweile fühle ich mich als Teil der Schulfamilie. Mit den Lehrern tausche ich mich fachlich aus. Außerdem freue ich mich, wenn ich aus meinem Wissen etwas beisteuern kann. Ich wurde an beiden Schulen wirklich offen empfangen. Die Zusammenarbeit gelingt trotz aller Unterschiedlichkeit in den Ansätzen wirklich positiv. Auch die Gemeinden als Sachaufwandsträger geben mir Rückendeckung.”

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